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Hubert Aiwanger:Von Lackln und Schmazhaum

Sitzung Landtag Bayern

Nach Hubert Aiwangers Definition verzapft eine Schmazhaum auch noch Unsinn.

(Foto: dpa)

Das Donnern und Schelten nehmen die Bayern schon mit der Muttermilch auf. Aus dem niederbayerischen Schimpfwörterschatz schöpft auch ein gewisser Minister gern.

Die große Politik trägt zurzeit Züge einer Vorhölle, in der das Böse dampft und die Niedertracht brodelt. Ähnliche Abgründe aber hatte bereits der Ministerpräsident Alfons Goppel erlebt. Sein Nachfolger Franz Josef Strauß stauchte ihn einmal dermaßen zusammen, dass dem großen alten Mann Tränen über die Wangen liefen. Der stellvertretende Ministerpräsident und Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger hat wegen eines Rüffels aus der CSU noch nie geweint. Das heißt aber nicht, dass er gefühllos ist. Wenn sein rustikales Auftreten bei Journalisten Reaktionen hervorruft, weist er sie bevorzugt auf dem Krawallmedium Facebook zurecht, wobei er seine Wortwahl mithilfe des niederbayerischen Schimpfwortbreviers schärft.

Dieses Vademecum des Donnerns und Scheltens nimmt die Bevölkerung quasi mit der Muttermilch auf, und zwar ausnahmslos alle, ob sie nun Politiker sind oder Journalisten oder Landwirte. Eine Kollegin, die neulich Aiwangers kernigen Stil thematisiert hat, wurde von ihm postwendend als "Schmazhaum" (Schmazhaube) gewürdigt. Mit einem Begriff also, der noch keine Beleidigungs- aber reichlich Stichelqualität besitzt.

Aus linguistischer Sicht fällt auf, dass in der Schmazhaum das Verb schmatzen steckt, das in Südbayern keineswegs - wie im Standarddeutschen - eine geräuschvolle Nahrungsaufnahme beschreibt, sondern eine mündliche Unterhaltung. Als Schmatzer (weibliches Pendant Schmazhaum) gelten Akteure, die zu viel reden. Im Landtag sitzen berufsbedingt viele Schmatzer, auch Aiwanger zählt dazu. Ministerpräsident Markus Söder hat sich sogar als ein so begnadeter Schmatzer hervorgetan, dass ihm der Kabarettist Bruno Jonas den Ehrentitel Mausdoudschmatzer verpasst hat.

Nach Aiwangers Definition verzapft eine Schmazhaum auch noch Unsinn. Dies bezog er auf die ihm zugedachte Titulierung Lackl, die er aber sehr einseitig verstand. Immerhin ist der Lackl aus dem Französischen hierher migriert, ausgehend vom General de Melac, einem Mann von sehr hohem Rang. Vermutlich wollte Aiwanger statt Schmazhaum sagen: "Hoit's Mei!" (halt den Mund). Die niederbayerische Sängerin Karin Rabhansl bremst ihre Schmatzer viel vornehmer aus: "Mogst schmusen, mia wads wurscht!"

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