Bayerns beste Schulabsolventen„Brille, ein paar Pickel, die ganze Zeit am Computer“

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In der Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz wurden am Montag die 79 besten bayerischen Schulabsolventen geehrt.
In der Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz wurden am Montag die 79 besten bayerischen Schulabsolventen geehrt. Luisa Griesbaum

Wie schafft man es, immer gute Noten zu schreiben? Was muss sich an den Schulen verändern? Und welche Klischees über Streber gehören dringend in die Tonne? Wir haben die gefragt, die es wissen müssen: Bayerns beste Schulabsolventen.

Von Luisa Griesbaum

„Im Wasser ist ein Pinguin zehnmal windschnittiger als ein Porsche“, sagt Kultusminsterin Anna Stolz in der Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz. Sie richtet sich damit an die 79 besten Schulabsolventen Bayerns, die aus dem Publikumsraum zu ihr aufschauen. Die Ministerin will damit sagen: Macht das, was ihr am besten könnt! Für manch einen mag das die Berufswahl nicht gerade erleichtern, denn viele der Preisträger können vieles gut.

Neben guten Schulnoten ist für die Bestenehrung auch soziales Engagement entscheidend. Die Preisträgerinnen und Preisträger helfen mit im Sanitätsdienst, sind bei der Freiwilligen Feuerwehr und in Vereinen, sind Schülersprecher und geben Nachhilfe. Für ihre gesellschaftlichen Verdienste lobte Ministerpräsident Markus Söder die Geehrten am Montag in seiner Festrede und betonte auch, man könne mit jedem Schulabschluss Karriere machen.

Doch welche Berufe streben die besten Absolventen dieses Jahrgangs an? Welche Bedeutung hat Schule für sie, was würden sie verändern? Und welche Klischees über Streber gehören aus ihrer Sicht dringend in die Tonne? Wir haben mit fünf Preisträgern gesprochen.

Anja Kvakic setzt sich als Schülersprecherin für ein Handyverbot an ihrer Schule ein.
Anja Kvakic setzt sich als Schülersprecherin für ein Handyverbot an ihrer Schule ein. Luisa Griesbaum

Anja Kvakic, 17, Klasse M10a, Luitpoldschule Ansbach (Mittelfranken)

„Früher mochte ich Schule nicht. Früh aufstehen und lernen, fand ich schwer. Ich dachte, ich würde den Abschluss nicht schaffen. Aber am Ende hat es sich gelohnt: Heute wurde ich für meinen guten Abschluss ausgezeichnet und ohne die Schule hätte ich meine beste Freundin Sara nicht kennengelernt. Meine guten Noten verdanke ich aber auch meinen Lehrern, die mich motiviert haben, für meinen Abschluss zu lernen. Letztens hat mich jemand Streber genannt. Ich fand das nicht schlimm, weil es bedeutet, dass andere denken, dass ich schlau bin.

In der Schule geht es nicht nur um Schulfächer. Man muss mit verschiedenen Menschen umgehen, anderen helfen und kann sich einbringen. Als Schülersprecherin war ich zum Beispiel daran beteiligt, ein Handyverbot an der Schule durchzusetzen. Am Anfang war ich, ehrlich gesagt, dagegen. Ich dachte, ich könnte mich ohne mein Handy nicht konzentrieren, weil ich die ganze Zeit daran denken müsste, welche Nachrichten ich verpasse. Dann habe ich mich daran gewöhnt und jetzt kann ich mich viel besser konzentrieren, wenn ich mein Handy morgens abgebe. Deshalb überzeuge ich andere davon, dass ein Handyverbot sinnvoll ist.“

Jan Nürnberg hat als Bezirksschülersprecher der Förderschulen in Oberfranken einen Fahrplan gegen Mobbing erarbeitet.
Jan Nürnberg hat als Bezirksschülersprecher der Förderschulen in Oberfranken einen Fahrplan gegen Mobbing erarbeitet. Luisa Griesbaum

Jan Nürnberg, 14, 8. Klasse, Sonderpädagogisches Förderzentrum Bonhoefferschule Hof (Oberfranken)

„Schule kann eine Flucht von Zuhause sein und bringt Sicherheit und Geborgenheit – zum Beispiel wenn man Zuhause Stress hat. Ich habe eine Zeit lang in einem Kinderheim gelebt, deshalb weiß ich, wie sehr Kinder das brauchen.

Ich denke, jeder kann einen guten Abschluss erreichen. Man muss nur lernen und im Unterricht zuhören. Ich muss aber dazusagen, dass ich meinen Abschluss noch gar nicht habe – den mache ich nächstes Jahr. Die Ehrung heute habe ich als Erster Bezirksschülersprecher der Förderschulen in Oberfranken erhalten. Ich habe gemeinsam mit anderen einen Fahrplan gegen Mobbing entworfen: Ich werde gemobbt, was tun? Und: Was kann die SMV gegen Mobbing tun? Der wird bald an allen Förderschulen in Oberfranken ausgehängt.

