Bayern:Die neuen Regeln für die Corona-Quarantäne in Bayern

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Wegen Quarantäne allein sein zu müssen, ist langweilig.

(Foto: imago images/Addictive Stock)

Keine Quarantänepflicht für Geboosterte. Infizierte und Kontaktpersonen können sich nach sieben Tagen freitesten, Kinder manchmal schon nach fünf: Der Freistaat hat den Bund-Länder-Beschluss umgesetzt. Ein Überblick.

Von Kassian Stroh

Bund und Länder haben sich auf neue Vorschriften für die Corona-Quarantäne geeinigt - und Bayern hat diese inzwischen in Kraft gesetzt. Seit dem 15. Januar gilt zum Beispiel: Wer eine Auffrischungsimpfung hat, muss nicht in Quarantäne, wenn er Kontakt zu einem Corona-Kranken hatte. Und bereits seit dem 11. Januar gilt: Kontaktpersonen und Infizierte müssen generell zehn Tage lang alleine daheimbleiben. Nach sieben Tagen können sie sich aber freitesten, Kinder in manchen Fällen sogar schon nach fünf. Mit diesen kürzeren Zeiten will man verhindern, dass in wichtigen Bereichen wie der Gesundheitsversorgung zu viele Beschäftigte in Quarantäne geschickt werden - denn inzwischen ist Omikron die dominierende Variante des Coronavirus und zieht sehr viele Neuinfektionen nach sich, die aber offenbar relativ mild verlaufen.

Ein Überblick über die wichtigsten Fragen, wie die Quarantäne in Bayern gehandhabt wird und was jetzt gilt.

Wer muss in Quarantäne und warum?

In Quarantäne müssen grundsätzlich alle, die einen engen Kontakt zu einem Covid-19-Kranken hatten ("enge Kontaktpersonen") - für Geimpfte und Genesene gibt es Ausnahmen (siehe unten). In Quarantäne müssen auch jene, bei denen ein begründeter Verdacht besteht, dass sie sich mit dem Coronavirus infiziert haben (Verdachtspersonen). Und natürlich alle, bei denen ein PCR-Test eine Infektion bestätigt hat - dann spricht man offiziell allerdings nicht von Quarantäne, sondern von Isolation.

Der Sinn dahinter ist: Das Coronavirus ist ein tückischer Erreger. Er ist nicht nur ziemlich ansteckend, er kann auch von Menschen übertragen werden, die gar nicht merken, dass sie ihn sich eingefangen haben. Ein zentrales Mittel, um die Pandemie einzudämmen, ist daher die vorübergehende Isolation von Covid-19-Infizierten und der Versuch, möglichst viele derer zu finden, die mit ihnen engeren Kontakt hatten. Sie müssen dann in Quarantäne.

Wie lange muss man in Quarantäne oder Isolation?

Kontaktpersonen: Zehn Tage nach dem letzten Treffen mit dem Covid-Kranken endet die Quarantäne für die jeweilige Kontaktperson automatisch, wenn in der Zwischenzeit bei ihr keine Symptome aufgetreten sind, die für eine Corona-Erkrankung typisch sind. Man muss sich dafür nicht eigens testen lassen. Man kann die Quarantäne aber auf sieben Tage verkürzen, wenn man einen negativen PCR- oder Antigentest vorlegt. Ein Selbsttest reicht nicht. Für Schüler und Kinder, die eine Kita besuchen, gilt eine Ausnahme: Sie können sich bereits nach fünf Tagen freitesten, da sie in der Folgezeit regelmäßig in der jeweiligen Einrichtung getestet werden.

Familienmitglieder oder Mitbewohner eines Covid-19-Kranken: Wer mit einem Menschen zusammenlebt, der Corona hat, muss ebenfalls zehn Tage in Quarantäne. Wie bei den Kontaktpersonen auch kann er sich nach sieben Tagen freitesten (Kita-Kinder und Schüler schon nach fünf Tagen). Die Zehn-Tage-Frist beginnt an dem Tag zu laufen, an dem der Corona-Kranke erstmals Symptome zeigte oder positiv auf den Erreger getestet wurde. Diese Frist bleibt auch, wenn in der Zwischenzeit weitere Familienmitglieder oder Mitbewohner an Corona erkranken sollten.

Verdachtspersonen: Als Verdachtspersonen gelten Menschen, die entweder Corona-typische Symptome zeigen, die deswegen einen PCR-Test haben machen lassen und nun auf das Ergebnis warten. Oder aber Menschen, die einen Selbsttest gemacht haben, der positiv ausgefallen ist, und die deshalb nun einen herkömmlichen Corona-Test (PCR) machen lassen. Bei ihnen endet die Quarantäne in dem Moment, in dem ein negatives Testergebnis vorliegt. Und schließlich gelten als Verdachtspersonen noch jene, die bei einem Pooltest mitgemacht haben, der positiv ausgefallen ist - sie müssen so lange in Quarantäne, bis ihr individueller PCR-Test negativ ausgefallen ist. (Pooltests gibt es vor allem an Grundschulen.)

Covid-19-Kranke: Wer bei einem Schnelltest (etwa beim Arzt oder in einer Apotheke) positiv getestet wurde, darf wieder in Freiheit, wenn der nachfolgende PCR-Test negativ ist. Ist man bei einem PCR-Test positiv getestet worden und zeigt man keine Symptome, endet die Isolation automatisch zehn Tage nach dem positiven Corona-Test - oder wenn man am siebten Tag einen Schnell- oder PCR-Test machen lässt, der negativ ausfällt. Bei Infizierten, die Krankheitssymptome zeigen, gilt: Ein Freitesten nach sieben Tagen ist möglich, wenn man dann bereits 48 Stunden lang symptomfrei ist; ansonsten endet die Isolation ebenfalls nach zehn Tagen, wobei man auch hier 48 Stunden lang symptomfrei sein muss.

Ausnahme für Beschäftigte in Krankenhäusern, Behinderten- oder Pflegeheimen: Sie dürfen nach einer Quarantäne oder Isolation erst dann wieder zur Arbeit, wenn sie 48 Stunden lang keine Symptome gezeigt haben. Außerdem müssen sie dazu einen negativen PCR-Test vorlegen (ein Schnelltest reicht hier nicht) oder sie gehen fünf Tage lang jeweils vor der Arbeit zu einem Schnelltest.

Alle Quarantäne-Regeln finden sich in einer Allgemeinverfügung des bayerischen Gesundheitsministeriums.

Was heißt "enge Kontaktperson"?

Bei jedem Corona-Erkrankten ermittelt das Gesundheitsamt, mit wem er engen Kontakt hatte, und wer somit ein erhöhtes Risiko für eine Ansteckung hat. Nach den Kriterien des Robert-Koch-Instituts ist das zum Beispiel der Fall, wenn man ohne Maske miteinander gesprochen hat (in einer Entfernung von weniger als eineinhalb Metern) oder mehr als zehn Minuten nah und ohne Maske beisammen stand oder länger als zehn Minuten gemeinsam in einem schlecht durchlüfteten Raum saß. Das örtliche Gesundheitsamt prüft und entscheidet das individuell.

Müssen auch Geimpfte und Genesene als Kontaktpersonen in Quarantäne?

Unter bestimmten Bedingungen nicht - denn Menschen mit einer Auffrischungsimpfung sind von der Quarantänepflicht befreit. Dazu kommen drei weitere Personengruppen: Menschen, die vollständig geimpft sind (also in der Regel zweimal) und deren zweite Impfung mindestens 15 Tage und höchstens 90 Tage zurückliegt. Menschen, die gerade erst Corona hatten (und zwar vor mindestens vier Wochen und höchstens 90 Tagen). Und all jene, die vollständig geimpft sind und zusätzlich an Corona erkrankt waren (vor oder nach der Impfung). Auch wenn man von der Pflicht zur Quarantäne generell befreit ist, kann das Gesundheitsamt aber eine solche anordnen, wenn man Symptome zeigt, die für Corona typisch sind - zum Beispiel Husten oder Fieber.

