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70. Geburtstag:Wo Strauß zwei Wochen feierte, taucht Seehofer einfach unter

Patronatstag der Gebirgsschützen Fischbachau 3 4 2009 Patronatstag der Bayerischen Gebirgsschützen

Auch Horst Seehofer hat als Ministerpräsident gerne mit Gebirgsschützen gefeiert. Seinen 70. Geburtstag verbringt er aber lieber privat.

(Foto: Imago)

Der Bundesinnenminister verbringt seinen Siebzigsten abgeschieden an einem unbekannten Ort in Bayern. Damit entgeht er auch der Gefahr, dass ein Laudator den falschen Ton trifft - so wie er vor zwei Jahren bei Söder.

Dass die Bayern ihre Feste zu feiern verstehen, weiß man spätestens seit der Landshuter Hochzeit von 1475. 40 000 Hühner, 11 500 Gänse, 1537 Lämmer und 1133 Schafe verzehrten die Gäste von Herzog Georg dem Reichen und Hedwig von Polen binnen einer Woche, dazu Hunderte Schweine und Ochsen, mehrere Tonnen Fisch und 220 Zentner Schmalz. Solche Ausmaße zeremoniellen Frohsinns - wenn auch in abgespeckter Version - gab es erst Jahrhunderte später wieder zu bestaunen, als ein anderer Landesfürst seinen 70. Geburtstag beging. An den Pomp, mit dem die CSU ihrem Übervater Franz Josef Strauß huldigte, erinnern sich allerdings nur noch die Altvorderen. Die CSU ist bescheiden geworden, wie das Beispiel Horst Seehofers zeigt. Auch er wird am Donnerstag 70 - in aller Stille und Abgeschiedenheit.

Kein Vergleich also zum September 1985: Zwei Wochen dauerten die Festivitäten zu Ehren von Strauß. 1500 Blechbläser brachten ihm ein Festkonzert dar, das über ganz München erschallen sollte. Bundeswehr und Gebirgsschützen ließen sich da nicht lumpen, auch ihre Abordnungen trugen Ständchen vor. Die CSU lud 3500 Bürger zu Bier, Brotzeit und Trachtentanz in den Kaiserhof der Residenz ein. Die Landesvertretung in Bonn und die Landeshauptstadt München spendierten Empfänge, Strauß speiste im Antiquarium der Residenz mit 800 Gästen, angeführt von Kanzler und Bundespräsident.

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Damit nicht genug: In Festschriften verewigten sich Staatenlenker wie Ronald Reagan und Margaret Thatcher. Die ARD brachte eine Sondersendung mit Strauß in der Königsloge des Cuvilliés-Theaters. Das Bayerische Hauptmünzamt prägte 2000 silberne Erinnerungsmünzen. In drei Tagen war der "FJS-Taler" zu jeweils 95 Mark vergriffen. Übertrieben? Nun, nicht einmal die SPD wagte es, den Jubelmarathon stören. "Die Sozis wollen vor dem Wählervolk nicht kleinkariert dastehen", schrieb der Spiegel.

Dass die Welt immer kleiner wird, zeigte sich bei Edmund Stoibers 70. Geburtstag. Der Festakt zu seinen Ehren wurde 2011 von der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft ausgerichtet, was nicht nur daran lag, dass Stoiber - anders als Strauß - schon unfreiwillig von allen Spitzenämtern befreit war. In einem Brief an CSU-Chef und Ministerpräsident Horst Seehofer hatte Stoiber dezidiert auf eine Einladung seitens Staat und Partei verzichtet: "Das schont auch die Staatskasse, die mir - wie Du weißt - ein ganz besonderes Anliegen ist." Auch die neue SPD-Generation hätte nun rebelliert: "Mehr als eine Portion Leberkäs und stilles Mineralwasser" für Stoiber hielt wegen des Landesbankdebakels nicht für angebracht.

Die Staatskasse zu schonen, mag auch für Seehofer ein Motiv sein. Vielleicht will er mit Blick auf Parteifreunde aber auch nur Nerven sparen. Alle Angebote aus der CSU für eine Feier hat der Ehrenvorsitzende jedenfalls abgelehnt. Wäre Seehofer noch Ministerpräsident, wie er es mal geplant hatte, könnte er sich dem Trubel nicht so leicht entziehen. Als Bundesinnenminister ist das einfacher. Andererseits hätte vor einem Jahr kaum jemand ein Fünferl und erst recht keine Erinnerungsmünze darauf gewettet, dass Seehofer dieses Amt nach dem Flüchtlingsstreit mit der Kanzlerin zum Siebzigsten immer noch ausüben würde. Seinen Geburtstag verbringt er im engsten Familienkreis an einem unbekannten Ort in Bayern.

Damit entgeht Seehofer immerhin einer Gefahr, die mit runden Geburtstagen verbunden ist. Nicht immer gelingt es den Laudatoren wie bei Strauß, den richtigen Ton zu treffen. Als Seehofer vor zwei Jahren seinem Rivalen Markus Söder zum Fünfzigsten gratulierte, sagte er zu dessen Frau: "Ich bilde mir ein, dass ich den Markus besonders gut kenne, und deshalb haben Sie heute eine besondere Anerkennung verdient." Das ausbaufähige Verhältnis zu Söder hat sich dadurch nicht verbessert. Diesmal wäre der Parteichef Söder als Redner an der Reihe gewesen. Vermutlich ist es für Seehofer daher das schönste Geschenk, wenn er von Söder erst gar nichts hört.

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