Wirtschaft in BayernStabil in schwierigen Zeiten

Lesezeit: 2 Min.

Darf`s auch ein bisserl mehr sein? Der Verkauf gilt insgesamt unter jungen Menschen in Bayern als einer der beliebtesten Ausbildungsberufe – die tatsächliche Nachfrage ist allerdings je nach Handels- und Lebensmittelbranche unterschiedlich stark ausgeprägt.
Darf`s auch ein bisserl mehr sein? Der Verkauf gilt insgesamt unter jungen Menschen in Bayern als einer der beliebtesten Ausbildungsberufe – die tatsächliche Nachfrage ist allerdings je nach Handels- und Lebensmittelbranche unterschiedlich stark ausgeprägt. (Foto: Oliver Berg/dpa)
  • In Bayern wurden bis Ende September rund 80 500 der über 94 000 gemeldeten Ausbildungsstellen besetzt, bei nur 1800 unversorgten Bewerbern.
  • Die Arbeitslosenquote stieg im Oktober um 0,2 Punkte auf 3,9 Prozent, mit 21 083 mehr Arbeitslosen als im Vorjahr.
  • Unternehmen meldeten gut 5100 Azubistellen weniger als im Vorjahr und beklagen bei 84 Prozent der Bewerber mangelnde Soft Skills.
Von der Redaktion überprüft

Dieser Text wurde mit der Unterstützung einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt. Lesen Sie mehr über unseren Umgang mit KI.

Fanden Sie diese Zusammenfassung hilfreich?
Mehr Feedback geben

In Bayern gibt es weiterhin mehr Lehrstellen als Auszubildende. Trotzdem macht sich die wirtschaftliche Lage am Ausbildungsmarkt bemerkbar – und auch die Arbeitslosenquote steigt.

Von Maximilian Gerl

„Eine echt gute Bilanz“ haben die Beteiligten mitgebracht. So sieht das Markus Schmitz, Chef der bayerischen Arbeitsagenturen – vor allem „in diesen Zeiten“, die wirtschaftlich so schwierig sind. Denn von den mehr als 94 000 Ausbildungsstellen, die bayernweit gemeldet wurden, konnten bis Ende September rund 80 500 besetzt werden. Und den offengebliebenen standen nur 1800 Interessenten gegenüber. Dass die Unternehmen weiter in Ausbildung investierten, sagt Schmitz, sei „nicht selbstverständlich“.

Tatsächlich droht die Wirtschaftsflaute alte Gewissheiten zu kippen. Auch im Bereich der Ausbildung: In Berlin etwa sind statt der Ausbildungsstellen, so wie man es seit Jahren gewohnt ist, inzwischen die Azubis in der Überzahl. So weit ist es zwar in Bayern lange nicht. Trotzdem überlegen sich Firmen eher fünf- als dreimal, ob sie sich gerade einen Lehrling leisten können. Gut 5100 Azubistellen weniger als im Vorjahr wurden den Arbeitsagenturen gemeldet.

Womöglich werde man da auch in Bayern weiter „Federn lassen“, so formuliert es Schmitz. Zu schwarz wollen er und die Bilanzbeteiligten die Zukunft an diesem Donnerstag trotzdem nicht malen. Einmal im Jahr laden die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, Kammern, Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, Gewerkschaften und Staatsregierung zu einem Blick auf den Ausbildungsmarkt ein. Von einem „Familientreffen“ ist dann gerne scherzhaft die Rede, das diesmal beim Münchner Klima- und Kältetechniker Luka stattfindet – und bei dem es normalerweise viel um die Vergangenheit geht, um Statistiken zum einige Wochen vorher gestarteten Ausbildungsjahr.

Doch in diesem Jahr ist da die Gegenwart. Gerade in der Industrie ist die Stimmung mies. Und die Zahlen, die parallel zum Treffen über den bayerischen Arbeitsmarkt publik werden, sind nicht erheiternd. Die Arbeitslosenquote für den Oktober ist im Vergleich zum Vorjahr um 0,2 Punkte auf 3,9 Prozent gestiegen. Es wurden 21 083 Arbeitslose mehr gezählt, ein Plus von 7,4 Prozent. Dazu wurde bis Juli in gut 51 000 Fällen Kurzarbeit realisiert, eine Zunahme um 19 Prozent.

Unternehmen bemängeln Soft Skills

Angesichts dessen wirkt die Lage bei den Azubis stabil. Vor allem aber die Industrie- und Handelskammern beobachten, dass die Konjunktur auf die Zahl der Ausbildungsstellen durchschlägt. Und sie sehen noch eine weitere Herausforderung: Defizite bei den sogenannten Soft Skills. In einer Kammerumfrage bemängelten 84 Prozent der Unternehmen, dass Bewerberinnen und Bewerbern Belastbarkeit, Disziplin und Engagement abgehe. Bei der Jugend des Deutschen Gewerkschaftsbunds weist man hingegen auf die Widersprüche hin, mit denen sich Azubis konfrontiert sähen: Von ihnen würde erwartet, flexibel bei der Ausbildungswahl zu sein – während sie in Ballungsgebieten kaum Wohnungen fänden, die sie sich von ihrer Vergütung leisten könnten.

Absehbar ist zudem, dass die berufliche Orientierung in der Schule noch wichtiger werden könnte. Denn die Wirtschaft braucht junge Menschen – nur vielleicht öfter in anderen Jobs. Schon der demografische Wandel, sagt Schmitz, mache Ausbilden weiter erforderlich. Und Gastgeber Ralf Weisheit weist darauf hin, dass es auch Firmen gebe, denen es gut gehe. Seiner zum Beispiel. Luka wirbt unter anderem mit einem Zuschuss zum Führerschein um künftige Fachkräfte; mit betrieblicher Altersvorsorge, Prämien für gute Leistungen und einem Instagram-Account, auf dem zu sehen ist, „dass bei uns nicht nur gearbeitet, sondern auch gefeiert wird“. Weisheits Bilanz: Momentan beschäftigt er 29 Azubis.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Wirtschaft in Bayern
:Wie Menschen aus der Ukraine den Fachkräftemangel in Bayern lindern

Das neue Ausbildungsjahr hat mit einem alten Problem begonnen: Es gibt zu wenige Azubis. Mancherorts aber lindern junge Menschen aus der Ukraine die Not. Auch wenn sie sich das vielleicht so nie vorgestellt haben.

Von Luisa Griesbaum und Maximilian Gerl

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: