In diesem Frühjahr herrscht auffällige Stille in den Alpen. Vogelfreunde machen derzeit kaum mehr Felsenschwalben aus, wie der bayerische Naturschutzverband LBV im mittelfränkischen Hilpoltstein am Dienstag mitteilte. Die wärmeliebenden Vögel galten demnach bisher als Gewinner des Klimawandels. Ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatet, begannen sie sich auch im bayerischen Alpenraum und im Schwarzwald anzusiedeln. Als Nistplätze nutzten sie Felswände, Kirchen und Brücken. Ihr Bestand sei zuletzt auf bundesweit etwa 100 Brutpaare geschätzt worden, mit steigender Tendenz.
Doch nun zeigt sich der Verband alarmiert. Jüngste Daten wiesen auf einen dramatischen Rückgang hin – insbesondere in Bayern. Über die Meldeplattform ornitho.de seien dieses Jahr im Vergleich zum Vorjahr weniger als ein Drittel Beobachtungen von Felsenschwalben eingegangen, erklärte Felix Steinmeyer, LBV-Gebietsbetreuer der Allgäuer Hochalpen. In Österreich zeichne sich ein ähnlich dramatisches Bild ab.

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Die Vogelexperten vermuten, dass Starkregen im vergangenen September zahlreiche Schwalben habe verenden lassen. Ein plötzlicher Kälteeinbruch habe wohl zudem dafür gesorgt, dass in Südbayern und Österreich viele Schwalben verhungerten oder erfroren, als sie schon unterwegs in ihre Winterquartiere gewesen seien.
Der LBV bietet um Mithilfe bei der Kontrolle von Brutplätzen. An erfahrene Vogelbeobachter und Vogelbeobachterinnen in der Alpenregion richtete er am Dienstag den Aufruf, auf der Plattform ornitho.de auch das Ausbleiben von Felsenschwalben zu dokumentieren. Wer ehemalige Brutplätze kenne, könne durch eine gezielte Kontrolle helfen, das Ausmaß des Rückgangs besser einzuschätzen.

