Pandemie-Bekämpfung:Impfen in der Schule, ach nö

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Coronavirus - Baden-Württemberg

In Bayrischen Schulen können sich volljährige Schüler nun impfen lassen.

(Foto: dpa)

Rektoren können jetzt mobile Teams bestellen, um zumindest ihre volljährigen Schüler immunisieren zu lassen. Doch kaum jemand macht mit.

Von Viktoria Spinrad und Johann Osel

Vergangene Woche bekam Michael Beer digitale Post vom Kultusministerium. "Impfangebot für volljährige Schülerinnen und Schüler der aktuellen Abschluss- und Vorabschlussklassen", steht über dem Schreiben, das gleichzeitig mit dem Schulleiter des Gymnasiums in Bad Aibling Hunderte weitere Schulen erhielten. Ein scheinbar verlockendes Angebot - wäre es vor den Abiturprüfungen eingetrudelt, als die Schüler noch an den Schulen waren.

"Jetzt ist der Zug zum Teil leider schon abgefahren", sagt Beer und rechnet am Telefon kurz die verbleibenden potenziellen Impfkandidaten durch: Zwölf volljährige Schüler aus der Q 11 bekommt er zusammen - die 130 Abiturienten sind längst aus der Schule raus. "Für zwölf brauche ich keine mobilen Impfteams herbestellen", sagt er - zumal sich im Landkreis der Impfstoff ja stapelt. "Der Plan ist von der Realität überholt worden." Die Auskünfte des Schulleiters klingen nach Schulterzucken.

Zehn Wochen ist es her, dass Ministerpräsident Markus Söder (CSU) die große Impf-Initiative für Abschlussschüler ankündigte. Dass aus Prüfungen Spreading-Events werden, wollte man tunlichst verhindern. Im Juni sollte es losgehen, eigentlich.

Doch Impfstoff war knapp, nun soll an diesem Mittwoch der Start sein. Konkret sollen Schulen für impfwillige Schüler aus Abschluss- und Vorabschlussjahrgängen Reihenimpfungen im Impfzentrum oder in der Schule durch mobile Teams organisieren. Das Angebot gilt auch für Zwölf- bis 17-Jährige mit einer Vorerkrankung - wie ihre älteren Mitschüler sollen sie den Impfstoff von Moderna oder Biontech erhalten. Die Crux: Da die Ständige Impfkommission (Stiko) Biontech bisher nur für Volljährige empfiehlt, gilt auch das Angebot des Freistaats nur für Erwachsene - also für diejenigen, die sich seit Ende der Priorisierung vor einem Monat ohnehin relativ problemlos impfen lassen können.

Luftfilter für Schulen

Luftfilter in den Klassenzimmern sollen den Präsenzunterricht sichern, aber noch ist unklar, wie viele der Filter es tatsächlich geben wird.

(Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa)

Was also kann das vom Gesundheitsministerium erstellte Konzept jetzt noch bringen? Die Bedenken sind auch abseits der Praktikabilität groß. Viele Schulleiter wollen verhindern, mittels Impfteams Druck auf Schüler auszuüben. Im Kultusministerium entschärft man. "Es ist und bleibt ein Angebot an die Schüler, denn jeder Geimpfte ist wichtig", sagt ein Sprecher. Zum Timing gibt es fatalistische Töne.

"Besser spät als nie"

Solange nicht ausreichend Kapazitäten vorhanden waren, konnte "das Ministerium auch nichts initiieren". Dafür gibt es Verständnis. "Besser spät als nie", sagt Pankraz Männlein, Chef des bayerischen Berufsschullehrerverbands. Man wolle nun prüfen, inwieweit das Impfangebot auf jüngere Schüler ausgeweitet werden kann. Einen Appell für eine entsprechende Empfehlung richtete Söder zuletzt vergangenen Sonntag an die Stiko - doch bisher bleiben die Experten defensiv.

Die Volljährigen-Impfung an Schulen sei "nicht in allen Fällen ganz leicht", räumte Kultusminister Michael Piazolo (FW) am Dienstag nach dem Kabinett ein. Es gebe aber den Weg über die Impfzentren, er höre von solchen Beispielen. Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) sagte, generell müsse man in der jetzigen Phase "aktiv versuchen, das System so zu ändern, dass wir den Impfstoff zu den Menschen bringen". Junge Menschen zwischen 18 und 25 dächten womöglich, sie seien anfangs nicht dran gewesen und sähen jetzt keinen Grund zum Impfen, erklärte er. "Darauf müssen wir Antworten geben."

Derweil prescht man im oberfränkischen Landkreis Hof vor. Stadt und Kreis starten mit Hausärzten sowie dem Impfzentrum eine groß angelegte Aktion. Immunisiert werden sollen möglichst viele Schüler weiterführender Schulen - nicht nur erwachsene, das Angebot gilt ab zwölf Jahren.

Zur Anschaffung von mobilen Luftreinigungsgeräten für Bayerns Klassenzimmer stellt der Freistaat 190 Millionen Euro bereit, wie der Ministerrat beschloss. Mit der Förderung könnten die Träger von Schulen und Kitas mehr als 100 000 Räume ausrüsten, die Kommunen müssten die andere Hälfte der Kosten tragen. Dazu sei man mit den kommunalen Spitzenverbänden im Gespräch, auch zur Organisation, sagte Piazolo. Eine feste Zusage, dass tatsächlich flächendeckend im Herbst die Lüfter vorhanden sind, könne er mangels formaler Zuständigkeit aber nicht abgeben, ergänzte er.

SPD-Bildungspolitikerin Simone Strohmayr findet das "beschämend", die Pläne wirken für sie wie "dürftige Absichtserklärungen". Und der Vorsitzende des Bayerischen Städtetags, Straubings Oberbürgermeister Markus Pannermayr (CSU), kritisierte: Konkrete Angaben zur Höhe der Kosten, zum Zeitrahmen und zur Ausgestaltung des Förderprogramms seien "leider noch nicht getroffen" worden.

Damit nach den Ferien trotz Delta-Variante Präsenzunterricht stattfinden kann, will Piazolo zudem die Teststrategie an Schulen erweitern: etwa über PCR-Pooling ein Sammeln von Gurgel-Proben der Kinder.

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