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Ausflüge:Auf in den bayerischen Norden!

Nichts als Landschaft bis zum Horizont: der Blick vom Rauhen Kulm auf Neustadt am Kulm in Richtung Westen. Das Phänomen des Overtourismus ist hier unbekannt.

(Foto: Sebastian Beck)

In Oberbayern treten sich die Touristen gegenseitig auf die Füße, in Franken und der Oberpfalz lockt das weite Land. Sechs Tipps für alle, die in Bayern Abgeschiedenheit suchen.

So wie hier hat ganz Bayern früher mal ausgesehen: Felder und Hügel bis zum Horizont, dazwischen verstreut ein paar Weiler und eine Kleinstadt, die hinter dem letzten Haus endet und nicht ins Gewerbegebiet ausfranst. Der Blick vom Gipfel des Rauhen Kulm hat fast etwas Nostalgisches. Eine Landschaft, die frei von technischen Großstrukturen ist - wo gibt es das sonst noch? Von München hinauf in die nördliche Oberpfalz sind es 230 Kilometer, genauso weit wie von München nach Brixen in Südtirol.

Unterschiedlicher könnten zwei Reiseziele aber kaum sein. In Südtirol warten Alpendramatik, Wein und viel Verkehr auf die Ausflügler. In Neustadt am Kulm ist es vor allem eins: still. "Hier kann man Kraft und Ruhe tanken", sagt Bürgermeister Wolfgang Haberberger. Overtourismus? Parkplatzgerangel? Volle Wirtshäuser? Gibt es in der Gegend nicht.

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Im Gegenteil: Nicht nur Haberberger wäre froh, wenn mehr Touristen mal den Weg in den Norden Bayerns fänden. Während die Alpenregion zu einem Freizeit-Spielplatz verkommt, wirkt die Oberpfalz fast abweisend auf die Besucher - aber nur auf den ersten Blick.

In Neustadt am Kulm haben sie jetzt ein Infozentrum gebaut, das im nächsten Frühjahr eröffnet wird. Haberberger ist stolz auf die 800 000 Euro teure Holzkonstruktion - schließlich hat die Mini-Stadt nur 1100 Einwohner. Mit dem 681 Meter hohen Basaltberg kann Neustadt am Kulm aber eines der seltsamsten Naturwunder Bayerns vorweisen. Es ist der Schlot eines Vulkans, der hier vor 20 Millionen Jahren erkaltete. Das Deckgestein wurde von der Erosion weggewachsen, übrig blieb der dunkle Kegel aus erstarrter Magma, der schon vor Jahrtausenden Menschen anzog, die hier siedelten.

Der Truppenübungsplatz kann mit jedem Nationalpark mithalten

In der Umgebung gibt es viel mehr zu entdecken: das Klosterdorf Speinshart etwa oder die Platte, ein knapp 900 Meter hoher Waldrücken und Ziel für einsame Wanderungen. Ein paar Kilometer im Süden liegt der Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Dessen Tier- und Pflanzenwelt kann es mit jedem Nationalpark aufnehmen: Wölfe, Seeadler und mehrere Tausend Stück Rotwild leben hier. Der Truppenübungsplatz ist Sperrgebiet, geführte Touren für Gruppen können aber vom Kultur- und Militärmuseum der Stadt Grafenwöhr (09641/8501) organisiert werden.

Zum Übernachten bieten sich die zahlreichen Gasthöfe an, wobei die Hollerhöfe in Waldeck ein beispielhaftes Konzept verfolgen: Die Betreiber des Hotels haben in fünf alten Dorfhäusern stilvolle Apartments eingerichtet. Sie zeigen damit, dass Tourismus auch ohne die riesigen Wellnessburgen funktioniert. Wer unbedingt noch einen weißen Berg sehen möchte, der kann auf dem Rückweg in Hirschau am Monte Kaolino einen Stopp ein legen. Die 120 Meter hohe Abraumhalde aus Quarzsand ist das wahrscheinlich einzige Skigebiet, das im Winter schließt. Sebastian Beck

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