Center Parcs in Langlau:Zwei Jahre des Schweigens

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Das Fränkische Seenland mit dem Großen Brombachsee, das vor nunmehr 50 Jahren aus der Taufe gehoben wurde, ist eine beliebte Urlaubsregion. Nun will ein niederländischer Investor eine Ferienanlage bauen.

(Foto: Imago)

Die Center-Parcs-Anlage im Fränkischen Seenland soll eines der größten Tourismusprojekte werden. Das Wirtschaftsministerium frohlockt. Doch die Bevölkerung wurde lange Zeit nicht informiert.

Von Uwe Ritzer, Langlau

Eine Open-Air-Bürgerversammlung soll es werden, wegen Corona begrenzt auf 200 registrierte Besucher. Binnen kürzester Zeit waren alle Platzkarten weg. Der Diskussionsbedarf ist groß in der Gemeinde Pfofeld, in deren Ortsteil Langlau am Kleinen Brombachsee der niederländische Center-Parcs-Konzern für einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag eine Ferienanlage mit 800 Bungalows, Restaurants, Freizeitanlagen und Spaßbädern errichten will. Das Vorhaben mitten im Fränkischen Seenland ist umstritten, weshalb die Freiluft-Versammlung am 1. September nur der Auftakt ist zu einer ganzen Reihe von Informationsveranstaltungen.

Während man also lokal allmählich damit beginnt, den Informationshunger einer bereits aufgewühlten Bevölkerung zu stillen, hat man sich höheren Orts längst festgelegt. Das bayerische Wirtschaftsministerium begrüßt die Center-Parcs-Pläne einer angeblich "innovativ-ökologischen Muster-Ferienanlage", wie das Unternehmen sie in Langlau verspricht.

Ein Center Parc im Freistaat "wäre eine touristische Bereicherung für die Region und Bayern insgesamt", so ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums auf Anfrage. "Neben den allgemein zu erwartenden positiven touristischen Effekten einer solchen Ansiedlung wäre insbesondere auch die Stärkung der Wintersaison durch den Ferienpark vorteilhaft", sagte er. Und lobte Center Parcs dafür, "in schwierigen Zeiten Arbeitsplätze" und "in der Region ein Vorzeigeprojekt" zu schaffen.

Unkommentiert blieben SZ-Informationen, wonach Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger und Staatssekretär Roland Weigert (beide FW) sich persönlich bei Center Parcs für einen Park in Bayern und speziell den Standort Langlau eingesetzt haben. Als Aiwanger und Weigert im November 2018 ihre Ämter antraten, war das Projekt allerdings bereits am Laufen. Eingefädelt wurde es noch unter Aiwangers CSU-Vorgänger Franz Josef Pschierer. Und zwar von einer staatlichen Behörde, der Regierung von Mittelfranken nämlich.

Sie machte bei einem Treffen im Frühjahr 2018 die Center-Parcs-Manager auf das 150 Hektar große Gelände bei Langlau als möglichen Standort aufmerksam. Es handelt sich um ein ehemaliges Munitionsdepot, das die Menschen am Ort mit "Muna" abkürzen. Den Tipp nahmen die Center-Parcs-Leute dankbar auf und besichtigten das Areal zeitnah. Sie seien "von diesem abwechslungsreichen Gelände, seiner einzigartigen Lage direkt am See und der hervorragenden touristischen Infrastruktur direkt am Gelände sehr angetan" gewesen, heißt es aus dem Wirtschaftsministerium. Inzwischen sind die Kaufverhandlungen mit dem Bund als Eigentümer abgeschlossen; vorige Woche erhielt Center Parcs den Zuschlag. Aufseiten des Freistaats wird das Vorhaben von Anfang an von der für Firmenansiedlungen zuständigen Agentur Bavaria Invest begleitet.

Mutmaßlich größtes Tourismusprojekt in Süddeutschland

Seit mindestens zwei Jahren wissen nach SZ-Informationen auch die führenden Kommunalpolitiker und die Abgeordneten der Region von den Center-Parcs-Plänen in Langlau. Es wäre auch schwer vorstellbar, dass zwei Wirtschaftsminister von CSU und FW ihre eigenen Leute dort nicht über die Planungen für das mutmaßlich größte Tourismusprojekt auf Jahre hinaus in Süddeutschland informieren.

Wer nichts von alledem erfuhr, war die Bevölkerung, auch im Kommunalwahlkampf spielte das Thema Center Parc keine Rolle. Selbst der Bund Naturschutz, der sich inzwischen lautstark auf die Seite der Gegner geschlagen hat, wusste seit einigen Monaten Bescheid, teilte sein Wissen aber erst kürzlich mit der Öffentlichkeit.

Den Befürwortern des Center Parcs, die sich davon wirtschaftliche Prosperität, Wachstum, Arbeitsplätze und eine längere Feriensaison für das Fränkische Seenland versprechen, könnte ihre Geheimniskrämerei allerdings auf die Füße fallen. Denn das lange Schweigen schürt erfahrungsgemäß die Skepsis und das Misstrauen in Teilen der Bevölkerung. Man könne und dürfe nicht jede Anfrage von Investoren hinausposaunen, das verschrecke sie nur unnötig, sagen involvierte Politiker. Andererseits ist ein Projekt in dieser Dimension mit einer Firmenansiedlung im alltäglichen Ausmaß nicht vergleichbar.

Verwaltungsexperten gehen übrigens davon aus, dass sich das notwendige Raumordnungsverfahren, die Bauleitplanung und die Genehmigungsverfahren für die Anlage bis Mitte des Jahrzehnts hinziehen. Immer vorausgesetzt, die Pläne werden nicht vorher gestoppt.

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