Corona in Bayern:Möglichst viele Tests sind noch keine Strategie

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Coronavirus - Test an Rastanlage

Auch an den Teststationen an den Autobahnen kommt es SZ-Lesern zufolge weiter zu Verzögerungen bei der Übermittlung der Testergebnisse.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Ministerpräsident Markus Söder überfordert mit seinem Vorgehen das Gesundheitssystem. Es wäre an der Zeit, dass ihn jemand einbremst.

Kommentar von Sebastian Beck

Testen, testen, testen - so lautet die Vorgabe von Ministerpräsident Markus Söder im Kampf gegen Corona. Doch möglichst viele Tests ergeben zusammen noch lange keine Strategie. Im Gegenteil: Die vergangenen Wochen haben gezeigt, dass sich Söder in seinem Bestreben, stets der Allerbeste zu sein, verrannt hat.

Kostenlose Tests für jedermann, also auch für die diejenigen, die keine Symptome aufweisen, das hatte Söder bereits im Mai angekündigt. Fachleute hatten damals schon vor einer Überforderung der Labore gewarnt. Denn anders als ein Schwangerschaftstest ist der Nachweis einer Corona-Infektion derzeit noch teuer und kompliziert. Bis echte Schnelltests verfügbar sind, wird es noch dauern. Schon deshalb wäre es sinnvoll, die Kapazitäten in den Labors vorerst für diejenigen Menschen zu reservieren, bei denen ein begründeter Verdacht besteht.

Sie könnten ihre Ergebnisse zeitnah erhalten und bis dahin Kontakte vermeiden. Testergebnisse, die erst nach einer Woche vorliegen, sind wenig aussagekräftig. Das Vorgehen der Staatsregierung erscheint zudem rücksichtslos. Denn die diversen Pannen zeigen, dass das Personal in den Laboren, in Praxen und Teststationen heillos überfordert ist. Und nicht nur das. Reagenzien und Material werden als Folge der zum Teil beliebigen Testerei inzwischen knapp. Sie fehlen dort, wo sie wirklich gebraucht werden.

Schuld an dem Test-Desaster tragen nicht nur diejenigen, die Vorgaben nicht einhalten können, sondern vor allem diejenigen, die sich die unrealistischen Vorgaben ausgedacht haben. Nach den Pannen an den Autobahnen vor drei Wochen opferte Söder den Chef des Landesamtes für Gesundheit, Andreas Zapf, weil ihm das politisch am wenigsten schadete.

Das Durcheinander ist seitdem nicht weniger geworden. Es wäre nun an der Zeit, dass jemand den Allestester Söder einbremst. Nur wird sich dafür in Bayern niemand mehr finden.

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