bedeckt München

Sieben-Tage-Inzidenz:Wie Städte und Landkreise zu Hotspots werden

Corona Hotspots in Bayern DEU, Deutschland, Bayern, 14.10.2020: Robert Koch-Institut: COVID-19-Dashboard. Inzidenz über; .

Corona-Hotspots in Bayern.

(Foto: Rüdiger Wölk/imago images)

Die Corona-Zahlen im Freistaat steigen - oft sind private Feiern der Grund. Kleinere Orte bekommen aber auch wegen ihrer Einwohnerzahl schnell Probleme.

Von Sara Maria Behbehani

In Bayern gab es außer München und Fürstenfeldbruck bis zum Dienstagnachmittag vier weitere Corona-Hotspots: den Landkreis Regen, die kreisfreien Städte Rosenheim und Memmingen sowie den Landkreis Berchtesgadener Land. Im Laufe des Tages kamen mit Stadt und Landkreis Schweinfurt, dem Landkreis Rottal-Inn und der Stadt Augsburg vier weitere hinzu. Inzwischen überschreiten nicht nur die großen Städte die Sieben-Tage-Inzidenz von 50 Neuinfektionen. Allerdings zeigt sich bei kleineren Orten auch ein einfaches Rechenproblem.

Landkreis Regen

Seit dem Wochenende ist Regen einer der bayerischen Corona-Hotspots. Mit ungefähr 77 000 Einwohnern schlägt dort ein Corona-Fall deutlicher in der Statistik ein, als es in München der Fall wäre. "Jeder Betroffene zählt im Prinzip für 1,3 Fälle", sagt Pressesprecher Heiko Langer. Am Montag stieg der Inzidenzwert auf 90 pro 100 000 Einwohner, auch für Dienstag befürchtet Langer einen weiteren Anstieg. Allerdings lassen sich in Regen die Corona-Infektionen relativ gut eingrenzen. "Wir können die Ansteckungen weitgehend zurückverfolgen", sagt Langer und benennt ein Gymnasium, in dem überdurchschnittlich viele Infektionen auftreten, vor allen Dingen begrenzt auf eine Abschlussklasse.

Wo genau die Ansteckungen stattgefunden haben, könne man nicht sagen. Es könne die Schulbank gewesen sein, allerdings habe es auch die eine oder andere Geburtstagsfeier gegeben. Die Betroffenen sind überdurchschnittlich jung, die meisten unter 25 Jahren, und niemand befindet sich derzeit im Krankenhaus. Langer hofft, dass sich durch die klare Eingrenzung der Corona-Hotspot in zwei bis drei Wochen wieder aufgelöst hat. Schließlich war man am Dienstag vergangener Woche noch bei einem Inzidenzwert um null.

Rosenheim

In der kreisfreien Stadt Rosenheim lassen sich die aktuellen Neuinfektionen nicht an einem Ereignis festmachen. Vielmehr sind mehrere Faktoren dafür verantwortlich. Einen Teil der Neuinfizierten bilden Reiserückkehrer. Daneben sind Schulen und Krippen betroffen. Auch auf eine private Veranstaltung gehen bisher 14 Infektionen zurück. Bei anderen Betroffenen allerdings sind dem Gesundheitsamt die Ursachen nicht bekannt. In der Nacht von Freitag auf Samstag reagierte die Stadt mit verschärften Maßnahmen, da die Infektionsketten in vielen Fällen nicht mehr nachvollziehbar waren. In Rosenheim konzentrieren sich die Infektionen auf die Altersgruppe der 15- bis 59-Jährigen. Auch dort liegt niemand auf der Intensivstation. Am Dienstagmorgen lag der Inzidenzwert bei 72,4. Allerdings hat auch Rosenheim mit seinen 63 000 Einwohnern einen höheren Inzidenzwert als tatsächlich Infizierte.

Memmingen

Eine Problematik auf die man auch in Memmingen aufmerksam macht. Dort ist bei rund 44 000 Einwohnern der Schwellenwert von 50 Neuinfektionen schon bei 21 realen Fällen erreicht. Am Dienstagmorgen lag der Inzidenzwert bei 56,7 und fällt damit im Vergleich zum Vortag schon wieder. Allerdings lässt sich die Altersgruppe der Infizierten nicht auf junge Menschen beschränken. Dort sind auch sehr alte Menschen betroffen, zum Teil werden diese im Klinikum behandelt. Die Infektionen haben in Memmingen vorwiegend im familiären Bereich bei Feiern stattgefunden. Allerdings gibt es auch Fälle, bei denen die Ursache nicht klar zurückzuverfolgen ist.

Landkreis Berchtesgadener Land

Im Berchtesgadener Land stieg der Inzidenzwert über das Wochenende von 16 auf 72,7 am Dienstag. Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp (CSU) äußerte sich zu den Ursachen für das Infektionsgeschehen in einer Videobotschaft: "Schuld daran sind nicht die Geschäfte, die Schulen, sondern schuld daran waren Nachlässigkeiten im privaten Bereich. Es sind Feste gefeiert worden, dadurch kam es zu erhöhten Infektionen." Am Dienstag wurden verschärfte Maßnahmen verkündet. So müssen Schüler ab Klasse fünf im Unterricht eine Maske tragen. Im Zentrum der Entwicklung steht Anger. Kinder aus der Gemeinde waren daher dazu aufgerufen, gar nicht mehr in den Kindergarten oder in die Schule zu kommen.

© SZ vom 14.10.2020/wean
Coronavirus in Bayern: Alle Meldungen im Newsblog-Überblick

Newsblog
:Die Entwicklungen der Corona-Krise in Bayern

Was beschließt die Staatsregierung, um die Pandemie zu bekämpfen, wo entstehen neue Hotspots, wie schlimm sind die Folgen? Die aktuellen Meldungen zu Corona in Bayern.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite