TourismusKostspielige Hinweise für Besucher: Braune Schilder sind Kommunen und Landkreisen oft zu teuer

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Für die braunen Hinweisschilder an den Autobahnen müssen die Städte und Landkreise, die sie aufstellen wollen, immer höhere Kosten stemmen.
Für die braunen Hinweisschilder an den Autobahnen müssen die Städte und Landkreise, die sie aufstellen wollen, immer höhere Kosten stemmen. (Foto: Daniel Löb/dpa)

Jeder Autofahrer kennt sie – die braunen Schilder, die am Rande von Autobahnen auf nahe Sehenswürdigkeiten hinweisen. Doch diese Schilder aufzustellen oder zu erneuern ist teuer. Warum ist das so?

Die Installation der braunen Schilder an Autobahnen, die auf Sehenswürdigkeiten in der Nähe hinweisen, können für Städte und Landkreise teuer werden. In den vergangenen Jahren haben die Kosten für das Aufstellen der Hinweistafeln deutlich zugenommen, wie die Autobahn GmbH auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur bestätigt.

„Die Gesamtkosten für ein neues Schild liegen in der Regel zwischen 20 000 und 40 000 Euro“, teilt das bundeseigene Unternehmen mit. In dem Betrag seien alle Kosten für die Anschaffung, Montage, Wartung, Demontage und Entsorgung des Schildes enthalten.

In Zeiten knapper Kassen ist das manchen Kommunen und Landkreisen zu teuer. Der Forchheimer Kreistag hat es im Mai abgelehnt, zwei Hinweisschilder für die Wässerwiesen bei Forchheim aufstellen zu lassen. Landrat Hermann Ulm (CSU) hatte die Schilder nach Angaben des Landratsamtes angeregt.

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„Die Wässerwiesen im Landkreis Forchheim zählen zu den besterhaltenen Kulturlandschaften in Europa, die durch traditionelle Bewässerung entstanden sind“, teilt die Pressestelle des Landratsamtes Forchheim mit. Etwa 32 000 Euro hätten die beiden Schilder an der Autobahn 73 gekostet, also im Verhältnis zu anderen Projekten wenig. Dennoch: „Im Vergleich zu Bestandsschildern haben sich die Kosten mehr als verdoppelt“, rechnet die Landkreisbehörde vor.

Aber warum sind die braunen Schilder so teuer? Neben Inflation und gestiegenen Personalkosten gibt die Autobahn GmbH weitere Faktoren an: Zum einen seien Baumaterialien teurer geworden. Ein weiterer Kostentreiber sei die Verkehrssicherung: Unter Umständen müsse mehrmals pro Schild eine Tagesbaustelle eingerichtet werden.

Wie der Bund der Steuerzahler mitteilt, gelten seit dem Start der Autobahn GmbH 2021 andere Regelungen für die Schilder. Vorher mussten sie zwei mal drei Meter groß sein, nun ist ein Maß von 2,4 mal 3,6 Meter vorgeschrieben.

Etwa 15 Jahre hält ein Schild nach Angaben der Autobahn GmbH. Die hohen Kosten für den Austausch seien gelegentlich ein „Aufreger-Thema“ für Bayerns Städte und Landkreise, sagt Städtetagssprecher Achim Sing: „Manche stellen dann kein neues Schild auf oder sie bezahlen widerwillig den hohen Preis.“ Allerdings fielen auch für die Demontagekosten an.

Beispiel Straubing: Im Februar 2024 entschied der Stadtrat der niederbayerischen Stadt, dass die in die Jahre gekommenen braunen Hinweisschilder für den Zoo abgerissen und keine neuen aufgestellt werden. Diese hätten nämlich 83 000 Euro gekostet – mehr als doppelt so teuer wie üblich. Dagegen waren rund 10 000 Euro für den Abriss noch günstig.

„Besondere Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel die Geländeverhältnisse am Aufstellungsort oder die aktuelle regionale Marktsituation bei den Herstellern der Schilder, können teilweise zu Abweichungen vom genannten Wert führen“, teilt die Autobahn GmbH mit.

Dass diese Abweichungen noch extremer als in Straubing sein können, zeigt ein Beispiel aus Sachsen-Anhalt: In Sangerhausen sollen zwei neue Schilder an der A38 sogar 181 000 Euro kosten. Sie würden auf das Europa-Rosarium hinweisen. Der Rosengarten gilt als größte Rosensammlung der Welt. Die alten Autobahnschilder sind verblasst und kaum noch lesbar.

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