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Coronakrise:Die Verteilung der FFP2-Masken für Bedürftige läuft nicht reibungslos

FFP-2 Masken Apotheke.

Nicht jeder kann sich die teureren FFP2-Masken problemlos leisten - deshalb sollen Bedürftige unterstützt werden. Doch die Verteilung läuft nicht reibungslos ab.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Man werde "niemanden, der sagt, es ist finanziell schwierig, im Stich lassen", sicherte Gesundheitsminister Holetschek vergangene Woche zu. Hat die Staatsregierung ihr Versprechen eingelöst?

Von Maximilian Gerl, Andreas Glas und Anton Kästner

Man werde "niemanden, der sagt, es ist finanziell schwierig, im Stich lassen", versprach Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) vergangene Woche. Es ging um die Tragepflicht für FFP2-Masken in Läden und öffentlichen Verkehrsmitteln, die gerade von der Staatsregierung beschlossen worden war - und darum, dass diejenigen, die wenig Geld haben, sich trotzdem eine Maske kaufen können. Holetschek kündigte an, insgesamt 2,5 Millionen kostenlose Masken an Bedürftige auszugeben. Nun, da die FFP2-Pflicht seit bald einer Woche gilt, stellt sich die Frage: Hat die Staatsregierung ihr Versprechen eingelöst?

Ja, heißt es aus dem Gesundheitsministerium. Die 2,5 Millionen FFP2-Masken seien bereits Anfang dieser Woche über das Technische Hilfswerk (THW) an die Kommunen geliefert worden, sagt ein Sprecher auf Nachfrage. Von dort aus sollten die Masken weiter an bedürftige Menschen verteilt werden - also vor allem an alle, die Leistungen wie Hartz IV nach Sozialgesetzbuch II und XII beziehen.

Praktisch dagegen lässt sich schwer nachvollziehen, wo sich in der langen Kette aus Ministerium, THW, Kommunen, Verteilstellen und Bedürftigen wie viele Masken bei wem befinden. In Rosenheim zum Beispiel sind sie im Laufe der Woche eingetroffen und weiterverschickt worden. Das übernehmen Sozialamt und Jobcenter. Obdachlose bekommen je fünf FFP2-Masken in Hilfseinrichtungen ausgehändigt. Ähnlich sieht es in Wunsiedel aus. Das Sozialamt in Nürnberg hatte bis Freitag rund 100 000 Masken erhalten. Der Rest dürfte in den nächsten Tagen folgen, der Versand dauert wahrscheinlich bis Mittwoch. Der Bayerische Städtetag geht davon aus, dass die Verteilung "wohl gut angelaufen" sei.

Allerdings habe es anfangs Schwierigkeiten geben. "Ein Problem war die kurzfristige Ankündigung", sagt Geschäftsführer Bernd Buckenhofer. Die Maskenlieferung habe gedauert, teils seien Städte in Vorleistung gegangen. Außerdem sei der Versand aufwendig - so dürften Adressen der Bedürftigen nicht einfach vom Jobcenter herausgegeben werden, Datenschutz. Auch müssten die einzeln verpackten Masken aus Großgebinden unter Beachtung der Hygienevorgaben umgepackt werden. Angesichts dieses hohen Aufwands könne das Ganze "nur eine einmalige Aktion sein", sagt Buckenhofer. "Der einfachere Weg wäre gewesen, den Bedürftigen einen pauschalen Geldbetrag zum Kauf von Masken zu überweisen. Das wäre schneller und letztlich erheblich unkomplizierter gewesen."

Auch der Bayerische Flüchtlingsrat hätte sich mehr Vorlauf gewünscht. Sprecherin Katharina Grote sieht einen "wahnsinnigen Kraftakt" der Kommunen. Diese können wählen, ob sie Asylbewerbern die Zulagen erhöhen, damit sie sich selbst Masken kaufen - laut Flüchtlingsrat zusätzlich sechs Euro für Januar und zwölf für Februar. Alternativ können die Kommunen Masken als Sachleistung ausgeben. So wird es in Nürnberg gehandhabt. Rosenheim dagegen überweist Geflüchteten zusätzlich zehn Euro. Ein ziemliches Wirrwarr also. Ob alles geklappt hat, sagt Grote, "weiß man am Montag".

© SZ vom 23.01.2021/lfr
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