Bayerischer RundfunkGeplanter BR-Umzug löst Sorgen um CD-Archiv aus

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Dass das gesamte CD-Archiv des BR im Müll landen wird, ist nach Auskunft des Unternehmens längst nicht ausgemacht (Symbolbild).
Dass das gesamte CD-Archiv des BR im Müll landen wird, ist nach Auskunft des Unternehmens längst nicht ausgemacht (Symbolbild). Catherina Hess

Der Bayerische Rundfunk muss seine Bestände verkleinern. Gerüchte, wonach die Verschrottung des kompletten CD-Archivs unmittelbar bevorsteht, dementiert der Sender.

Von Alexander Kappen

Wer sich räumlich verändert, das ist bei Privatpersonen nicht anders als bei einem Unternehmen, überlegt sich in der Regel genau: Was muss mit, was kann weg? Vor allem dann, wenn man sich verkleinert. So wie der Bayerische Rundfunk (BR), der nach einem Teilumzug nach Freimann auf seinem derzeitigen Areal in der Münchner Innenstadt künftig nur noch 20 Prozent der bisherigen Fläche nutzen wird und deshalb prüft, an welchen Stellen er seine Bestände reduzieren kann.

Im Blickpunkt stehen dabei auch Tonträger wie CDs und Schallplatten, die früher im Programm abgespielt wurden, in Zeiten der Digitalisierung zu diesem Zweck aber schlichtweg nicht mehr benötigt werden. Von großen Teilen wird sich der BR voraussichtlich trennen. Dass eine komplette Verschrottung des angeblich teilweise noch nicht digitalisierten Archivs unmittelbar bevorsteht und so möglicherweise wertvolles Kulturgut unwiederbringlich verloren geht, wie mancher im Haus befürchtet, wird vom BR auf Anfrage dementiert.

Dass der BR nicht nur nach außen sendet, sondern – wie in jedem anderen Unternehmen – dort offenbar auch der Flurfunk stets on air ist, wird dieser Tage besonders deutlich. Im Haus geht das Gerücht um, dass der Bayerische Rundfunk bereits kommenden Montag, in einer Art Geheimaktion, damit beginnen möchte, sein komplettes CD-Archiv zu schreddern. In E-Mails ist mal von mehreren Zehntausend CDs die Rede, in anderen gar von 220 000. Von Klassik bis Pop, von Weltmusik über Jazz bis Volksmusik. Dazu Raritäten, Sondereditionen und Privateditionen von Volksmusikgruppen, die nie im Handel gewesen, aber hier archiviert seien, heißt es.

Befürchtet wird, dass viele Tonträger, die so auch in keinem anderen Archiv in Deutschland zentral gesammelt worden seien, auf Nimmerwiedersehen verschwinden könnten. Es gehe hier um das „Interesse Bayerns und seiner Kultur“.

Das offizielle Statement des Bayerischen Rundfunks zu den geäußerten Befürchtungen fällt kurz und knapp aus: „Durch konsequente und aufwändige Digitalisierung hat der BR in den vergangenen Jahren seine Archivbestände großflächig gesichert und für unsere Kernaufgabe nutzbar gemacht: den zukünftigen Einsatz im Programm“, heißt es in einer schriftlichen Antwort auf eine Anfrage der SZ. Und weiter: „Deshalb können wir die notwendige Flächenreduktion, die mit dem Umzug wesentlicher Betriebsteile des BR nach Freimann einhergeht, gut meistern.“

Eine endgültige Entscheidung ist laut BR noch nicht gefallen

Am kommenden Montag werde in jedem Fall gar nichts passieren, heißt es aus der Pressestelle. Eine Entscheidung, wie es mit dem CD-Archiv weitergeht, ist demnach bislang nicht gefallen und wird noch ein paar Wochen auf sich warten lassen. Dass am Ende alles in der Schrottpresse landet, ist keineswegs ausgemachte Sache. Im Raum stehen nach wie vor auch Alternativen wie die Abgabe der CDs an eine Institution oder einen Sammler. Wobei Letzterer schon ein ziemlich großes Wohnzimmer oder einen sehr geräumigen Hobbykeller bräuchte, um alles unterzubringen.

Auch rechtlich gibt es offenbar noch einige Dinge zu klären. Ein Großteil der Tonträger ist dem BR irgendwann einmal von Musikverlagen zur Verfügung gestellt worden, um sie in seinen Sendungen abzuspielen. Deshalb ist die Frage, was mit den CDs am Ende geschehen soll, auch unter diesem Aspekt zu prüfen.

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