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Natur:Mehr Schutz für empfindsame Raufußhühner

Aufgeplustertes Schneehuhn im Winterkleid

Das Alpenschneehuhn - mit aufgeplustertem Federkleid - lebt oberhalb der Baumgrenze.

(Foto: Sebastian Frölich/ mauritius images)
  • Insgesamt vier Raufußhuhn-Arten sind in Bayern heimisch: das Alpenschneehuhn, das Auerhuhn, das Birkhuhn und das Haselhuhn.
  • Die Bemühungen um den Schutz der seltenen Arten haben in den vergangenen Jahren zugenommen.
  • Einen Beitrag dazu soll jetzt auch der Band "Raufußhühner - Begreifen, Bestimmen, Bewahren" liefern, den das Landesamt für Umwelt und die Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft dieser Tage herausgebracht haben.

Alpenschneehühner sind Verwandlungskünstler, kaum eine heimische Vogelart passt ihr Federkleid so sehr der Jahreszeit an wie sie. Im Winter sind sie schneeweiß gefiedert, einzig die Schwanzspitzen sind schwarz. In der Brutzeit sind nur ihre Unterseiten und die Handschwingen weiß, das übrige Brutkleid ist hellbraun bis dunkel gescheckt. Im Herbst tragen sie Steingrau. Der Grund des jahreszeitlichen Wechsels: Alpenschneehühner müssen sich gut tarnen. Denn sie leben im Hochgebirge oberhalb der Baumgrenze. Auf den Wiesen und Matten dort gibt es kaum Verstecke vor Greifvögeln und anderen Feinden. Ein jahreszeitlich gefärbtes Gefieder ist der sicherste Schutz. Dennoch sind Alpenschneehühner hochbedroht. Alles in allem, so schätzen Experten wie der Leiter des Landesamts für Umwelt (LfU), Claus Kumutat, leben in den Berchtesgadener Alpen, im Karwendel, im Wetterstein und in den Allgäuer Hochalpen noch höchstens 240 Brutpaare.

Das Alpenschneehuhn ist eine von vier Raufußhuhn-Arten, die heimisch sind in Bayern. Die anderen sind das Auerhuhn, das Birkhuhn und das Haselhuhn. Ihre ebenfalls winzigen Bestände sind vor allem in den Alpen und Mittelgebirgen anzutreffen. Aber anders als in anderen Bundesländern kommen in Bayern noch alle vier mitteleuropäischen Raufußhuhn-Arten vor. LfU-Chef Kumutat ist sogar zuversichtlich, dass die Zahlen dort zumindest auf mittlere Sicht nicht weiter abnehmen. Denn die Bemühungen um den Schutz der seltenen Arten haben in den vergangenen Jahren zugenommen. Einen Beitrag dazu soll jetzt auch der Band "Raufußhühner - Begreifen, Bestimmen, Bewahren" liefern, den das LfU und die Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft (LWF) dieser Tage herausgebracht haben.

Der Auerhahn greift in der Balzzeit auch mal Wanderer an.

(Foto: Christoph Ruisz/ mauritius images)

Wie das Alpenschneehuhn sind das Auerhuhn, das Birkhuhn und das Haselhuhn perfekt ausgerüstet für das Überleben unter sehr harten Bedingungen - vor allem in strengen Wintern mit eisigen Temperaturen. Alle vier Arten haben ein besonders dichtes und wärmendes Federkleid, selbst die Nasenlöcher und Beine sind im Winter von Federn bedeckt. Das ist übrigens der Grund, warum sie Raufußhühner heißen. Außerdem wachsen ihnen in der kalten Jahreszeit Hornstifte an den Zehenrändern. Dank dieser natürlichen Schneeschuhe brechen sie nicht ständig in den Schnee ein, wenn sie über ihn hinweg laufen.

Mit Beginn der Balzzeit legen die Raufußhühner die Hornstifte wieder ab. Und bei hohem Schnee graben sie sich in Schneehöhlen ein, in denen sie geschützt vor Minusgraden Nächte und Tage überdauern. Raufußhühner kommen auch mit sehr karger und nährstoffarmer Kost gut zurecht, mit Fichten- und Kiefernnadeln etwa. Um sie zu verdauen, schlucken sie Steinchen. Mit ihrer Hilfe zermahlen sie im Magen die harten Pflanzenfasern.

Auch die Balzrituale der Raufußhühner sind außergewöhnlich. Die schwarz, braun und metallisch grün gefiederten, mächtigen Auerhähne etwa thronen erst im Geäst eines aussichtsreichen Baumes, später am Boden. Ihre Rosen - das sind rote Hautsäcke über den Augen, die auch charakteristisches Merkmal der anderen Raufußhuhn-Arten sind - sind extrem angeschwollen. Den Hals und den gefächerten Schwanz haben sie steil aufgerichtet. Dazu lassen sie klackende, ploppende Rufe ertönen. Eigentlich sind Auerhähne scheu. In der Balzzeit jedoch stecken sie so voll Testosteron, dass sie sehr aggressiv sind und sogar Bergsteiger angreifen.

Haselhuhn Hasel Huhn Tetrastes bonasia Bonasa bonasia sitzt auf bemoostem Totholz Deutschland

Das Haselhuhn bevorzugt lichten Laubwald.

(Foto: M. Kuehn/ imago)

Den Raufußhühnern geht es freilich so wie vielen anderen Tier- und Pflanzenarten in Bayern - ihre vormaligen Lebensräume schwinden immer mehr. Das Haselhuhn zum Beispiel bevorzugt lichte, unterholzreiche Laub- und Mischwälder mit einer vielfältigen Kraut- und Strauchschicht. Fichtenmonokulturen - wie sie die Förster lange Zeit pflegten - meiden sie. Erst seit die Förster wieder verstärkt auf Mischwälder setzen, verbessern sich allmählich die Lebensräume für Haselhühner.

Wie alle Raufußhühner sind Haselhühner außerdem extrem empfindlich gegenüber Störungen, etwa durch Wanderer oder Radler. Wenn sich ein brütendes Haselhuhn zu stark bedroht fühlt, flüchtet es von seinem Gelege. In der winterlichen Bergwelt sind es vor allem Skifahrer, Tourengeher und Schneeschuhwanderer, die den Raufußhühnern das Leben schwer machen. So hätte die viele Jahre lang umstrittene Skischaukel am Riedberger Horn einen der größten Birkhuhn-Bestände gefährdet, die es noch in Bayern gibt.

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