Hammer-Attacke in NiederbayernNach Angriff im ICE: Tatverdächtiger soll unter Drogen gestanden haben

Lesezeit: 3 Min.

Nach dem Angriff in einem ICE waren am Donnerstag schnell Ermittler und Rettungskräfte vor Ort.
Nach dem Angriff in einem ICE waren am Donnerstag schnell Ermittler und Rettungskräfte vor Ort. Armin Weigel/dpa

Nach dem Angriff in einem ICE vom Donnerstag haben die Ermittler bislang keinen Hinweis auf ein terroristisches Motiv. Ein 20-jähriger Syrer soll im Zug mit Hammer und Axt vier Menschen attackiert haben. Gegen ihn wird nun wegen Mordversuchs ermittelt.

Von Lena Hamel, Straubing

Nach dem Angriff in einem ICE vom Donnerstag haben die Ermittler bislang keinen Hinweis, dass der mutmaßliche Täter, ein 20-jähriger Syrer, aus extremistischen oder terroristischen Motiven gehandelt habe. Das sagte Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher am Freitag in Straubing. Allerdings seien die Ermittlungen noch am Anfang, deswegen könne eine terroristische Motivation momentan weder gänzlich ausgeschlossen noch bejaht werden.

Ein Zeuge habe ausgesagt, dass der mutmaßliche Täter bei dem Angriff gebetet und „Allahu Akbar“ gerufen habe. Rauscher betonte jedoch, dass es sich bislang lediglich um die Aussage eines einzelnen Zeugen handle. Fest steht jedoch, dass der junge Mann unter Drogeneinfluss stand. Drei verschiedene Betäubungsmittel seien im Blut des Verdächtigen gefunden worden, sagte Rauscher. Diese könnten in Wechselwirkung zu einem drogeninduzierten psychotischen Zustand geführt haben. Es ist deswegen noch nicht klar, ob der Verdächtige bei dem Angriff schuldfähig war. Zeugen hätten berichtet, dass der 20-Jährigen einen verwirrten Eindruck gemacht habe.

Gegen den Mann wird nun wegen zweifachen Mordversuchs und zweifacher gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Die Ermittler sehen das Mordmerkmal der Heimtücke als erfüllt an, da die Personen im Zug nicht mit einem Angriff gerechnet hätten.

SZ Bayern auf Whatsapp
:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnieren

Von Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.

Am Donnerstagnachmittag soll der 20-Jährige im ICE von Hamburg nach Wien mit einem Zimmererhammer und einer Axt Mitreisende angegriffen haben. Zuerst soll er einen 38-jährigen Deutschen, der gerade einen Notruf absetzen wollte, attackiert haben, sagte Stefan Schillinger von der Kriminalpolizei Straubing. Dann ließ er offenbar von diesem ab und griff eine syrische Familie an, eine Mutter mit zwei Söhnen. Er ging auf den 24-jährigen Sohn los. Nach einem Gerangel ergriff der 24-Jährige den Hammer und schlug dem Angreifer auf den Kopf. Dabei wurde dieser schwer verletzt. Rauscher weist darauf hin, dass der Mann aus Notwehr gehandelt habe und keine Strafverfolgung fürchten müsse.

Der 24-jährige Mann wurde schwer am Kopf verletzt, ebenso der 38-Jährige, den der Tatverdächtige zuvor attackiert habe. Die 51-jährige Mutter und deren zweiter Sohn, 15, wurden etwas leichter verletzt, aber so schwer, dass alle im Krankenhaus behandelt werden mussten.

Unbeteiligte Mitreisende hätten den Angreifer überwältigt und fixiert, darunter war auch ein Bundeswehrsoldat. Die Polizei nahm den Täter schließlich fest. Wegen seiner schweren Verletzungen sei er bislang nicht vernommen worden, sagte Rauscher. Noch am Freitag sollte über einen Haftbefehl entschieden werden, das sei in Ausnahmefällen auch ohne eine Vernehmung möglich, sagte Rauscher. Denkbar sei auch eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus, falls sich herausstelle, dass der Mann nicht schuldfähig sei.

Stefan Schillinger (links) von der Kriminalpolizei Straubing und Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher bei einer Pressekonferenz zur Attacke im ICE.
Stefan Schillinger (links) von der Kriminalpolizei Straubing und Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher bei einer Pressekonferenz zur Attacke im ICE. Armin Weigel/dpa

Es sei sehr wahrscheinlich, dass sich der mutmaßliche Täter und die Opfer nicht gekannt hätten, sagte Schillinger. Am Vorabend hatte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) gesagt, dass der Beschuldigte vor der Tat mit der Familie gesprochen habe. Das sei jedoch eher ein einseitiges Ansprechen gewesen, sagte Schillinger. Ob es ein Zufall war, dass der Mann genau diese Familie angegriffen habe oder ob er sich die Opfer gezielt ausgesucht habe, das sei unklar.

In Bayern war der Verdächtige bislang nicht polizeibekannt. In Österreich, wo er als anerkannter Asylbewerber lebte, war er bereits wegen eines Gewaltdelikts aufgefallen. Nach zwei rechtskräftigen Verurteilungen wegen schwerer Körperverletzung und versuchtem Widerstand gegen die Staatsgewalt im Februar und Ende April 2025 sei im Mai ein Asyl-Aberkennungsverfahren eingeleitet worden, teilte das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl in Wien mit. Der Tatverdächtige hatte 2021 in Österreich einen Asylantrag gestellt und 2022 einen Schutzstatus erhalten.

Der Notruf war am Donnerstag gegen 13.50 Uhr bei den Rettungskräften eingegangen, die mit einem Großaufgebot anrückten. 125 Einsatzkräfte der Landespolizei, die Bereitschaftspolizei, das Polizeipräsidium Oberpfalz und die Polizeiinspektion Passau waren vor Ort. Um 14.01 Uhr traf die erste Polizeistreife ein. Drei Minuten später konnte der Täter gesichert werden.

Der ICE mit 429 Fahrgästen und Zugpersonal stand mehrere Stunden auf freier Fläche in der Nähe von Straßkirchen im Landkreis Straubing-Bogen. Im zweiten Zugteil, in dem die Tat geschah, saßen 312 Passagiere und sechs Kinder. Die Strecke war für drei Stunden gesperrt, was 19 weitere Züge betraf. Fahrgäste, die von den Ermittlern nicht als Zeugen befragt oder beim Angriff verletzt wurden, konnten der Polizei zufolge mit einem der ICE-Zugteile schließlich zum Bahnhof in Straßkirchen fahren. Dort waren in zwei Turnhallen eigens Betreuungsstellen eingerichtet.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Nach dem tödlichen Angriff in Mellrichstadt
:„Es geht manchmal gar nicht so viel um große Worte“

Pfarrer Thomas Menzel wird als Notfallseelsorger zu Unfällen und Gewaltdelikten gerufen. Am Dienstag musste er daheim in Mellrichstadt zum Überlandwerk Rhön, wo ein Mann mehrere Kollegen angegriffen hatte. Eine Frau starb. Was sagt man da?

SZ PlusInterview von Lena Hamel

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: