Vor der Bundestagswahl:Die CSU an der Schamgrenze

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CSU-Chef Söder bei einer Video-Konferenz zur Lage in Afghanistan

CSU-Chef Markus Söder bei einer Video-Konferenz seiner Partei.

(Foto: dpa)

Die jüngsten Umfragen sind für Markus Söder und seine Partei niederschmetternd. Liegt es daran, dass quasi über Nacht das politische Topthema gewechselt hat? Interessant ist jedenfalls, wer alles auf Kosten der CSU gewinnt.

Kommentar von Sebastian Beck

Markus Söder hat zwar nach eigenem Bekunden keinen Bock auf Opposition, doch inzwischen sieht es so aus, als ob immer weniger Menschen Bock auf eine unionsgeführte Bundesregierung haben. Die neuen Umfrageergebnisse vom Wochenende sind aus der Sicht der CSU niederschmetternd: Nur noch 34,5 Prozent der Befragten würden in Bayern bei der Bundestagswahl die CSU wählen. CSU-Generalsekretär Markus Blume schob die Verantwortung dafür zwar sogleich auf den Bundestrend, was zum Teil auch stimmen mag.

Interessant ist jedoch, wer alles auf Kosten der CSU gewinnt - und zwar sämtliche Parteien, wobei die Grünen in Bayern lediglich um 0,7 Prozentpunkte auf 18,4 Prozent zulegen können. Die AfD legt um satte 2,7 Prozentpunkte auf 13,1 Prozent zu, die Freien Wähler um 2,3 Prozent auf 10,2 Prozent. Die SPD schafft es mit plus 2,5 Prozent wieder einmal auf einen zweistelligen Wert (10,1), die FDP auf immerhin 6,5 Prozent.

Nun sind Umfragen zwar oft fehlerbehaftet, Stimmungen können sich schnell ändern. Auffällig ist jedoch, dass zusammengerechnet knapp ein Viertel der Wähler in Bayern Parteien favorisieren, die im Spektrum rechts von der CSU rangieren: Freie Wähler und AfD profitieren besonders stark von der Schwäche der CSU und kommen zusammen auf 23,3 Prozent. Die Gründe dafür - das ist jetzt freilich spekulativ - könnten in der Corona-Politik der Staatsregierung liegen, in der Sicherheitspolitik und speziell in der Angst vor einer neuen Flüchtlingswelle. Die Umfrage wurde zwischen dem 6. und dem 20. August erhoben, die Vorgänge in Afghanistan spiegeln sich darin womöglich nur zum Teil wider.

Klar ist aber, dass quasi über Nacht das Topthema gewechselt hat: Auch Söder hatte zuvor allein auf die Klimapolitik gesetzt, wo er den Grünen den Rang ablaufen wollte. Klassisch konservative Themen hat er zum Missfallen von vielen in der Partei komplett ausgeblendet.

Nun steht plötzlich eine internationale Krise mit allen Implikationen im Vordergrund. Söder wird den Wählern in den nächsten Wochen sagen müssen, wie die CSU in außenpolitischen Fragen tickt und wo sie sich speziell von der AfD abgrenzt. Andernfalls wird die Partei bald unter die Schamgrenze von 30 Prozent stürzen.

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