Süddeutsche Zeitung

Mitten in Bayern:Weihnachtsbaum aus Bierkästen

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Oberstdorf hatte vergangenes Jahr einen Christbaum für 25 000 Euro. Dieses Jahr ist er zwar billiger, aber immer noch teuer. In Irsee zum Beispiel gehen sie ganz andere Wege.

Glosse von Florian Fuchs

Es ist eine Fichte mit Geschichte, dabei kann sie selbst eigentlich gar nichts dafür. Sie sieht gut aus, auf dem Marktplatz von Oberstdorf. Stattlicher Wuchs, adrett geschmückt. Von einer Privatperson gespendet, dem Oberstdorfer Umland entnommen. Und doch steht der diesjährige, zentrale Christbaum der südlichsten deutschen Gemeinde im Fokus, wegen der Vorgeschichte. Der Vorgänger nämlich, im vergangenen Jahr, erlangte überregionale Bekanntheit. Der Oberstdorfer Weihnachtsbaum 2022 kam ja auch aus dem Sauerland, er wurde etwa 600 Kilometer durchs Land gefahren. Ihn aufzustellen kostete im Paket mit anderen Tannen am Ende 25 000 Euro.

Mangos kommen auch aus Asien, könnte man jetzt einwenden. Aber es ist ja nicht so, dass rund um Oberstdorf kaum Bäume wachsen würden, im Gegenteil. Neben der Diskussion um die Kosten, die am Ende auch der Bund der Steuerzahler anprangerte, bekam Oberstdorf also zum Jahresausklang 2022 noch eine ausgewachsene Debatte über Nachhaltigkeit. Das wollten sie sich dieses Jahr gerne sparen, insofern kommt die Spende eines Privatmanns aus der Gegend ganz passend. Unpassend ist dagegen, dass die Gemeinde die Kosten fürs Aufstellen der Fichte wiederum mit robusten 13 200 Euro veranschlagt. Für die Kohle könnte man den Christbaumverkauf ums Eck komplett leerkaufen.

Dass sie sich in Oberstdorf diesmal trotzdem kein bisschen schämen, liegt am Kleingedruckten. Die 13 200 Euro beinhalten auch zwei Weihnachtsbäume für Ortsteile. Außerdem, heißt es aus der Verwaltung, rechneten sie halt korrekt, im Gegensatz zu anderen Gemeinden. Arbeitsstunden, Transport, jeder nur erdenkliche Posten ist eingeflossen in die Rechnung. Mag teuer erscheinen, ist es aber nicht - das ist die Argumentation, die trotzdem nicht alle nachvollziehen werden.

Um ganz auf Nummer sicher zu gehen, könnte Oberstdorf einen Blick ins nördlichere Allgäu wagen. Das Klosterbrauerei Irsee hat sich seit dem Jahr 2020 komplett der Nachhaltigkeit verschrieben. Die Brauerei mit Gasthof und Hotel stellt jährlich einen mehr als 13 Meter hohen Weihnachtsbaum auf - bestehend aus mehr als 1000 Bierkästen, hübsch geschmückt. 800 Euro Einmal-Investition, für die Lichterketten, sagt der Geschäftsführer. Komplett wiederverwendbar als Leergut. Das ist vorbildlich. Und ein beliebtes Fotomotiv.

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