Süddeutsche Zeitung

Corona-Politik in Bayern:Ein Söder vercheckt nichts

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Fehler einzugestehen ist keine leichte Sache, zumal wenn man gar keine macht. Ministerpräsident Markus Söder jedenfalls tut sich in der Corona-Krise schwer damit - und schwurbelt lieber um Fragen nach Versäumnissen herum.

Kommentar von Sebastian Beck

Es ist schon etliche Jahre her, da bot die Staatskanzlei der SZ ein Interview zum Thema "Der Mensch Stoiber" an. Auf die Nachfrage, was das bedeute, sagte sein Sprecher, dass auch Edmund Stoiber Gefühle habe, die bis hin zur Schadenfreude reichten, wenn Kanzler Gerhard Schröder mal was misslinge.

Die SZ fiel auf das Lockangebot rein und führte ein Interview. Der Satz mit der Schadenfreude wollte dem "MP" aber partout nicht über die Lippen kommen, und auch sonst kam gefühlstechnisch wenig rüber.

Ein bisschen fühlte man sich am Mittwoch an das gescheiterte "Der Mensch Stoiber"- Projekt erinnert, als dessen politischer Enkel Markus Söder in "Jetzt red i" auftrat. Es ging um Corona und die Frage, warum man das Schlamassel nicht schon im Sommer habe kommen sehen. Der Ethikrat zum Beispiel hatte der Staatsregierung am 10. Juni vorhergesagt, was in diesem Winter passieren würde.

Die SPD-Abgeordnete Ruth Waldmann wollte von der Staatsregierung neulich wissen, warum man die Warnung ignoriert habe. Als Antwort bekam sie diesen satirischen Bla-Bla-Text: "Die Bayerische Staatsregierung und der Bayerische Ethikrat ziehen in der Corona-Krise an einem Strang und verfolgen dasselbe Ziel: eine entschlossene Bekämpfung bei größtmöglichem Schutz der Bevölkerung. Hierin ist sich die Bayerische Staatsregierung auch mit fortlaufend herbeigezogenen medizinischen und anderen Experten einig. Sowohl der Dialog mit dem Ethikrat als auch die Beratungen mit fachlich zuständigen Wissenschaftlern erfolgen in großer Einigkeit mit dem klaren gemeinsamen Ziel der bestmöglichen Pandemiebekämpfung."

Um aber zur Fernsehsendung zurückzukommen: Da äußerte Solvejg Lindner aus Samerberg an Söder gerichtet den Wunsch, "dass ein Politiker wie Sie sich einfach hinstellt und sagt: Leute, wir haben es vercheckt, wir haben das im Sommer nicht gemacht (...) wir hätten mehr tun können, aber wir haben es nicht gemacht".

Den Wunsch wollte ihr Söder nicht erfüllen. Er schwurbelte ein wenig herum und gipfelte in dem Satz: "Wenn ich alles alleine entscheiden könnte, wäre es leichter." So blieb er sich zwar treu, aber ähnlich wie dereinst Stoiber hat er womöglich eine Chance verpasst. Auch wenn Söder das selbst sicher ganz anders sieht.

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