Den Bezirken laufen die Ausgaben für soziale Leistungen davon. Von einer „Kostenexplosion im Sozialbereich“ sprach der Präsident des Bayerischen Bezirkstags, Franz Löffler. In allen sieben Bezirken erwarte man Rekordhaushalte.
Allein beim Kostenverlauf in der Eingliederungshilfe gäbe es eine „Entwicklung historischen Ausmaßes“, sagte auch der Bezirkstagspräsident von Oberbayern, Thomas Schwarzenberger. Höhere Kosten entstünden nicht nur durch die wachsende Zahl an Menschen, die in der Zuzugsregion Oberbayern Anspruch auf diese Hilfeleistung hätten.
Auch neue Tarifabschlüsse, Preissteigerung sowie der Fachkräftemangel in den Einrichtungen und Diensten trieben die Ausgaben nach oben. Klagen kommen auch aus anderen Bezirken: Man stehe 2026 und darüber hinaus vor „enormen Herausforderungen“ heißt es etwa aus Niederbayern, wo der Haushalt am Donnerstag verabschiedet wurde.
Die sieben Bezirke bilden die dritte kommunale Ebene in Bayern. Sie sind zuständig für Aufgaben, die über die Zuständigkeit eines einzelnen Landkreises oder einer kreisfreien Stadt hinausreichen, betreiben etwa psychiatrische Krankenhäuser oder Museen. Der mit Abstand größte Ausgabenposten entsteht ihnen aber, weil sie für die Auszahlung von zwei sozialen Leistungen zuständig sind: der Eingliederungshilfe und der Hilfe zur Pflege. Beide Posten sind zuletzt deutlich gewachsen.
Eingliederungshilfe erhalten Menschen mit Behinderung. Sie soll ihnen helfen, ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu führen. Aus der Eingliederungshilfe können also etwa Rollstühle oder spezielle, behindertengerechte Computer bezahlt werden, aber auch Assistenten, die Menschen mit Behinderungen im Alltag helfen. Das Geld fließt aber nur, wenn andere Stellen wie die Krankenkassen nicht einspringen.
Das Problem: Die Kosten steigen. Der Bund aber habe seinen Beitrag seither nie erhöht, klagte Löffler bereits im Sommer. „Um die Kostenexplosion im Sozialbereich in den Griff zu bekommen, müssen wir an den gesetzlichen Stellschrauben drehen“, sagte er nun. Er plädierte zugleich dafür, die Menschen entsprechend der eigenen Möglichkeiten wieder stärker in die Verantwortung zu nehmen. „Wir müssen weg von der Vollversorgermentalität.“
Teuer wird es für die Bezirke auch bei der Hilfe zur Pflege, der Sozialhilfe des Alters. Sie erhalten Menschen, deren Rente oder Vermögen nicht für das Heim oder den Pflegedienst reicht. Auch hierbei mussten die Bezirke zuletzt kräftig drauflegen. Und auch hierbei fangen die Bezirke auf, was anderswo gespart wurde, nämlich bei der Pflegeversicherung. Seit Jahren beklagen Sozialverbände, dass die Sätze der Pflegeversicherung nicht ausreichend angehoben werden, weshalb die alten Menschen einem immer größeren Anteil der Pflegekosten selbst zahlen müssen.
3108 Euro zahlte man zuletzt im Schnitt aus eigener Tasche für ein Zimmer im Pflegeheim, so eine Analyse des Verbandes der Ersatzkasse. Je nachdem wie das Haus ausgestattet ist und ob es kürzlich renoviert wurde, kann da aber auch noch deutlich mehr am Heimbewohner hängenbleiben. Wer nicht zahlen kann, wird zum Sozialhilfefall.

Wenn das Pflegeheim zum Luxus wird:Ein Pflegeplatz für 7400 Euro
Gabriele Ross musste nach einer dritten Hirnblutung in ein Pflegeheim umziehen. Sie ist dort gut aufgehoben, findet ihr Mann. Nur kann er den Platz kaum noch bezahlen. Warum Heimplätze bayernweit immer teurer werden.
Das aber ist nicht nur für die alten Menschen selbst „demütigend und respektlos“, wie der Sozialverband VdK beklagt. Es stürzt in Bayern auch die Bezirke in finanzielle Nöte, die sie selbst nicht lösen können.
Die steigenden Kosten der Bezirke tragen ganz wesentlich zur Finanzmisere der Kommunen bei. Die Bezirke finanzieren sich zum Großteil über Umlagen der kreisfreien Städte und Landkreise, die sich wiederum ganz wesentlich durch die kreisangehörigen Gemeinden refinanzieren. 2025 wurden die Umlagesätze bayernweit bereits deutlich erhöht. Im kommenden Jahr wird dies nun in allen Bezirken außer in der Oberpfalz erneut nötig sein. Und dies, obwohl der Freistaat den Bezirken bereits zu Hilfe geeilt ist.
Die Zuweisungen an die Bezirke seien im kommunalen Finanzausgleich für 2026 „in einer noch nie dagewesenen Höhe“ um 480 Millionen Euro auf insgesamt 1,317 Milliarden Euro aufgestockt worden, schreibt eine Sprecherin des Bezirkstags. Dennoch bleibe im kommenden Jahr eine Ausgabenlücke von etwa 470 Millionen Euro. Geld, das die Landkreise und Kommunen aufbringen müssen. Und das dort – von Schulbau bis Schwimmbad – für andere Aufgaben fehlt.

