Mitten im Bergwald:Haben Sie diesen Baumschläfer gesehen?

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Baumschläfer haben den Sommer über die Augen auch mal auf. (Foto: Lubomir Hlasek/Bayerisches Landesamt für Umwelt)

Das Landesamt für Umwelt lässt in Bayerns Bergen gerade nach verschiedenen Tieren suchen. Jetzt hat es auch noch den Baumschläfer zur Fahndung ausgeschrieben.

Kolumne von Matthias Köpf

Das Landesamt für Umwelt ist derzeit sehr damit beschäftigt, in Bayerns Bergen nach bestimmten Tieren zu suchen. Streng geschützte und sehr seltene Tiere sind das. Solche, die normalerweise recht zurückgezogen im Bergwald leben oder zumindest leben sollten oder noch genauer: Wenn sie dort wirklich leben sollten, dann jedenfalls zurückgezogen. Aber sie sind ja auch schon jahrelang nicht mehr gesehen worden. Deswegen spannt das Landesamt jetzt uns alle ein, natürlich auf eigene Gefahr, denn dort droben könnten ja neuerdings auch wieder gewisse andere Tiere herumstreifen. Also bitte: Wo ist der Baumschläfer?

Schläfer klingt im Zusammenhang mit so einem öffentlichen Fahndungsaufruf gleich wieder ein bisschen nach einem latenten Terroristen, aber Angst und Schrecken verbreiten da ja gerade eher Bären und Wölfe. Dabei teilt der Baumschläfer zum Beispiel mit dem Bären sogar einen großen Teil der Ernährungsgewohnheiten, indem er laut LfU unter anderem Insekten, Beeren, Samen und Vogeleier verzehrt. Keinesfalls hingegen reißt er Schafe oder andere Nutztiere.

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Außerdem, man hätte es ahnen können, schläft auch der Baumschläfer recht viel, vor allem im Winter, also von Oktober bis April. Jetzt aber könnte er aktiv werden in den kühlfeuchten Bergwäldern mit krautiger Bodenvegetation und einer gewissen Nähe zu Gewässern, wo er sich bevorzugt aufhält. Nur versteckt er sich tagsüber leider meistens, wie das Landesamt weiter mitteilt.

Kein Wunder also, dass der Baumschläfer in Bayern und damit in ganz Deutschland seit 2010 nicht mehr gesehen wurde - zumindest nicht, dass das LfU davon wüsste oder die ebenfalls an der Suche beteiligte Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft. Wer ihn doch gesehen hat, kann es beide Behörden via Internet wissen lassen. Am besten mit einem Beweisfoto dafür, dass der Baumschläfer nicht mit einer Haselmaus, einem Garten- oder einem Siebenschläfer verwechselt wurde, was offenbar gut möglich ist, obwohl er "ein ganz besonderer Bilch" ist im Vergleich zu jenen Wald-und-Wiesen-Bilchen.

Jedenfalls, so das LfU, lohne es sich gerade vor allem im bayerischen Alpenraum, die Augen nach dem Baumschläfer offen zu halten. Wer dabei stattdessen einem Bären begegnet: Ruhe bewahren, ihm gut zureden und langsam den Rückzug antreten.

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