Bayern:Freizeit, abseits der ausgelatschten Wege

Eine Lesereise in atemberaubender Natur, ein Ausflug zu den Kelten oder ein Gnadenhof für Bären: Zehn Tipps für den anderen Urlaub.

Von SZ-Redakteuren

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Schwaltenweiher

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Quelle: Sebastian Beck

Wer schon einmal von Seeg in Richtung Nesselwang gefahren ist, der kennt die Stelle etwa zwei Kilometer westlich von Seeg. Dort tut sich auf einmal ein Panoramablick auf, der einem kurz den Atem stocken lässt: Ein Gemälde mit See, Wald, drei Burgruinen und dahinter die Tannheimer Berge. In Ortschaft Zell gibt es ein Museum, in dem die Geschichte der Burgen Hohenfreyberg und Eisenberg mustergültig aufbereitet wurde. Nur ein paar Kilometer weiter südlich thronen nicht weniger spektakulär die Reste von Burg Falkenstein auf der Bergspitze. Hier wollte sich König Ludwig II. einst seine Ritterburg hinstellen, doch über die Vorarbeiten kam das Projekt nie hinaus. Auch so fügen sich die drei Ruinen zu einem Ensemble, das es in Bayern kein zweites Mal gibt.

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Gnadenhof für Bären

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Quelle: Gnadenhof für Bären

Die braunen Riesen planschen, fressen, machen Streifzüge - oder sie verstecken sich. In diesem Fall hat man Pech gehabt, sonst aber bietet sich am Gnadenhof für Bären in Hart (Landkreis Rottal-Inn) ein famoser Blick auf das tierische Treiben. Zehn Kilometer vom Ortskern Bad Füssing entfernt, liegt das Areal, es kann zu jeder Zeit auf einem anderthalb Kilometer langen Weg umrundet werden, zudem gibt es eine Aussichtsplattform und Führungen nach Anmeldung. Wer den Bären hinter dem Schutz der Gitter eine Weile zuschaut, kommt zur Ruhe, denn ihre Bewegungen wirken sanft und gemächlich. Das freilich mag man den Tieren gönnen: Im Gnadenhof, den der gemeinnützige Verein "Gewerkschaft für Tiere" betreibt, landen Bären mit Leidensgeschichte - ausrangierte Zirkusattraktionen oder gequälte Tanzbären aus Osteuropa. Sie dürfen auf dem Gelände bis ans Lebensende unter artgerechten Bedingungen bleiben. Der Park liegt etwas versteckt im Wald. Wer mit dem Fahrrad anreist, könnte zuvor im nahegelegenen Aigen am Inn die Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt zu St. Leonhard besichtigen. Oder in Bad Füssing selbst zum Planschen gehen.

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Plöckensteinsee

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Quelle: Tourist-Info

Wandern mit der Nase über dem Handy ist eine Unart, Wandern mit Lesepausen dagegen zu empfehlen. Ein besonders hübsches Büchlein für eine Lesereise in atemberaubender Natur ist "Der Hochwald" von Adalbert Stifter. So dicht, dunkel und bedrohlich wie in der Erzählung ist die Gegend im Bayerischen Wald zwischen Dreisessel und Plöckenstein längst nicht mehr, Stürme mähten vor Jahren die Bäume um. Die Szenerie ist bizarrer, aber ähnlich märchenhaft wie im Buch. Die Lektüre schafft eine zusätzliche Dimension auf der gut sechsstündigen Wanderung - hin und zurück von Haidmühle aus. Höhepunkt ist der "schöne, schwarze Zaubersee" im Böhmerwald. So nennt Stifter den Plöckensteinsee, einen Gletschersee unterhalb des Plöckensteins auf tschechischer Seite. Stifter schuf dem Plešné jezero im "Hochwald" ein literarisches Denkmal. Vor 150 Jahren starb der Dichter, rasch ließen Verehrer ein Denkmal aus Granit über dem Plöckensteinsee errichten. Während des Kalten Krieges lagen See und der 14 Meter hohe Obelisk in der Sperrzone. Diese Zeiten sind lange vorbei, der Zauber des Hochwalds hat alles überdauert.

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Naturpark Augsburg Westliche Wälder

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Quelle: Sebastian Beck

Südwestlich von Augsburg erstreckt sich ein Landstrich bis Mindelheim, der geradezu wie aus der Zeit gefallen wirkt. Zwischen Hügeln, Wäldern und Äckern ducken sich zahllose Dörfer. Weil die Verkehrsachsen außen herumführen, ist es im Naturpark ungefähr so ruhig wie vor der Erfindung des Autos. In Ziemetshausen lohnt sich ein Abstecher zum Wallfahrtsort Maria Vesperbild, den neulich Ministerpräsident Markus Söder besucht hat. Von Augsburg aus fährt an Samstagen die Staudenbahn gemächlich durchs Land; die Bahnhöfe wirken wie Relikte aus Ludwig Ganghofers Zeiten. Der Schriftsteller hatte ein paar Kilometer weiter nördlich in Welden seine Kindheit verbracht.

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Schulerloch

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Quelle: imago stock&people

Um der heißen Sommersonne aus dem Weg zu gehen, versteckt man sich am besten vor ihr. Zum Beispiel in einer Tropfsteinhöhle. 420 Meter tief führt das Schulerloch bei Essing (Landkreis Kelheim) in den Fels hinein, sie zählt damit zu den längsten Höhlen im Altmühltal. Auch für Fledermäuse ist das Schulerloch eine Zuflucht, vor allem für Mausohren, die an der Decke hängend den ganzen Tag verschlafen. Falls es irgendwann doch zu kalt wird, empfiehlt sich ein Abstecher ins nahe Riedenburg zur Sommerrodelbahn: Dank mehrerer Steilkurven sollte der Altmühl-Bob zügig für erhöhte Herzfrequenz, schnellere Durchblutung und rote Wangen sorgen.

