Bildung:Professionelle Hilfe für den Berufseinstieg gerettet

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Der Schock war groß, als die Hilfe für benachteiligte Jugendliche zuletzt keinen Platz mehr im neuesten Finanzplan fand. Nun gibt es doch ein Happy End - dank Verschiebespielchen im Haushalt.

Benachteiligte Schüler in Bayern können sich auch vom kommenden Schuljahr an weiterhin beim Berufseinstieg professionell begleiten lassen. Das bestätigte das bayerische Kultusministerium am Freitag. "Gerade die, die es schwer haben, brauchen unsere besondere Unterstützung", sagte Kultusminister Michael Piazolo (FW). Er sprach von einem "großen Erfolg".

Kein Wunder, stand das Projekt der Berufseinstiegsbegleitung, das Jugendliche an Förder- und Mittelschulen auf ihrem Weg in die Berufswelt unterstützt, doch zuletzt arg auf der Kippe. Nachdem EU-Geld gekürzt worden waren, entbrannte ein politischer Streit um die Finanzierung. In den letzten Haushaltsverhandlungen fand das Geld für erfahrene Trainer keinen Platz. Das Projekt stand vor dem Aus.

Entsprechend groß war der Aufschrei. "Ihr lasst uns allein", skandierten Schüler. Auch Eltern, Lehrer, Schulleiter und auch viele Vertreter aus Zivilgesellschaft und Wirtschaft protestieren und starteten eine Petition. Bildungsexperten mahnten vor hohen Kosten für eine spätere Integration perspektivloser Jugendlicher in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt.

Derweil begannen hinter den Kulissen die Verhandlungen. Wer könnte das Finanzierungsloch der EU stopfen? Der Druck war groß auf die Freien Wähler und ihren Kultusminister, eine Lösung zu finden. Diese sieht nun so aus: Bundesarbeitsministerium und Freistaat schultern in Zukunft alleine zu je gleichen Anteilen die Kosten von mehreren Millionen Euro, wobei das Kultusministerium für die EU einspringt. Eine 50/50-Lösung, die den Lebensabschnitten Schulzeit und Ausbildung gerecht werden soll.

Erfahrene Trainer stehen den Schülern zur Seite

Die Fraktion der Freien Wähler sprach am Freitag selbstbewusst von einem "Coup". Das Programm sei und bleibe eine "tragende Säule" auf dem Weg von der Schule in den Beruf, sagte Tobias Gotthardt, Interims-Vorsitzender des Bildungsausschusses. Von einem "bewährten Instrument" sprach indes der Bayern-Chef der Bundesagentur für Arbeit, Ralf Holtzwart. Mit der Begleitung könnten die Zukunftschancen benachteiligter junger Menschen dauerhaft verbessert werden.

Bei der Berufseinstiegsbegleitung ("BereB") werden erfahrene Trainer Schülern von der achten Klasse an zur Seite gestellt. Bis in die gefundene Ausbildung hinein unterstützen die Coaches die Schüler beim Lernen für den Abschluss, Praktika und Bewerbungen. Mehrere Tausend Jugendliche wurden so in den letzten Jahren in Bayern unterstützt. Darunter viele, deren Muttersprache nicht Deutsch ist.

Mit dem nun eingestellten Geld könnten laut Kultusministerium voraussichtlich rund 3500 benachteiligte Jugendliche über drei Jahre hinweg jährlich individuell gefördert werden. Wissenschaftliche Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich das nicht nur für den einzelnen jungen Menschen, sondern auch für die Gesamtgesellschaft lohnt. So haben Wissenschaftler des Münchner Ifo-Instituts ausgerechnet, dass der Nutzen des Mentoring- Programms "Rock your life" mindestens um das 15-Fache übersteigt, bei besonders benachteiligten Jugendlichen gar um das mehr als 30-Fache.

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