Coronavirus:Viel zu wenig Impfstoff

Impfstart Covid-Impfungen für Personal am LMU Klinikum Großhadern

Klinikum Großhadern in München: Die Spritze liegt bereit für die ersten Impfungen für die Bediensteten.

(Foto: Florian Peljak)

Bayern wartet auf die vom Bund versprochenen Mengen vergebens. Im Januar werden wohl Termine platzen. Wie es danach weitergehen kann? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Von Dietrich Mittler

In Bayern sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums bislang gut 17 000 Menschen gegen Corona geimpft worden. Im Vergleich zur Einwohnerzahl von 13,6 Millionen ist dies ein verschwindend geringer Anteil. Nun drohen in den ersten Januarwochen sogar viele Impftermine zu platzen.

Ist schon klar, wie viel Impfstoff Bayern im Januar geliefert bekommt?

Nein. Am Mittwoch sind 107 500 Impfdosen in Bayern eingetroffen, doch zum Jahresbeginn ist mit Impfverzögerungen zu rechnen. "Wie wir heute vom Bund erfahren haben, wird Bayern in der ersten Januarwoche - entgegen der bisherigen Zusage - voraussichtlich keine Impfstofflieferung erhalten", sagte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU). Es sei für sie "unverständlich, wie gerade bei derartig hohen Infektionszahlen eine komplette Lieferung einfach entfallen" könne. Später, nach Kritik aus mehreren Ländern, teilte das Bundesgesundheitsministerium mit, dass es am 8. Januar doch eine Lieferung geben soll - dafür dann aber erst wieder am 18. Januar. Auch Gesundheitsstaatssekretär Klaus Holetschek (CSU) ist verärgert: "Der Bund muss endlich für eine angemessene Versorgung mit Impfstoff sorgen."

Wann kann der Freistaat mit neuen Lieferungen rechnen?

Bayern sollte ursprünglich wöchentliche Lieferungen über jeweils 107 250 Impfdosen erhalten. Durch den Verzug, so Huml, werde das Impfangebot stark beschränkt: "Wir können leider nur das anbieten, was uns vom Bund geliefert wird." Zu beachten sei, dass jede Person zweimal geimpft werden muss, damit der Schutz gewährleistet ist. Also müsse von den Lieferungen die Hälfte zurückgestellt werden.

Wer kommt bei der Impfung zuerst dran?

Zunächst die Bewohnerinnen und Bewohner in den Alten- und Pflegeheimen sowie deren Pflegekräfte. Personen, die das 80. Lebensjahr vollendet haben, gehören generell zur Gruppe mit höchster Priorität. Auch Klinikmitarbeiter im patientennahen Bereich werden bereits gegen Corona geimpft. Einen guten Überblick über die drei Priorisierungsgruppen bietet zum Beispiel die Krankenkasse Barmer unter www.barmer.de/coronaimpfung.

Wer impft die alten Menschen in den Heimen?

Mobile Impfteams suchen augenblicklich Einrichtungen auf, die als potenzielle Hotspots in Betracht kommen. Heime und Pflegeeinrichtungen wurden bereits frühzeitig dazu aufgefordert, die Liste der Impfwilligen sowie weitere für die Impfung erforderliche Dokumente bei den zuständigen Behörden einzureichen.

Wie erfahren die übrigen alten Menschen von der Impfung?

Zur Information der über 80-Jährigen bezüglich Impfmöglichkeiten, Terminvergabe und Ort der Impfzentren ist eigens ein Einladungsschreiben vorgesehen.

Wenn in einem Heim alle Bewohnerinnen und Bewohner sowie die Pflegekräfte geimpft sind, können dort dann die Besucherregelungen gelockert werden?

Nein. Laut Gesundheitsministerium gelten weiterhin die Besuchseinschränkungen. Auch nach einer Impfung müssen folglich die empfohlenen Schutzmaßnahmen eingehalten werden. Hintergrund: Die Ständige Impfkommission kann auf Basis der aktuell vorliegenden Erkenntnisse noch keine endgültige Aussage machen, "ob Personen nach einer Impfung eine Sars-CoV-2-Infektion weiterverbreiten können und ob eine langfristige Immunität nach der Impfung vorliegt".

Wer impft jene Menschen, die zu Hause gepflegt werden?

Diese Arbeit übernehmen ebenfalls die mobilen Impfteams.

Wann kommt die restliche Bevölkerung dran?

Erst dann, wenn alle Impfwilligen aus den drei Priorisierungsgruppen - so etwa Menschen mit Behinderung, Schwangere, Ärzte, Pflegende sowie Personen mit schweren chronischen Erkrankungen - geimpft sind. Der Zeitpunkt einer allgemeinen Terminvergabe soll laut Gesundheitsministerium "rechtzeitig öffentlich bekannt gegeben" werden.

Wie finde ich das für mich zuständige Impfzentrum?

Die Telefonnummern der insgesamt 99 bayerischen Impfzentren sind über die örtlichen Medien sowie auch auf der Homepage des Gesundheitsministeriums ersichtlich (www.stmgp.bayern.de/coronavirus/impfung). Im Laufe des Januars 2021 soll nach Angaben des Gesundheitsministeriums zudem eine Online-Anmeldung möglich sein.

Besteht eine Impfpflicht?

Nein, die Impfung gegen das Coronavirus ist freiwillig.

Welche Kosten entstehen durch die Impfung?

Womöglich Fahrtkosten. In den Impfzentren ist die Impfung kostenlos - gleiches gilt für die Impfung durch mobile Impfteams. Die Finanzierung des Impfstoffes übernimmt vollständig der Bund. Die Kosten für den Betrieb der Impfzentren tragen die Länder und die Krankenkassen.

Welche Dokumente werden für die Impfung benötigt?

Neben der Terminbestätigung sollte, falls vorhanden, der persönliche Impfausweis mitgebracht werden. Für gesundheitlich vorbelastete Menschen empfiehlt es sich außerdem, Unterlagen wie den Herzpass, den Diabetikerausweis oder die jeweilige Medikamentenliste dabei zu haben.

Was passiert im Impfzentrum?

Zunächst sollten sich die Impfwilligen bei Anmeldung im Impfzentrum ausweisen und ihren Berechtigungsnachweis vorlegen. Sodann werden sie von Ärztinnen und Ärzten über den Impfablauf, die Risiken und die Nebenwirkungen aufgeklärt. Auszufüllen ist überdies ein Gesundheitsfragebogen. Daraufhin übernimmt in einer Einzelkabine medizinisches Fachpersonal die Impfung. Zur medizinischen Überwachung sollte die geimpfte Person schließlich noch rund eine halbe Stunde in einem Beobachtungsraum verbringen. Insgesamt sind für den Besuch des Impfzentrums 45 bis 60 Minuten einzurechnen. In der Anfangsphase sollen die Impfzentren laut Gesundheitsministerium grundsätzlich sieben Tage in der Woche geöffnet sein. Die Öffnungszeiten können regional unterschiedlich sein.

Ist mit einer Impfung alles erledigt?

Nein, für einen wirksamen Schutz ist bei den augenblicklich verfügbaren Impfstoffen eine zweimalige Impfung im Abstand weniger Wochen erforderlich.

Kann ich im Impfzentrum überhaupt die Abstandsregeln einhalten?

Um das Infektionsrisiko gering zu halten, wurden die Impfzentren in Form von "Impfstraßen" gestaltet. Die erforderlichen Abstände sollten also eingehalten werden können. Auch dürfte weitgehend überall die Möglichkeit bestehen, im Auto zu warten, bis man an die Reihe kommt.

© SZ vom 31.12.2020
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