Ich weiß, dass es ganz schön hart sein kann, gut in der Schule zu sein. An manchen Schulen werden Leute fertiggemacht, wenn sie besser sind als der Durchschnitt. An unserer Schule greifen Lehrer bei sowas zum Glück streng durch. In Filmen und Serien werden Streber immer so dargestellt: Brille, ein paar Pickel, die ganze Zeit am Computer. Das sollten wir auf jeden Fall über Bord schmeißen.“

Zu den Besten gehören nicht nur die, die immer nur Einsen schreiben: Jule Kleinheyer organisiert als Schülersprecherin viele Veranstaltungen und hat eine 2,2 im Abi geschafft.
Zu den Besten gehören nicht nur die, die immer nur Einsen schreiben: Jule Kleinheyer organisiert als Schülersprecherin viele Veranstaltungen und hat eine 2,2 im Abi geschafft. Luisa Griesbaum

Jule Kleinheyer, 19, Maximilian-Kolbe-Schule Neumarkt, staatliche FOS/BOS (Oberpfalz)

„Ich war immer gut in der Schule, aber nie eine der Besten. Im Abi habe ich einen Schnitt von 2,2. Geehrt werde ich heute wohl vor allem deshalb, weil ich Schülersprecherin war. Da habe ich viele verschiedene Projekte organisiert: Abizeitung, Mottowoche, Weihnachtsbasar, Faschingsball.

Als Schülersprecherin muss man auch mal durchgreifen. Viele Nachrichten schreiben, die Leute ständig an irgendwas erinnern. Das kann schon nerven. Ich habe auch schon gehört, dass Leute mich ein bisschen abgehoben finden. Aber das geht da rein, da raus.

Wenn ich etwas am Schulsystem verändern könnte, würde ich mehr Unterricht einbauen, der alltagsnäher ist. Zum Beispiel etwas über Finanzen und mehr zu der Frage: Was will ich später mit meinem Leben machen? Ich denke nämlich, dass das der Schlüssel ist für den erfolgreichen Abschluss: Dass man ein Ziel hat, vielleicht einen Traumstudiengang. Meiner ist Psychologie, aber das hat mit dem Schnitt nicht geklappt. Jetzt werde ich Berufsschullehramt studieren, Fachrichtung Sozialpädagogik. Damit kann ich später Psychologie unterrichten.“

Paul Salge hat sein Abitur mit der Note 0,8 abgelegt.
Paul Salge hat sein Abitur mit der Note 0,8 abgelegt. Luisa Griesbaum

Paul Salge, 17, 12. Klasse, Emil-von-Behring-Gymnasium Spardorf (Mittelfranken)

„Schule ist sehr unfair. Mir fiel Lernen immer leicht, wenn ich im Unterricht aufgepasst habe. Das geht nicht jedem so. Schule ist auch sehr altmodisch. Es gibt viel unnötigen Leistungsdruck. Zum Teil habe ich mir den auch selbst gemacht. Ich habe schon lange den Wunsch, Arzt zu werden. Da ist der NC hoch, man muss immer Höchstleistungen erbringen. Für das schriftliche Mathe-Abi habe ich alle Abiprüfungen der letzten zehn Jahre geübt. Für die Kolloquien habe ich jeweils sieben bis acht Stunden gelernt.

Gute Noten haben auch ihre Nachteile. In der Unter- und Mittelstufe hätte ich mir vielleicht nicht so viele Gedanken über Schule machen sollen, wie ich das gemacht habe. Ich musste Abstriche bei meinem Sozialleben machen. Meine Wochenenden bestanden nicht aus Partys. Ich bin gerade dabei, das ein bisschen nachzuholen.

Früher wurde ich schon oft Streber genannt. Ich finde das auch fair, ich habe ja schon viel gelernt. Allerdings ist der Begriff sehr negativ konnotiert: Streber sind besserwisserische Menschen. Ich hoffe, dass ich nicht so bin.“

„Bis 1,5 kann jeder“, findet Philipp Groß, der seinen Berufsschulabschluss mit der Note 1,0 absolviert hat.
„Bis 1,5 kann jeder“, findet Philipp Groß, der seinen Berufsschulabschluss mit der Note 1,0 absolviert hat. Luisa Griesbaum

Philipp Groß, 21, Staatliche Berufsschule Landshut I (Niederbayern)

„Mein Plan war schon immer, zu studieren: Bauingenieurwesen. Wir haben daheim einen elterlichen Betrieb, den ich später übernehmen möchte. Aber nach meinem Abitur habe ich erstmal eine Ausbildung zum Metallbauer begonnen, weil ich wissen wollte, wie die Praxis draußen aussieht. Ich will nicht der nächste gescheite Theoretiker sein, der irgendwas erzählt, aber von der Praxis keine Ahnung hat.

Die Berufsschule habe ich jetzt mit 1,0 abgeschlossen. Ehrlicherweise glaube ich nicht, dass das jeder schaffen kann. Bis 1,5 kann jeder, da muss man sich nur hinsetzen und am Ball bleiben. Der letzte Tick Richtung 1,0 muss einem aber in die Wiege gelegt sein. Dazu gehört Talent und harte Arbeit.

An der Berufsschule habe ich meinen Klassenkameraden nach der Schule Nachhilfe gegeben – vor allem in Mathe. Da ist viel Freizeit draufgegangen, aber für meine Klassenkameraden habe ich es gerne gemacht. Mein Lieblingsfach ist allerdings Biologie. Wenn wir daheim nicht den Betrieb hätten, würde ich wohl etwas in der Richtung studieren.“

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