Der Preis des Deutschlandtickets wird schon wieder erhöht, auf 62 Euro. Wenn das so weitergeht, könnte bald eine kritische Schwelle erreicht sein, bei deren Überschreitung es nicht mehr hilft, sich einzureden, dass man auch in einem verspäteten Pendlerzug wenigstens arbeiten kann. Nein, dann sitzt man bald doch lieber mit Po-Heizung im Auto und schließt ein Hörbuch-Abo ab.

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Eigentlich müsste man ja fürs Bahnfahren bezahlt werden, wie mein Kollege Maximilian Gerl an dieser Stelle schon einmal angemerkt hat. Eine leidgeprüfte Kollegin, die anonym bleiben will, hat den Zustand der Bahn neulich treffend zusammengefasst mit folgendem Satz: Das, was in den Fahrplänen steht, ist alles gelogen und die Technik ist Schrott.
Um davon abzulenken, findet gerade wieder der „Tag der Schiene“ statt – vom 19. bis zum 21. September. Drei Tage lang wird ein Tag gefeiert. Logik und Verständlichkeit kann man bei einem Unternehmen, das Verspätungen inzwischen mit „Betriebsstabilisierungen“ erklärt, nun mal nicht erwarten.
Früher war von Notarzteinsätzen, Halt auf freier Strecke oder Tieren auf der Fahrbahn die Rede. Inzwischen ploppen die „Maßnahmen zur Betriebsstabilisierung“ immer öfters in der Bahn-App auf und das verheißt dann nichts Gutes. Wie zum Beispiel an jenem Dienstagabend, da war die Stimmung von mehreren Dutzend Pendlern auf dem Weg von München nach Regensburg dank einer Betriebsstabilisierung stabil niedrig.
Man möchte die Erfinder dieses Begriffs fragen, inwiefern denn der Betrieb der Bahn stabilisiert wird, wenn man 100 Fahrgäste erst nach Feldmoching, dann nach Freising und dann auf drei verschiedene Gleise schickt? Wurde da der Beckenboden durch Treppensteigen stabilisiert?
Irgendwann kam an besagtem Dienstagabend, man näherte sich langsam dem offiziellen Beginn des Mittwochs, endlich ein Zug, in dem so viele Flaschen herumstanden und am Boden herumkullerten, da muss jemand die 90 Minuten Verspätung – also die Betriebsstabilisierung! – genutzt haben, um seinen Alkoholpegel zu stabilisieren.
Die Autorin dieser Zeilen schreibt verhältnismäßig oft in dieser Kolumne übers Bahnfahren. Ihr tut das leid, für die Leser, aber man erlebt halt auch nicht so viel anderes, wenn man einen erheblichen Teil des Lebens auf Bahnsteigen verbringt. Der Tag der Schiene müsste bitte in Tage des Bahnsteigs umbenannt werden, und wenn das Deutschlandticket irgendwann wirklich zu teuer wird, dann endlich gibt es an dieser Stelle Staugeschichten.

