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Mitten in Bayern:Aiwangers politisches Geschäftsmodell

Sitzung Landtag Bayern

Der stellvertretende Ministerpräsident Hubert Aiwanger spricht bei einer Plenarsitzung im Landtag.

(Foto: dpa)

Stellvertretender Ministerpräsident hin oder her, Hubert Aiwanger redet wie es ihm gerade in den Sinn kommt. Früher gern gegen die CSU, aber das geht in der Koalition nun nicht mehr. Also muss er sich andere Gegner suchen.

Am Dienstag hat Hubert Aiwanger im Landtag einen Einblick in seine Denkwelt gegeben. Man könnte aber auch sagen: Er hat mal richtig die Sau rausgelassen. Früher, als Aiwanger noch nicht Wirtschaftsminister war, da konnte er ungeniert seine Abneigung gegen die CSU ausleben. Seitdem er aber zu Ministerpräsident Markus Söders Lieblingsmitarbeiter aufgestiegen ist, richtet sich Aiwangers ganzer Zorn gegen die Grünen. Die hetzen seiner Meinung nach Stadt und Land aufeinander und wollen "uns" kolonisieren. Mit "uns" meinte Aiwanger "uns im Bayerischen Wald", denen die Münchner vorschreiben wollten, was sie zu tun hätten. Danach redete er noch irgendwas von "Regime" und jungen Leuten, die auswandern, wenn die Grünen anschaffen.

Neulich beim Kreisbauerntag in Weilheim, da riet Aiwanger den Bauern tatsächlich: "Verlasst euch nicht auf die Politik." Das ist doch eine sehr erstaunliche Äußerung aus dem Munde eines Staatsministers. Zumal seine Regierung den Bauern gerade zig Millionen hinterherwirft, damit sie sich nach dem Volksbegehren wieder abregen. Aiwanger weiß halt manchmal noch nicht so recht, ob er den Grünen, der CSU oder sich selbst die Socken anzünden soll. Hauptsache, es raucht und stinkt.

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Das Volksbegehren zum Artenschutz war das erfolgreichste in der Geschichte Bayerns. Nun ist es offiziell Gesetz - für die CSU ein Spagat, für die Initiatorin erst der Anfang.

Wenn sich CSU-Politiker über Aiwanger äußern, dann schwingt bei ihnen eine Mischung aus Ironie und Furcht mit. Die Kurzfassung: Einerseits ist der Hubert vielleicht nicht so die ganz große Nummer als Wirtschaftsminister, vorsichtig ausgedrückt. Andererseits stört er auch nicht, und was noch viel wichtiger ist: In der Koalition ist Aiwanger ungefährlich.

Man stelle sich vor, eine Koalition aus CSU und Grünen hätte dem Gesetzentwurf zum Artenschutz zugestimmt - Aiwanger hätte das ganze Land gegen die Eliten da oben in München aufgehetzt. Auch so kann er kaum verbergen, was er von dem grünen Öko-Zeugs hält: überhaupt nichts. Er trifft damit den Nerv der Landbevölkerung oder zumindest eines Teils davon. So beklagt er zwar die Entfremdung von Stadt und Land, aber er selbst lebt ganz gut davon. Sie ist sein politisches Geschäftsmodell. Das hat er im Landtag gerade wieder vorgeführt. Schade, dass Bayerns stellvertretender Ministerpräsident das nötig hat.