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Bildung in Bayern:Examen verloren? Mei, passiert halt

Rechtsextremist will Zugang zur Richterausbildung erstreiten

Für die Vorbereitung muss man sich durch zahlreiche Gesetzesbücher quälen - umso ärgerlicher, wenn die Klausur dann nach dem Korrigieren verloren geht.

(Foto: dpa)

Das Kultusministerium verschlampt eine Examensarbeit - und dem betroffenen Passauer Lehramtsstudenten bleibt nur die Wahl: eine schlechte Note oder die Wiederholung der Prüfung. Kein Einzelfall - doch dagegen regt sich nun Widerstand.

Kolumne von Maximilian Gerl

Manchmal ist es wie verhext. Mal will der zweite Socken nicht auftauchen, mal wurde die Brille verlegt. Eben da, plötzlich unauffindbar. Man muss sich also im Kultusministerium nicht grämen, mei, das kann ja passieren, dass, sagen wir, ein paar Staatsexamina verschwinden. Halb so wild.

Weniger entspannt sieht das freilich, wer nichts verschlampt und es trotzdem ausbaden muss. Dieses Schicksal hat einen Passauer Lehramtsstudenten ereilt, statt einer Note auf sein erstes Staatsexamen erhielt er einen Brief des Bedauerns vom Kultusministerium: Weil seine Prüfung nicht mehr auffindbar sei, müsse er sich entscheiden. Entweder könne er die Prüfung noch mal ablegen - oder für diesen Teil des Examens ein "Ungenügend" akzeptieren.

In seinem Fall hieße letzteres: Er würde durchs komplette Examen fallen. Eine schöne Wahl, die der angehende Lehrer da hat. Und er ist nicht allein. In diesem Jahr sollen bei mindestens sechzehn weiteren Kommilitonen Klausuren verlustig gegangen sein, auch aus den Vorjahren sind Fälle bekannt.

Der Betroffene fordert nun in einer Petition, das Verlustrisiko künftig zu minimieren: etwa, indem die Examen vor dem Versand an die Korrektoren digitalisiert würden. Allerdings weiß man ja spätestens seit dem Test-Debakel an Bayerns Autobahnen, bei dem anfangs die Corona-Daten zehntausender Reisender händisch in den Computer getippt wurden, wie weit die Digitalisierung hierzulande fortgeschritten ist.

Auf SZ-Nachfrage teilt das Kultusministerium mit, dass am komplexen "Prüfungs- und Korrekturprozess" viele Personen beteiligt, Fehler und damit verbundene Verluste nie auszuschließen seien. Im Normalfall werde jede Prüfung in einem System erfasst und den jeweiligen Korrektoren zugestellt. Man werde dort aber eine zusätzliche "Kontrollstufe" einbauen, um das Verlustrisiko zu reduzieren.

Moment: Ein Prozess, bei dem wegen seiner Komplexität etwas verloren geht, wird, um genau das zu vermeiden, noch komplexer? Vielleicht üben sich künftige Studenten-Generationen besser schon in Entspannung, vermutlich werden auch sie mit dem Risikofaktor Kultusministerium leben müssen. Denn Socken und Brillen tauchen am Ende immer auf. Staatsexamina leider selten.

© SZ vom 07.09.2020/lfr
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