Ausgewilderte Bartgeier im Winter:Dagmar und Recka scheint es gut zu gehen

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Das Bartgeierweibchen Dagmar hat den Winter bisher offensichtlich gut überstanden. Vergangenes Jahr wurde sie in den Berchtesgadener Alpen ausgewildert. (Foto: Sven Hoppe/dpa)

Im vergangenen Juni konnten sie noch nicht einmal fliegen und mussten gefüttert werden. Nun kommen die bei Berchtesgaden ausgewilderten Bartgeierweibchen in den winterlichen Bergen gut zurecht.

Sie sind noch kein Jahr alt - aber ihren ersten Winter in den Bergen haben die beiden jungen Bartgeier Dagmar und Recka bisher gut gemeistert. Die härteste Zeit haben die im vergangenen Juni im Nationalpark Berchtesgaden ausgewilderten Tiere schon überstanden, wie Bartgeier-Experte Toni Wegscheider vom Vogel- und Naturschutzverband LBV erläutert. Während für andere Wildtiere der Spätwinter die schwierigste Zeit ist, weil sie bereits entkräftet sind und wenig Nahrung finden, wird es Wegscheider zufolge für Aasfresser wie Bartgeier nun leichter. "Das Schlimmste ist wahrscheinlich vorbei." Nicht zuletzt Lawinen bringen ihnen Nahrung. "In jeder dritten Lawine ist mindestens eine Gams. Die Hälfte aller im Vorjahr geborenen Gamskitze übersteht den ersten Winter nicht." Ursachen sind auch Absturz, Kälte und Entkräftung.

Dagmar hat bereits weite Erkundungsflüge im Alpenraum unternommen. Sie sei schon bis nach Südtirol geflogen, teils sei sie in den Zentralalpen, in der Brenner-Region und im Zugspitzgebiet unterwegs gewesen, sagt Wegscheider. Recka zeige sich hingegen eher häuslich und kehre nach kurzen Ausflügen immer wieder in das Umfeld des Nationalparks zurück. Sie habe dieselbe steile Rinne gesucht, um Nahrung zu finden wie zuvor die 2021 ausgewilderten Bartgeier Bavaria und Wally, sagt Wegscheider. "Die Tiere haben einen Blick für gewisse Strukturen."

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Bavaria und die inzwischen durch einen Steinschlag getötete Wally stammten aus demselben Zuchtprogramm in Spanien: Recka ist die Schwester von Wally und Dagmar ist die Cousine von Bavaria. Alle vier waren zunächst zu einer Nische hoch oben in den Bergen gebracht worden, wo sie gefüttert wurden und erst einmal fliegen lernten.

Die Naturschützer hoffen auf eine erneute Auswilderung von jungen Bartgeiern im Nationalpark Berchtesgaden. Es hänge aber davon ab, welchen Bedarf andere Wiederansiedlungsprojekte haben. Die ersten Bartgeierküken seien in dem europäischen Nachzuchtprojekt schon geschlüpft, andernorts brüten die Paare noch.

Dass es Recka und Dagmar gut geht, wissen die Naturschützer nicht zuletzt durch Videos von Beobachtern. Denn der solargespeiste GPS-Sender ist bei allen Vögeln angesichts des trüben Winterwetters weit heruntergefahren. Reckas Sender ist seit Silvester ganz ausgefallen. Ein Video zeige aber: "Ihre Flugfähigkeit ist einwandfrei, sie sieht gesund und vital aus und konnte zum Beispiel auch bei der Gefiederpflege beobachtet werden", sagt Wegscheider. Zudem sei Recka per Handempfänger mehrmals im Salzachtal geortet worden. Knopfzeller im Sender ermöglichen zumindest einen Empfang über wenige Kilometer. Bartgeier sind mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,90 Metern die größten Brutvögel der Alpen, für Mensch und Tier aber ungefährlich: Sie fressen nur Aas - und von diesem wiederum fast nur die Knochen.

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