Sinkende FlüchtlingszahlenBayern baut überall Asylunterkünfte zurück

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In  Landkreisen wie Rosenheim oder Miesbach wusste man sich jahrelang nicht mehr anders zu helfen, als Turnhallen zu Flüchtlingsheimen umzufunktionieren. In vielen Turnhallen wird jetzt längst wieder Sport getrieben.
In  Landkreisen wie Rosenheim oder Miesbach wusste man sich jahrelang nicht mehr anders zu helfen, als Turnhallen zu Flüchtlingsheimen umzufunktionieren. In vielen Turnhallen wird jetzt längst wieder Sport getrieben.
Andreas Gebert/DPA
  • Bayern hat seit Sommer 2025 fast 20 000 Asyl-Unterbringungsplätze abgebaut und Mietverträge gekündigt oder nicht verlängert.
  • Die Zahl der Asyl-Neuzugänge hat sich 2025 mehr als halbiert und sank um 57 Prozent auf 13 850 Personen.
  • Bis Ende 2027 plant das Innenministerium den Abbau weiterer 22 300 Plätze im ganzen Freistaat Bayern.
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Der Freistaat hat seit Sommer 2025  fast 20 000 Plätze aufgegeben, Mietverträge werden gekündigt oder nicht verlängert. Das Problem der Unterbringung hatte über Jahre die Landkreise belastet.

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Noch zieht es die Menschen eher an die Seen und in die Freibäder, aber wenn Mitte September das Hallenbad im oberbayerischen Neuötting wieder aufsperrt, dann wird es davor auf jeden Fall genügend Parkplätze geben. Denn ein großer Teil des Hallenbad-Parkplatzes war jahrelang von einer Container-Unterkunft für maximal 132 Geflüchtete blockiert.

Die letzten von ihnen sind Ende Mai ausgezogen, bis Ende Juli wurden die Container abgebaut. Im nahen Burghausen soll es spätestens Ende des Jahres so weit sein. In der dortigen, auf 135 Bewohner ausgelegten Container-Unterkunft leben nur noch einige wenige Menschen, die in den kommenden Wochen ausziehen werden.

Der Freistaat hat vom Landkreis Altötting stattdessen ein zuletzt kaum mehr genutztes Übernachtungshaus für Jugendgruppen gemietet, in dem für die kommenden zehn Jahre 125 Plätze für Geflüchtete zur Verfügung stehen. Die Bewohner werden dort wohl etwas angenehmer leben können als in den Containern – und den Staat wird es wesentlich weniger kosten. Auch von den vielen kleineren Unterkünften habe man zuletzt einige besonders teure kündigen können, heißt es aus dem Altöttinger Landratsamt. Und so wie in Altötting läuft es gerade vielerorts in Bayern.

Innenminister Joachim Herrmann hat sich am Dienstag laut einer Mitteilung „hocherfreut“ gezeigt, dass in Bayern rund 19 800 Unterbringungsplätze seit Sommer 2025 abgebaut oder gekündigt wurden: „Unser für 2026 selbstgestecktes Abbauziel von mindestens 20 000 Unterbringungsplätzen haben wir damit schon im August fast erreicht. Die Migrationswende kommt konkret vor Ort an.“ In allen Regierungsbezirken sehe man einen deutlichen Rückgang.

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Die Unterbringung von Asylbewerbern ist ein Problem, das in den vergangenen Jahren regelrechte Hilferufe von Landräten auslöste, gerade auch aus den Reihen der CSU. Im Vergleich zum Sommer 2025 wurden nun in Oberbayern rund 4250 Plätze abgebaut, in Niederbayern 1240, in der Oberpfalz 2580, in Oberfranken 2820, in Mittelfranken 3280, in Unterfranken 2560 und in Schwaben 3070. Auch in den nächsten Monaten und im kommenden Jahr solle der Abbau fortgesetzt werden. Bis Ende 2027 hat das Innenministerium weitere Abbauziele für die Regierungsbezirke festgelegt: in der Summe weitere 22 300 Plätze im ganzen Freistaat.

Die zentrale Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Zirndorf, Bayern (Archivbild)
Die zentrale Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Zirndorf, Bayern (Archivbild)
Daniel Löb/picture alliance/dpa

Zur Einordnung: Ende Februar 2026, dem letzten Stichtag in einer früheren Mitteilung des Ministeriums, lebten in bayerischen Asylunterkünften 121 700 Personen. Darunter sind auch sogenannte Fehlbeleger, meist anerkannte Flüchtlinge, die nach dem Ende ihres Asylverfahrens weiterhin in staatlichen Einrichtungen wohnen, wenn sie auf dem freien Immobilienmarkt keine Bleibe finden.

2025 hat sich die Zahl der Asyl-Neuzugänge mehr als halbiert

Ziel sei es auch, so das Innenministerium, vorrangig die jeweils teuersten Plätze abzubauen, um so den Staatshaushalt bestmöglich zu entlasten. Mögliche Ersparnisse in der Asylpolitik wurden zuletzt auch rund um den Beschluss des ausgeglichenen Haushalts thematisiert. Konkrete Summen hatte das Ministerium bislang nicht genannt.  „Wir werden unseren Kurs nun konsequent fortsetzen. Mit den Abbauzielen für 2027 setzen wir uns erneut ambitionierte, aber realistische Marken – für eine spürbare Entlastung in allen Teilen Bayerns“, erklärte Herrmann.

Hintergrund sind sinkende Zugangszahlen von Asylbewerbern. Herrmann konstatierte bereits bei der Asylbilanz für 2025 einen „erfolgreichen Kurswechsel“. Nach Jahren hoher Zuwanderung hat sich die Zahl der Asyl-Neuzugänge demnach 2025 mehr als halbiert. Konkret sei sie um 57 Prozent gesunken, auf 13 850 Personen. Auch 2026 setzte sich der Trend nach ersten Daten fort. Vergangenes Jahr zählte man zudem 19 400 Aufenthaltsbeendigungen in Bayern; davon knapp 3700 Fälle Abschiebungen, der Rest freiwillige Ausreisen. Bund wie Freistaat wollen Rückführungen stärker forcieren.

Herrmann führte die sinkenden Zugangszahlen bei der Bilanz vor allem auf die weitere Verstärkung der Grenzkontrollen seit Anfang Mai 2025 zurück. Der Trend war indes schon vor Antritt der neuen Bundesregierung und eines CSU-Bundesinnenministers erkennbar. So lagen die Asyl-Zugangszahlen in Bayern 2023 bei etwa 50 000 Personen, im Folgejahr bei knapp 32 000. Minister Alexander Dobrindt hatte die noch unter der Ampel eingeführten Kontrollen intensiviert und darüber hinaus die Abweisung der meisten Personen mit Asylbegehren angeordnet. Offen bleibt, wie stark der „Kurswechsel“ hinter den gesunkenen Ankunftszahlen steckt. Oder inwiefern andere Faktoren wie die Lage in Syrien eine Rolle spielen.

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Beispiel Landkreis Augsburg: Waren im Januar 2025 dort noch 1801 Menschen in dezentralen Asylunterkünften untergebracht, waren es zuletzt nur noch rund 1000. Grund für den Rückgang seien die merkbar gesunkenen Zugangszahlen, heißt es im Landratsamt. 2026 wurden dem Landkreis, Stand Juli, bislang etwa 150 Flüchtlinge neu zugewiesen. Aus diesem Grund wurden seit Anfang vergangenen Jahres schon 18 Unterkünfte geschlossen, etwa in Altenmünster, Diedorf, Wehringen oder Zusmarshausen. Damit fallen knapp 530 Unterbringungsplätze weg. Bis Ende 2026 sollen weitere zehn dezentrale Standorte mit knapp 230 Plätzen aufgelöst werden. Die Mietverträge wurden bereits gekündigt oder laufen regulär aus.

„Wo Unterkünfte nicht mehr benötigt werden, bauen wir sie zurück“, teilte Landrat Martin Sailer (CSU) mit. Dabei achte man darauf, dass dies „für die betroffenen Menschen geordnet abläuft und zugleich sparsam mit öffentlichen Mitteln umgegangen wird“. Von den vergangenen und zukünftigen Schließungen seien noch 53 Bewohner betroffen, heißt es. Diejenigen mit bestehendem Unterbringungsbedarf seien in andere Unterkünfte verlegt worden.

Der Flüchtlingsrat kritisiert „eine vorschnelle Schließung“

Selbst in Landkreisen wie Rosenheim oder Miesbach, die sich jahrelang nicht mehr anders zu helfen wussten und Turnhallen zu Flüchtlingsheimen umfunktioniert hatten, hat der Druck inzwischen nachgelassen. In den Turnhallen treiben Schüler und Vereine längst wieder Sport, und auch die besonders umstrittene Containersiedlung neben dem Müllentsorgungszentrum des Landkreises Miesbach in Warngau kann aller Voraussicht nach spätestens mit dem Auslaufen der befristeten Verträge im Januar aufgelöst werden. Schon bei seiner Asylbilanz 2025 hatte Herrmann mitgeteilt, es sei keine einzige Turnhalle in Bayern mehr mit Flüchtlingen belegt.

Der bayerische Flüchtlingsrat kritisierte am Dienstag „die vorschnelle Schließung von Unterkünften ohne einen konkreten Plan, um zukünftig ausreichend Kapazitäten vorzuhalten“. Damit lege man den Grundstein für die nächste Krise, so Stephan Dünnwald, der Sprecher der Organisation. „Sobald wieder mehr Geflüchtete ankommen, beklagt man wieder einen Unterbringungsnotstand.“ Der Flüchtlingsrat vermisst zudem Pläne, wie Geflüchtete schneller aus Unterkünften in Wohnraum umziehen könnten. Hier sei das Ministerium „sehr schwachbrüstig aufgestellt“.

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