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Tourismus:Bettenboom in Reichenhall

Bad Reichenhall will wieder ein attraktiver Kurort werden, deshalb werden gerade mehrere Hotelprojekte vorangetrieben.

(Foto: Matthias Köpf)
  • Mehrere Hotelprojekte sollen den Tourismus in Bad Reichenhall wieder ankurbeln.
  • Seit mehreren Jahren gehen die Besucherzahlen des Kurorts zurück - die Entwicklungen rund um die neuen Bauprojekte haben auch Einfluss auf die Kommunalpolitik.

Das Haus hat eine große Vergangenheit. Über viele Jahrzehnte hinweg war das Grandhotel Axelmannstein die erste Adresse nicht nur hier in der Stadt, sondern in einem weiten Umkreis. "Stilvoll übernachten" steht entsprechend auf dem halb transparenten Werbebanner, das den Bauzaun rechts vom Eingang kaschieren soll. Darüber hängt eine rote Warnlampe, damit sich niemand stößt an der Absperrung mitten in der Bad Reichenhaller Fußgängerzone. Der ganze Hoteltrakt dahinter ist schon seit Monaten wegen Baufälligkeit gesperrt, einige Fenster sind darüber längst blind geworden. Nur ein paar Schritte weiter wartet der nächste Bauzaun rund um das einstige Parkhotel Luisenbad. Doch hier stehen die Gitter eher für die Hoffnung auf einen neuen Aufschwung im lange leicht dahindämmernden bayerischen Staatsbad Reichenhall.

Denn das alte Luisenbad ist zwar inzwischen weg, doch am neuen wird schon gebaut, vor zwei Wochen war Spatenstich. Ein Hotel mit knapp 300 Betten soll es werden, betrieben von einer der allgegenwärtigen Ketten. Die Fassade soll zum Stadtbild im Kurviertel passen und im modernen Inneren das Thema Salz durchdekliniert werden. Dazu kommen drei weitere Gebäude mit insgesamt 62 Wohnungen plus Gewerbeflächen. Das 40-Millionen-Projekt eines Salzburger Immobilienunternehmers sei der erste Hotelneubau seit einigen Jahren, sagt Oberbürgermeister Herbert Lackner, um sogleich einzuräumen: Ja, das stimme schon, eigentlich seit einigen Jahrzehnten.

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Doch jetzt gehe es voran in Reichenhall, sagt Lackner. Die gemeinsame Kur GmbH der Stadt, der Nachbargemeinde Bayrisch Gmain und des Freistaats, könne sich nun endlich auf die Suche machen nach einem Investor für das möglichst hochklassige Thermenhotel mit gut 200 Betten, das zusammen mit einem Parkhaus neben der Rupertustherme entstehen soll. Mehr als acht Jahre lang hatte sich der Stadtrat mit dem gerade in Kraft getretenen Bebauungsplan herumgeschlagen, obwohl der im "beschleunigten Verfahren" aufgestellt werden sollte. Die 2005 eröffnete und nach heftigem Streit 2011 durch ein Familienbad ergänzte Rupertustherme ist für Lackner "unser Flaggschiff". Sie soll Wellnessgäste nach Reichenhall locken, denn dem alten Kurbetrieb haben die Gesundheitsreformen der 1990er-Jahre das Wasser abgegraben. Hatte das Staatsbad zuvor noch bis zu 1,7 Millionen Übernachtungen pro Jahr verbuchen können, so kämpft es sich inzwischen wieder von unten an die Million heran - bei deutlich gesunkener durchschnittlicher Aufenthaltsdauer, aber ebenso deutlich gestiegener Gästezahl.

Seit den Hochzeiten der Kur hat die Stadt Tausende Betten verloren, darunter die im eher lieblos in die Stadt geklotzten Hotel Panorama. Das hat inzwischen der in Reichenhall geborene Unternehmer Max Aicher gekauft, der darin nach eigenen Worten Wohnraum für sein Personal schaffen will. Doch an der Bergstation der Predigtstuhlbahn, die seit einigen Jahren ebenfalls ihm gehört, will Aicher immerhin wieder 30 Hotelzimmer einrichten.

Der Bürgermeister kann Erfolgsmeldungen gut gebrauchen

Alles das, was da in Bad Reichenhall auf dem Hotelsektor gerade in Gang komme, sei "immer noch die Aufarbeitung der Kurkrise", sagt Oberbürgermeister Lackner. Er amtiert seit 2006 und kann im Augenblick dringend Erfolgsmeldungen brauchen. Denn der Vorstand seines eigenen CSU-Ortsverbands will ihn für die Wahl im kommenden Frühjahr nicht mehr als OB-Kandidaten nominieren, weil in der Stadt nichts vorangehe. Lackner selbst will sich am Mittwoch aber der parteiinternen Abstimmung über die CSU-Kandidatur stellen. Sollte er da dem jungen Ortsvorsitzenden Christoph Lung unterliegen, werde er mit einer eigenen Gruppierung antreten.

Und so hofft Lackner nach eigenen Worten sogar, dass dann auch das ehemalige Alpenhotel Fuchs im etwas abgelegenen Stadtteil Nonn zum Wahlkampfthema wird. Das Hotel in aussichtsreicher Hanglage über dem idyllischen Nonner Kirchlein ist schon seit etlichen Jahren geschlossen. Investitionen hätte es schon lang vorher gebraucht, doch seit auch noch das Dach undicht ist, scheint der Verfall unaufhaltsam. Ein Projektentwickler hat die desolate Immobilie an Investoren mit Sitz in Salzburg weitergereicht, doch die mehrmals angekündigte Vorstellung ihrer Pläne lässt auf sich warten. Er rechne damit noch in diesem Jahr, sagt Lackner und deutet an, dass es die geplanten, rund um einen größeren Hotelneubau über die Wiesen gewürfelten Chalets womöglich doch nicht geben soll.

Reichenhalls OB Herbert Lackner zeigt sich zuversichtlich.

(Foto: Matthias Köpf)

Vor allem gegen diese Chalets wehren sich die Naturfreunde von Nonn, ein als Verein organisierter Freundeskreis um den Vorsitzenden Hans Schamberger, der neben dem Nonner Kirchlein aufgewachsen ist und schon lange wieder dort wohnt. Schamberger prangert neben der absehbaren Zerstörung des Nonner Idylls vor allem den Flächenverbrauch an, der ihm im Verhältnis zu den wenigen Gästebetten in den verstreuten Hotel-Hütten riesig erscheint. Zudem bergen Chalets aus seiner Sicht die Gefahr, dass sie bald als Ferienhäuser verkauft werden und wieder meistens leer stehen. Nonn wäre dann aber schon kaputt.

Schamberger hat inzwischen Unterstützer beim Bund Naturschutz und anderen Initiativen gefunden, doch Lackner und die Stadträte wollten von seinen Bedenken bisher wenig wissen. Die übergroße Mehrheit der Reichenhaller wolle das Projekt, zeigt sich der OB überzeugt. Eine zwiespältige Perspektive sieht Lackner auch für das teils baufällig Axelmannstein. Dort bedrohten Setzungen im Boden die Statik, doch eine Lösung sei bisher zwischen dem Landesamt für Denkmalpflege und den Eigentümern festgehangen, die das einst so stolze Grandhotel 2008 von der Steigenberger-Gruppe übernommen haben. Nun habe das Landesamt signalisiert, einem Teilabriss womöglich doch zuzustimmen.

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