Eisenbahn in BayernBahnfahren in Bayern boomt - trotz allem

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Das Deutschlandticket gilt als Grund dafür, dass Personen mehr Kilometer in bayerischen Nah- und Regionalverkehrszügen mitgefahren sind.
Das Deutschlandticket gilt als Grund dafür, dass Personen mehr Kilometer in bayerischen Nah- und Regionalverkehrszügen mitgefahren sind. (Foto: Julian Stratenschulte/dpa)
  • Die Menschen in Bayern haben 2024 rund zwölf Milliarden Kilometer in Nah- und Regionalverkehrszügen zurückgelegt.
  • Das sind 16 Prozent mehr als 2023 und so viel wie noch nie zuvor.
  • Trotz des Fahrgastbooms galten 2024 nur gut 85 Prozent der bayerischen Regional- und S-Bahnen als pünktlich.
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Sogar die Bayerische Eisenbahngesellschaft ist überrascht, dass die Menschen noch nie so viele Kilometer auf der Schiene zurückgelegt haben wie 2024. Das hat vor allem einen Grund.

Von Maximilian Gerl

Schlechte Nachrichten zum Thema Bahn ist das Land gewöhnt. Entsprechend verblüfft war man offenbar auch bei der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG), an diesem Montag einmal gute Nachrichten verkünden zu können. Demnach „boomt“ das Bahnfahren: Die Menschen haben im vergangenen Jahr gemeinsam rund zwölf Milliarden Kilometer in bayerischen Nah- und Regionalverkehrszügen zurückgelegt – rund 16 Prozent mehr als 2023 und so viel „wie noch nie zuvor“, heißt es in einer Mitteilung. „Wir sind von der Wucht der Fahrgastnachfrage durchaus etwas überrascht“, wird BEG-Geschäftsführerin Bärbel Fuchs zitiert. Diese sei „diametral zur Entwicklung bei der Qualität, die ja zuletzt immer mehr unter der maroden Infrastruktur und den vielen Baustellen gelitten hat“.

Tatsächlich haben sich in Bahn-Statistiken – und in den Nerven von Reisenden wie Beschäftigten – zuletzt vor allem die Probleme niedergeschlagen. So galten 2024 nur gut 85 Prozent der bayerischen Regional- und S-Bahnen als pünktlich. Die Eisenbahnunternehmen schimpfen über kurzfristig angesetzte Bauarbeiten, Langsamfahrstellen und Sperrungen. Und an Geld und Kapazitäten, um den Sanierungsstau auf den Gleisen schnell zu beheben, fehlt es ohnehin.

Dass die Menschen trotzdem weiter in Züge einsteigen, liegt laut BEG vor allem am Deutschlandticket. Dieses habe unter anderem „Seitwärtsbewegungen vom Fernverkehr weg ausgelöst“, heißt es in der übers bayerische Verkehrsministerium verschickten Mitteilung. Sprich: Wer früher für den Ausflug nach Augsburg oder Würzburg den ICE genommen hat, fährt heute eher mit dem Regionalexpress und dem ÖPNV-all-inclusive-Ticket. Das erklärt auch, warum das Plus bei S-Bahnen kleiner ausfällt. Die Nürnberger S-Bahn etwa verzeichnet einen Anstieg von 501 auf 514 Millionen sogenannte Personenkilometer – 2,6 Prozent mehr. Im Oberland dagegen, wo sich die Tagesausflügler bisweilen auf die Füße treten, liegt der Zuwachs allein auf dem Abschnitt zwischen Bayrischzell und Schliersee bei 24 Prozent.

Ebenfalls stark im Plus: die Strecke Gotteszell–Viechtach im Landkreis Regen. Einst stillgelegt, dann probeweise und unter vielen Diskussionen reaktiviert, wurde sie erst 2024 in den Regelbetrieb überführt. Nun verzeichnet die BEG hier 34 Prozent mehr bei den Personenkilometern. In absoluten Zahlen ist das Fahrgastaufkommen allerdings überschaubar: Es liegt bei durchschnittlich 442 Personenkilometern pro Tag – und damit weit unter der Quote von 1000, die die Staatsregierung eigentlich für die Wiederinbetriebnahme von Strecken fordert. Als „Referenzbeispiel für eine gelungene Reaktivierung“ gilt im Verkehrsministerium darum die Strecke Senden–Weißenhorn in Schwaben. Hier wurden zuletzt ein Plus von 23 Prozent und ein Kilometerwert von 1646 notiert.

Die Strecke von Gotteszell nach Viechtach im Landkreis Regen verzeichnet ein Plus vom 34 Prozent.
Die Strecke von Gotteszell nach Viechtach im Landkreis Regen verzeichnet ein Plus vom 34 Prozent. (Foto: Tobias Reisky/Waldbahn)

Für Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) zeigen die Zahlen, dass „die Schiene lebt“. Die gestiegene Nachfrage sei deutschlandweit feststellbar. Umso wichtiger sei es, dass der Bund mehr Geld für mehr Zugangebote bereitstelle. „Es wäre paradox, Milliardenbeträge für ein günstiges Ticket auszugeben, wenn dann zu wenig Geld für die Züge bereitsteht.“ Auch die Verkehrsbranche würde sich über mehr Mittel freuen: Sie ist auf Unterstützung angewiesen, da die Ticketverkäufe nur einen Teil der Kosten decken.

Zugleich ist der Handlungsbedarf groß, nicht nur im Schienennetz. Ein Gutachten im Auftrag des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen geht davon aus, dass Jahr für Jahr 230 Millionen Euro mehr in Bayerns ÖPNV fließen müssten, um diesen zu modernisieren. Demnach würde allein fürs Jahr 2040 der zusätzliche Finanzierungsbedarf bei 3,7 Milliarden Euro liegen. Das wäre fast doppelt so viel, wie die öffentliche Hand heute ausgibt. Wollte man das ÖPNV-Angebot ausbauen, würde die Lücke sogar noch größer.

Angesichts dessen dürften beim Thema Bahn weiter die schlechten Nachrichten dominieren. Immerhin: Die Delle, die noch die Corona-Pandemie bei den Passagierzahlen gerissen hat, scheint überwunden zu sein. Zwar liegen dem Ministerium hierzu keine konkreten Daten vor. Angesichts der „Wachstumsdynamik“ sei aber ausgeschlossen, „dass insgesamt weniger Fahrgäste als 2023 die Züge genutzt haben“. Einen weiteren Hinweis liefern unter anderem die Bahnhöfe Burghausen (Landkreis Altötting), Vilsbiburg (Landshut), Breitengüßbach (Bamberg), Rain (Donau-Ries) und Retzbach-Zellingen (Main-Spessart). Im Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten haben diese und 34 weitere Stationen in Bayern die Marke von 1000 täglichen Ein- und Aussteigern von Montag bis Freitag überschritten.

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