Diese Neuregelungen, auf die sich Bund und Länder geeinigt hatten, sind in Bayern seit dem 15. Januar in Kraft. Die bisherige generelle Quarantäne-Befreiung für vollständig Geimpfte und Genesene ist also gestrichen worden. (Der genaue Wortlaut findet sich in einer Allgemeinverfügung des Gesundheitsministeriums.)

Macht es einen Unterschied, ob es sich um eine Omikron-Infektion handelt oder um eine andere Virusvariante?

Nein. Alle Vorschriften gelten einheitlich bei jeder Corona-Infektion. Bis zum 11. Januar war das anders, da galten bei Omikron-Fällen längere Isolations- und Quarantänezeiten und es gab keine Möglichkeit, sich früher freizutesten. Das wurde abgeschafft - und Omikron ist inzwischen ohnehin für die meisten Corona-Fälle im Land verantwortlich.

Was muss man in der Quarantäne beachten?

Wer in Quarantäne oder Isolation ist, muss in seiner Wohnung bleiben - selbst ein Spaziergang allein im Wald ist nicht erlaubt. Man darf keinen Besuch empfangen und muss sich von seinen Mitbewohnern, auch von Familienmitgliedern, fernhalten, also möglichst in einem eigenen Zimmer bleiben und nicht mit ihnen gemeinsam essen. Es gibt nur zwei Ausnahmen, wann man seine Wohnung verlassen darf: entweder allein in den eigenen Garten, auf die Terrasse oder den Balkon oder für den Weg zu einem Arzt oder ins Testzentrum, weil ein Corona-Test angeordnet wurde. Weitere Ausnahmen muss das Gesundheitsamt genehmigen.

Kontaktpersonen müssen einmal am Tag ihre Körpertemperatur messen sowie Kontakte und mögliche Krankheitssymptome in ein Tagebuch eintragen. Sollten sie Anzeichen einer Corona-Erkrankung zeigen, müssen sie das Gesundheitsamt anrufen; das gilt sogar für die Zeit nach der Quarantäne - und zwar für die drei Wochen nach dem Kontakt. Wer sich an die Vorschriften nicht hält, gegen den kann ein Bußgeld verhängt werden.

Was gilt in Schulklassen und Kitas?

Auch hier prüft das Gesundheitsamt grundsätzlich in jedem Einzelfall, wer zu einem Corona-Kranken engen Kontakt hatte und deshalb in Quarantäne muss. Das hängt also zum Beispiel von den Gegebenheiten im Klassenzimmer ab.

Bei Krippen- und Kindergartenkindern wird grundsätzlich ebenfalls individuell vom Gesundheitsamt geprüft, wer bei einem Corona-Fall in Quarantäne muss. Da hier der Kontakt der Kinder untereinander meist deutlich enger ist, betrifft das meist auch mehr.

Welche Ausnahmen gibt es für die sogenannte kritische Infrastruktur?

Sollte eine Behörde oder ein Betrieb der sogenannten kritischen Infrastruktur durch zu viele Quarantäne-Fälle lahmgelegt werden, kann die jeweilige Kommune Kontaktpersonen aus der Quarantäne entlassen, damit sie zur Arbeit gehen können. Zur kritischen Infrastruktur zählen zum Beispiel die Versorgung mit Wasser, Energie und Lebensmitteln, Banken und Versicherungen, das Transport- und Gesundheitswesen, Informationstechnik und Telekommunikation, Medien und öffentliche Verwaltung. (Eine Übersicht finden Sie auf der Seite des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.)

Und wie ist das mit der Quarantäne nach einer Einreise?

Wer aus einem Virusvariantengebiet kommt, muss nach der Einreise zwei Wochen lang in Quarantäne. Für ihn oder sie gilt: Freitesten ist nicht möglich, am Ende muss ein negativer PCR-Test stehen.

Daneben gibt es noch die sogenannten Hochrisikogebiete: Wer in einem solchen war, muss nach der Einreise nur dann in Quarantäne, wenn er oder sie nicht geimpft oder genesen ist. Sie dauert dann zehn Tage, die man mit einem negativen Test auf fünf Tage verkürzen kann. Die Liste der Hochrisiko- und Virusvariantengebiete steht auf der Internetseite des Robert-Koch-Instituts.

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