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Coronavirus:Beim Fasching hört der Spaß auf

Vereinzelte Jecken zu Weiberfastnacht am Alter Markt in Koeln (Foto vom 11.02.2021). In der Koelner Altstadt, wo sonst

Nur vereinzelt sieht man in diesem Jahr ein paar Faschingsbegeisterte herumlaufen.

(Foto: imago images/epd)

Die Welt ist gaga geworden und jetzt fällt auch noch der Fasching aus. Da kann man es nur mit Karl Valentin halten. Oder mit dem FC Bayern.

Glosse von Hans Kratzer

Die Knechtschaft an den Bildschirmen führt in einer Zeitungsredaktion zum Ergebnis, dass dort viele Gebeugte und Leptosome versammelt sind. Umso klarer ragt aus jener Schar natürlich die Minderheit der Unverzärtelten heraus, die gämsengleich auf allerhöchste Berge kraxeln und sich bis zum Herzkasperl auf dem Radl abstrampeln. Einer aus dieser Kaste klagte am gestrigen Wintertag, es habe ihm beinahe den Hintern abgefroren, als er in der Früh in die Arbeit radelte. Es war quasi arschkalt, und so kam man in der Morgenkonferenz nicht umhin, echtes Mitleid zu verspüren.

Die Not erinnerte an jene des bedauernswerten FC Bayern, der neulich ungewollt am Berliner Flughafen übernachten musste. Deshalb auch von hier aus einen herzlichen Glückwunsch an all die tapferen Fußballer, die das Drama einer Nacht im First-Class-Abteil überlebt haben. Um dann sogleich in der staubigen Wüste des katarischen Morgenlandes einen Pokal zu gewinnen, dessen Bedeutung weit über Untergiesing hinausstrahlt. Dass allem Anschein nach jederzeit auch die Sechzger die hüftsteifen Turniergegner besiegt hätten, soll den Triumph der Bayern keineswegs schmälern.

Die in diesen Tragödien spürbare Verlassenheit hat nun sogar den Fasching erfasst. Die Welt ist gaga geworden, auch ohne das übliche Rauslassen der Sau und Alaaf und Helau. Einst hängten sich die Bauernburschen im Fasching Kuhglocken um den Hals und machten einen Heidenlärm, um den Winter sowie die bösen Geister zu vertreiben. Für den Lärm sorgen jetzt die Virologen und die Fußballbosse, die ja von Haus aus glauben, von bösen Geistern umzingelt zu sein.

Seit jeher geht es im Fasching und im Fußball um alles. Nur, dass früher kleinere Bälle im Spiel waren. Der Kronwieser Aloysius, so ist es den Annalen von 1742 zu entnehmen, verschied im 27. Jahr seines Lebens, nachdem er am Knödelwettessen in Pfaffenhofen an der Ilm teilgenommen hatte. 46 Stück hatte er verdrückt, "welche Menge biß anitzo in gantz Baiern unerhört ist." Magen und Kreislauf waren mit soviel Knödelbaaz überfordert. "Zum Spaß ist der Fasching net da, da hört sich der Spaß auf!" Das sagte der weise Karl Valentin, der vor 73 Jahren einsam in seinem Haus in Planegg gestorben ist - es war ein Rosenmontag.

© SZ vom 13.02.2021/lfr
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