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Lillachtal

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Quelle: oh

Man kann sich der Lillach in der Fränkischen Schweiz natürlich von der Seite nähern: Ein Biotop, über hundert Schmetterlingsarten, Kalkquelle, Tuffkaskaden. So mag es der Bio- und Erdkundelehrer, der auch - ohne das statistisch in trockenen Tüchern zu haben - häufiger im Lillachtal bei Weißenohe anzutreffen sein dürfte. Man kann sich dem Tal aber auch anders nähern. Indem man nämlich im Biergarten vom Gasthaus zum Lillachtal eine der beiden Chefinnen fragt, wie das so ist, wenn einem das Haus abbrennt, man sich seither mit Versicherungsfragen rumschlagen muss, die Küche noch immer ausgelagert ist und Gäste bei der Freiwilligen Feuerwehr gegenüber auf die Toilette gehen müssen. Zu wenig Kultur? Dann einfach die Dame, die einem das Bier hinstellt, nach Schiller und Büchner fragen. Sie war lang in verantwortlicher Position am Staatstheater Nürnberg beschäftigt.

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Laubenstein

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Quelle: Chiemsee-Alpenland Tourismus GmbH

Der Laubenstein ist ein eher unscheinbarer, nur 1350 Meter hoher Gipfel im Chiemgau. Aber von seinem Wiesenplateau aus hat man nicht nur schöne weite Blick auf die Kampenwand im Osten, den Heuraffelkopf im Süden und die Hochries im Westen. Sondern vor allem eine geradezu spektakuläre Aussicht auf Chiemsee und Simssee. Überdies ist der Laubenstein ein eher ruhiger Gipfel, gerade wenn man früh dran ist. Und er ist ein attraktives Ziel für Familien mit gehfreudigen Kindern. Von Frasdorf und von Aschau sind es gerade mal zweieinhalb Stunden hinauf - wer will, kann fast die ganze Wanderung auf wurzeligen Pfaden über Weiden hinweg und durch wunderschöne Mischwälder gehen. Und dann ist da der Eiskeller, ein verwunschener Kessel kurz vor dem Gipfel, in dem die Luft tagein tagaus vier Grad kälter ist als in der Umgebung. Hier gedeihen Eiszeit-Relikte wie der Alpen-Bärlapp.

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Kloster Roggenburg

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Quelle: Sebastian Beck

Münchner verirren sich nur selten ins 900 Jahre alte Kloster Roggenburg, das tief in Schwaben zwischen den Flüssen Günz und Iller liegt. Dabei steht die barocke Anlage der Prämonstratenser nach Abschluss der langjährigen Renovierung wie ein Neubau da. Mit seinen Übernachtungsmöglichkeiten und den vielen Freizeitangeboten ist das Kloster ein idealer Erholungsort für Familien. Alleine das Kursprogramm umfasst 56 Seiten - vom Paarseminar bis hin zum Räubertag für Kinder. Wer will, kann sich auch nur in den Klosterhof setzen und das Roggenburger Chorherren-Bier probieren. Oder er leiht sich unten am Klosterweiher in der Pizzeria Klein Venedig ein Tretboot aus - und freut sich über den Urlaub daheim.

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Museum im Malhaus

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Quelle: privat

VORÜBERGEHEND GESCHLOSSEN

Der geübte Martin-Walser-Leser hat ein Bild im Kopf: Der wohl bedeutendste lebende Schriftsteller der Republik, der seine großen Romane ("Ehen in Philippsburg", "Seelenarbeit", "Das Schwanenhaus") in Baden-Württemberg spielen lässt und dort auch, am Bodensee, lebt. Gut, im "Springenden Brunnen" lernt man, dass Walser in Wasserburg am Bodensee aufgewachsen ist, aber als Autor aus dem heutigen Bayern mag man ihn trotzdem nicht wahrnehmen. Als Gedächtnisstütze über die ersten Jahre aus dem Walser-Kosmos dient daher das Museum im Wasserburger Malhaus. Ein Heimatmuseum, durchaus, aber mit erfrischend lehrreicher Walser-Dauerausstellung.

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Keltendorf Gabreta

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Quelle: imago stock&people

2020 WEGEN RENOVIERUNG VORÜBERGEHEND GESCHLOSSEN

Dass früher nicht unbedingt alles besser, sondern bestenfalls anders war, lässt sich im Bayerischen Wald erleben. Im Keltendorf Gabreta bei Ringelai (Landkreis Freyung-Grafenau) geht es heute noch zu wie in den Jahrhunderten vor Christi Geburt. Ein Rundweg führt zwischen den Hütten hindurch, ein Audioguide gibt Infos zur Bauweise. Wer Hunger bekommt, greift in der Keltenstube zu. Ponys, Zwergziegen und Skuddenschafe freuen sich über Streicheleinheiten. Das Keltendorf ist zwar nicht besonders groß, wer den Besuch optimal auskosten möchte, schaut deshalb nachmittags am Wochenende vorbei: Dann finden regelmäßig Mitmachaktionen wie Töpfern, Bogenschießen, Zaubetränkebrauen oder Filzen statt.

© SZ vom 25.08.2018/axi
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