Warnung der Gesundheitsministerin zum „Tag des Bieres“„In Bayern gelten rund 255 000 Menschen als alkoholabhängig“

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Der Konsum riskanter Alkoholmengen betrifft laut Gesundheitsministerium rund ein Viertel der Erwachsenen und ist unter jungen Erwachsenen noch immer am weitesten verbreitet.
Der Konsum riskanter Alkoholmengen betrifft laut Gesundheitsministerium rund ein Viertel der Erwachsenen und ist unter jungen Erwachsenen noch immer am weitesten verbreitet. Foto: Felix Hörhager/dpa
  • In Bayern gelten rund 255 000 Menschen als alkoholabhängig, warnt Gesundheitsministerin Judith Gerlach zum „Tag des Bieres".
  • Der Konsum riskanter Alkoholmengen betrifft rund ein Viertel der Erwachsenen und ist unter jungen Erwachsenen am weitesten verbreitet.
  • Während Rauschtrinken bei Männern konstant blieb, hat es sich bei Frauen in den vergangenen zwanzig Jahren annähernd verdoppelt.
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Bier gilt in Bayern zunächst einmal als gefeiertes Kulturgut und Lebensmittel. Nicht als Droge. Die Zahlen zeigen aber, dass Alkoholkonsum auch im Freistaat ein großes Problem ist.

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Ungeachtet aller bekannten gesundheitlichen Risiken hat Bayerns Agrarministerin Michaela Kaniber die kulturelle Bedeutung von Bier für den Freistaat gelobt. Dank der Vielfalt an Bierbrauern sei Bayern das „unangefochtene Bierland Nummer 1“, Bier stehe für die „authentische, genussvolle und gesellige“ bayerische Lebensart, sagte die CSU-Politikerin beim traditionellen Freibierausschank in der Münchner Innenstadt zum Auftakt der bayerischen Bierwoche.

Jedes Jahr am 23. April würdigen die Brauer – passend zur Einführung des Reinheitsgebotes 1516 - Bier als im In- und Ausland beliebtes Kulturgut. Und während die bayerische Staatsregierung ansonsten bei Drogen eine sehr ablehnende Haltung einnimmt, ist Bier- und Weinkonsum akzeptiert.

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„Bayerisches Bier genießt weltweit einen hervorragenden Ruf und steht wie kein zweites Produkt für Bayern. In jedem einzelnen Glas steckt nicht nur Qualität, sondern auch Heimat, Handwerk und Herzblut unserer Brauerinnen und Brauer“, betonte Kaniber. Und nicht nur das: Sie lobt auch, dass sich Bayerns Brauer „trotz strukturellem Wandel und rückläufigem Gesamtbierabsatz“ erfolgreich auf hohem Niveau behaupten könnten.

In der Tat geht der Konsum von Alkohol auch in Bayern seit Jahren zurück, gleichwohl bleibt die Droge Alkohol neben Rauchen eines der größten Gesundheitsrisiken. „Alkohol (...) wird viel zu häufig verharmlost. In Bayern gelten rund 255 000 Menschen als alkoholabhängig. Wir müssen deshalb ein stärkeres Bewusstsein für den eigenen Alkoholkonsum entwickeln“, sagte Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) in München. Männer sind deutlich häufiger von einer Alkoholsucht betroffen als Frauen. Bundesweit liegt den Angaben zufolge bei 3,1 Prozent der 18- bis 64-Jährigen eine Alkoholabhängigkeit vor.

Wie gefährlich Alkohol sein kann, zeigt ein Blick in den Alkoholatlas des Deutschen Krebsforschungszentrums. Demnach gab es in Bayern 2022 unter den Männern pro 100 000 Einwohner 20,7 Todesfälle, die auf Alkoholkonsum zurückzuführen waren. Bei den Frauen wurden sieben Todesfälle verzeichnet. Der Konsum riskanter Alkoholmengen betrifft laut Gesundheitsministerium rund ein Viertel der Erwachsenen und ist unter jungen Erwachsenen noch immer am weitesten verbreitet.

Aus medizinischer Sicht ist klar: Es gibt keine risikofreie Menge an Alkohol, die konsumiert werden kann.
Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach

Während Alkoholkonsum wegen seiner Risiken für die Gesundheit in weiten Teilen der Welt längst deutlich kritischer gesehen wird – in den USA ist der Konsum in der Öffentlichkeit etwa meist verboten – werden hierzulande insbesondere Bier und Wein gefeiert und sind gesellschaftlich akzeptiert. Das Münchner Oktoberfest ohne Bier etwa ist für viele unvorstellbar. Rechtlich ist der Konsum von Bier, Wein, weinähnlichen Getränken oder Schaumwein als „begleitetes Trinken“ in Deutschland noch immer ab 14 Jahren erlaubt – in anderen Ländern muss man warten, bis man 21 wird.

„Aus medizinischer Sicht ist klar: Es gibt keine risikofreie Menge an Alkohol, die konsumiert werden kann. Das gilt insbesondere für Kinder und Jugendliche, für die der Konsum besonders hohe Gefahren birgt – beispielsweise kann die Entwicklung des Gehirns und anderer Organe nachhaltig beeinträchtigt werden“, betonte Gerlach. Daher seien in Bayern viele Präventionsangebote auch für junge Menschen etabliert, um Alkoholmissbrauch vorzubeugen.

Insgesamt sei der Alkoholkonsum vor allem bei Jugendlichen, aber auch bei Erwachsenen in Bayern in den vergangenen Jahren zurückgegangen. „Das ist ein erfreulicher Trend und zeigt, dass Präventions- und Aufklärungsangebote wirken“, sagte Gerlach. Dieser positive Trend gelte jedoch nicht für den besonders gefährlichen Alkoholkonsum wie das Rauschtrinken. „Während dieser Anteil bei den Männern in Bayern relativ konstant geblieben ist, hat er sich bei den Frauen in den vergangenen zwanzig Jahren annähernd verdoppelt. Das ist besorgniserregend und zeigt: Wir sind noch lange nicht am Ziel.“

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