Vor Umzug nach FreimannBR findet Abnehmerin für über 100 000 CDs

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Ein Herz für CDs hat eine frühere Mitarbeiterin des BR, die einen Großteil des Archiv-Bestands übernimmt. (Symbolfoto).
Ein Herz für CDs hat eine frühere Mitarbeiterin des BR, die einen Großteil des Archiv-Bestands übernimmt. (Symbolfoto). (Foto: Rolf Vennenbernd/dpa)
  • Der Bayerische Rundfunk muss wegen des Umzugs nach Freimann seine Tonträger-Bestände reduzieren und hat für 170 000 CDs eine frühere Mitarbeiterin als Abnehmerin gefunden.
  • Die 120 000 Schallplatten werden zunächst zwischengelagert, während der BR Gespräche mit Archiven und kulturellen Institutionen über eine Übernahme führt.
  • Rund 1000 Kunstwerke und 7000 Technik-Gegenstände sollen versteigert oder wiederverwertet werden, die Erlöse kommen der Benefizaktion Sternstunden zugute.
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Der Bayerische Rundfunk muss seine Bestände reduzieren. Eine frühere BR-Mitarbeiterin hat sich bereit erklärt, den CD-Bestand zu übernehmen – bis auf 1100 Tonträger mit Volksmusik. Die könnten beim Zentrum für Volksmusik unterkommen.

Von Alexander Kappen

Im Sommer ging in der Belegschaft des Bayerischen Rundfunks das Gerücht um, wegen des Teilumzugs von der Münchner Innenstadt nach Freimann und der damit verbundenen Flächenreduktion solle in einer Art Geheimaktion ein großer Teil des CD-Archivs verschrottet werden. So mancher befürchtete, dadurch könnte noch nicht auf anderen digitalen Speichermedien gesichertes Kulturgut für immer verloren gehen. Der BR dementierte seinerzeit umgehend solche Pläne – und präsentiert jetzt „zukunftsfähige Lösungen“.

Wie der Bayerische Rundfunk in einer aktuellen Mitteilung schreibt, betrifft das sowohl CDs und Schallplatten als auch Kunst- und Ausstattungsgegenstände. Das bisher im Studiobau beheimatete Tonträger-Archiv „wurde in den vergangenen Jahren konsequent digitalisiert und die Inhalte großflächig für die Kernaufgabe nutzbar gemacht: den zukünftigen Einsatz im Programm“, heißt es in der Mitteilung. „Die notwendige Flächenreduktion, die mit dem Umzug einhergeht, kann der BR deshalb gut meistern.“

Das 120 000 Scheiben umfassende Schallplatten-Archiv soll zunächst zwischengelagert werden. Gleichzeitig führt das Unternehmen „Gespräche mit potenziellen Abnehmern wie Archiven und kulturellen Institutionen, um den Fortbestand dieser historischen Tonträger zu sichern“.

Nach bislang erfolgloser Suche nach einem Abnehmer oder einer Abnehmerin hat nun eine frühere BR-Mitarbeiterin den zum großen Teil bereits anderweitig digital gesicherten CD-Bestand (170 000 Alben) übernommen – bis auf 1100 CDs mit Volksmusik. An diesen, so teilt der BR mit, sei jedoch das Zentrum für Volksmusik, Literatur und Popularmusik (ZeMuLi) des Bezirks Oberbayern in Bruckmühl interessiert.

Sie habe die CDs nicht übernommen, weil sie diese brauchen könne, sondern „nur weil ich sie retten will“, schreibt die Abnehmerin des CD-Archivs in einer Mail. Sie suche nun einen Platz zur Zwischenlagerung und eine Institution, Uni, Bibliothek, Hochschule, Schule oder eine Kultureinrichtung, die womöglich Interesse daran hat. Zwar seien 80 Prozent digitalisiert. Aber gäbe es die CDs nicht mehr, wären „Booklets mit den Infos, die kleinen Geschichten, die während der Aufnahme passiert sind“, verschwunden, schreibt sie.

Sämtliche Tonbänder sind bereits digitalisiert worden. Ein Teil wird aufbewahrt, der Rest „fachgerecht ausgesondert“

Die „Ur-Medien“, also die alten Tonbänder des BR, würden derzeit allerdings vernichtet, bedauert die frühere Mitarbeiterin. Deren Inhalt wurde vorher jedoch gesichert, teilt ein Sprecher des BR auf Nachfrage mit. „Sämtliche etwa 300 000 Tonbänder mit BR-Produktionen wurden ebenfalls digitalisiert und stehen den Redaktionen BR- und ARD-weit weiterhin zur Verfügung“, heißt es in der Mitteilung. Ausgewählte Wort- und Musikproduktionen mit besonderem historischem Wert würden langfristig als Originalträger im Unternehmensarchiv aufbewahrt. „Die weiteren Tonbänder werden fachgerecht ausgesondert.“

Für rund 7000 Technik- und Ausstattungsgegenstände wie Bandmaschinen, Mikrofone und Büromöbel strebt der BR infolge des Umzugs eine nachhaltige Lösung an. Sie sollen „zum größtmöglichen Teil wiederverwertet werden, etwa durch Weiterverwendung im BR oder anderen Landesrundfunkanstalten“, teilt die Pressestelle mit. Die dann noch übrigen Gegenstände würden über eine Auktion öffentlich angeboten. Die Erlöse sollen der Benefizaktion Sternstunden zugutekommen.

Rund 1000 Kunstwerke will der BR versteigern oder über ein Online-Portal verkaufen

Die insgesamt gut 1000 Kunstwerke, die bisher entweder als „Kunst am Bau“ genutzt oder im Studiobau aufbewahrt werden – unter anderem Gemälde von Heino von Damnitz, Bill Nagel, Max Pechstein oder Bruno Lenz – will der BR über ein Auktionshaus versteigern lassen, sofern der Preis über 500 Euro liegt. Der Rest soll intern über ein Online-Portal verkauft werden.

Durch den Umzug nach Freimann vereint der Bayerische Rundfunk dort künftig wesentliche Betriebsteile. In der Münchner Innenstadt zieht er sich auf etwa 20 Prozent der heute genutzten Fläche zurück. Der südliche Teil des Funkhaus-Geländes, auf dem sich das BR-Hochhaus befindet, soll künftig als „Munich Media Hub“ genutzt werden. Damit entsteht nach Angaben des Unternehmens „ein Ort für Partner aus Medien, Kultur, journalistischer Ausbildung und dem Bereich Medienkompetenz, der auch Raum für Veranstaltungen unterschiedlicher Art bietet“. Der Nordteil mit dem bisherigen Studiobau soll verkauft werden.

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