Schulen in Bayern:Destruktiver Masken-Missbrauch

Mundschutzmaske auf Schülertisch, Präsenzunterricht, Corona-Krise, Stuttgart, Baden-Württemberg, Deutschland, Europa ***

Die Corona-Schutzmasken werden nicht nur gebraucht, um die Virusübertragung zu vermeiden.

(Foto: imago images/imagebroker)

Der Mund-Nasen-Schutz hat es schon bis zum Gegenstand für Affären geschafft. Was Schülern allerdings damit anzustellen in der Lage sind, überrascht selbst Lehrer - und Busunternehmer.

Glosse von Maximilian Gerl

Über die Sägekraft von Masken für Mund und Nase war bislang nichts bekannt: Die Forschung beschränkt sich vor allem auf die Filterwirkung. Doch dass die Gummibänder, mit denen die Masken hinter den Ohren befestigt werden, auch zum Durchsägen von Kunststoff taugen, wurde unlängst in Würzburg bewiesen. Dort entdeckte man in einem Gymnasium 25 Stühle, deren Rückenlehnen mithilfe von Maskenbandl durchgesägt worden waren; in langsamer, beharrlicher Arbeit, ähnlich der eines Flusses, der sich nach und nach durch eine Schlucht frisst.

"Wir sind überrascht und tatsächlich ein stückweit fasziniert davon, dass man das tatsächlich machen kann", gab der Schulleiter dem BR zu Protokoll. In Regenstauf probierten Jugendliche die Masken im Bus aus. Die angeschlitzten Haltegriffe mussten aus Sicherheitsgründen ausgetauscht werden.

"Ripchair" heißt das Säge-Phänomen, das seit Wochen auf der Videoplattform Tiktok kursiert. Einer macht's vor, viele machen's nach. Und die Welt ist mal wieder um einen Trend reicher, der sich Außenstehenden nicht unbedingt erklärt. "Welt" ist übrigens wörtlich zu verstehen, die Fälle gehen über Bayern hinaus. Stühle sägen ist die neue Challenge, von denen es in den Weiten des Internets reichlich gibt.

Vor vielen Jahren war zum Beispiel Planking angesagt. Dabei legt man sich steif wie ein Brett auf den Boden - oder, aus Sicht des Plankers besser, weil mehr Klicks versprechend: balanciert den Körper an ungewöhnlichen Orten, etwa auf Basketballkörben. Weil die Orte immer riskanter wurden, gab es irgendwann Verletzte und Tote. Um das Ganze zu veranschaulichen, legte sich ORF-Moderator Armin Wolf während der Sendung aufs Pult und moderierte das Wetter an.

Dagegen wirken die Folgen der "Ripchair"-Challenge noch relativ klein. Sachbeschädigung bleibt natürlich trotzdem Sachbeschädigung. Gerade Schulmobiliar war und ist da leider ein leichtes Ziel. So sind aus eigenen Schulzeiten Tische in Erinnerung, die durch mutwilligen Zirkeleinsatz ziemlich herunterkamen. Ein Mitschüler baute sich aus einem Tisch sogar eine Pfeife, indem er von der Platte und von der Kante aus zwei Löcher im rechten Winkel zueinander bohrte. Tiktok gab es damals nicht, Ärger schon.

© SZ vom 23.07.2021/vewo
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