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Prüfungen an den Hochschulen:Risikokontakt Examen

Prüfungszelt an der TU München in der Corona-Krise, 2020

So lief es im Sommersemster an der TU: Um die Abstandsregeln zu wahren, baute die Uni ein Prüfungszelt auf.

(Foto: Catherina Hess)

In Messehallen mit Abstand und Belüftungsanlagen, mit Maskenpflicht am Platz: Viele Hochschulen lassen ihre Studierende zu Klausuren anreisen. Dabei wären Online-Klausuren in Bayern rechtlich möglich.

Von Anna Günther

Anders als an den Schulen in Bayern gilt an Hochschulen und Universitäten seit Monaten hauptsächlich Digitalbetrieb. Dass sie für Prüfungen anreisen müssen, kritisieren viele Studenten scharf: Mehrere Petitionen gegen Präsenzprüfungen laufen, Medien wie Ministerien erreichen zahlreiche erboste Zuschriften: "Wir durften aus gutem Grund unsere Kommiliton*innen während des Semesters nicht sehen, sollen uns jetzt aber zu Hunderten quer durch die Republik auf den Weg machen", schreibt eine Passauer Studentin. Wie sie beklagen einige den "Widerspruch" zu Lockdown und Onlinebetrieb. Ein Bamberger Student kritisiert die "untragbare Situation". "Man gefährdet die Gesundheit und das Leben von uns Studenten, den Profs und deren Familien", schreibt ein Kemptener Student.

Auch Anna-Maria Trinkgeld und Maximilian Frank, Sprecher der Landesastenkonferenz (LAK), berichten von vielen Mails voll Kritik und Sorgen. Alle 403 000 Studenten müssen sich irgendwie prüfen lassen. Aber während einige Dozenten auf Online-Formate oder Hausarbeiten ausweichen, sollen die Staatsexamensprüfungen in Präsenz ablaufen. Lehramtsstudenten fühlen sich vom Kultusministerium "im Stich gelassen". Aber wie oft in Corona-Zeiten gibt es auch die Not der anderen: Viele Studenten fürchteten die Absage der Prüfungen und damit Zeitverlust, erzählen die LAK-Sprecher. "Die Prüfungen komplett abzusagen, würde einen noch größeren Shitstorm auslösen", sagte Frank. Die für ihn bessere Lösung winkte das Kabinett gerade durch, die Zustimmung des Landtags ist absehbar: Wie im Sommer wird das Wintersemester nicht auf die Regelstudienzeit angerechnet. Studenten müssen nicht fürchten, exmatrikuliert zu werden oder kein Bafög mehr zu bekommen, wenn sie Prüfungen nicht schaffen oder länger fürs Studium brauchen als vorgesehen.

"Es scheitert an Serverkapazität, Personal und Durchführung"

Aber wie sie den Prüfungsbetrieb zu organisieren haben, schreibt Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) den Hochschulen nicht vor. Abgesehen von 1,5 Metern Mindestabstand gibt es keine einheitlichen Regeln. Jede Uni und jede Hochschule hat ihr eigenes Hygienekonzept. Einige ordnen Maskenpflicht am Platz an, viele mieten Messe- oder Stadthallen, um Abstand wahren und Belüftungsanlagen nutzen zu können. Der Passauer Unipräsident Ulrich Bartosch hielt zwar an den Prüfungsterminen fest, rief aber die Dozenten dazu auf, möglichst viele Prüfungen digital abzuhalten. Die Uni Bamberg verschob alle Prüfungen auf Mitte Februar. Die Prüfungen in Augsburg beginnen erst im Februar, trotzdem appellierte auch Präsidentin Sabine Doering-Manteuffel an ihre Dozenten, online zu prüfen. Das größte Problem sieht sie in Massenfächern wie Wirtschaftswissenschaften, Jura und den Lehrämtern. Da seien digitale Prüfungen oft noch keine Option, sagte Doering-Manteuffel.

Zwar verkündete Wissenschaftsminister Sibler im September stolz, dass Bayern als einziges Bundesland digitale Prüfungen gesetzlich regelt, aber von der Erlaubnis zum flächendeckenden Einsatz ist es ein weiter Weg. "Es scheitert an Serverkapazität, Personal und Durchführung", sagte LAK-Sprecherin Trinkgeld. Die Hochschulen bräuchten endlich Budget vom Staat für die weitere Digitalisierung, sagte auch Doering-Manteuffel, die Sprecherin aller bayerischen Unileitungen ist. Bisher finanzierten sie alles aus dem laufenden Budget. Manch' Unichef beklagt zudem, dass die Unis den Ärger der Studenten abbekommen, obwohl doch die Ministerien auf Präsenz im Examen bestünden.

Die Landtagsopposition fordert mehr Rücksicht von der Regierung: Anna Toman (Grüne) und Simone Strohmayr (SPD) plädieren für eine Verschiebung des Staatsexamens. Auch die Bewertung müsse an die Pandemie angepasst werden, sagte Strohmayr. Das Kultusministerium hält noch an den Terminen fest und teilt mit, dass Prüflinge aber wie im Sommer einen Freischuss nutzen können, also nicht bestandene Prüfungen ohne Konsequenzen wiederholen dürfen. Neu ist die Maskenpflicht in allen Lehramtsexamensprüfungen samt Zeitzuschlag. Zudem können Prüflinge sich das Corona-bedingte Fernbleiben von Klausuren genehmigen lassen. Wissenschaftsminister Sibler überlässt die Details weiter den Hochschulen, aber die Sorgen der Studenten seien ihm sehr bewusst, sagt er. Neben dem Kabinettsbeschluss zur Regelstudienzeit soll der "Click & Collect"-Betrieb der Bibliotheken bessere Bedingungen bringen.

© SZ vom 25.01.2021/berk/van
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