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Landwirtschaft:Bio boomt in Bayern

29 05 2015 Am Hopfensee in Bayern Füssen im Allgäu Junge Kühe geniessen das schöne Wetter auf ein

Eine junge Kuh im Allgäu müsste man sein. Am Hopfensee genießen Rinder das schöne Wetter auf einer Weide. Immerhin elf Prozent der Milch im Freistaat wird nach ökologischen Richtlinien erzeugt.

(Foto: imago)

Weil viele Menschen wieder selbst kochen, ist die Nachfrage im Jahr 2020 um 22,3 Prozent gewachsen. Doch vor allem bei teuren Fleisch- und Wurstwaren gibt es noch viel Luft nach oben.

Von Christian Sebald

Die ökologische Landwirtschaft in Bayern wächst kräftig. "Egal ob Milch, Fleisch oder Getreide", sagt Hubert Heigl, der seit mehr als 20 Jahren bei Kallmünz in der Oberpfalz Bio-Schweine züchtet und Vorsitzender der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern (LVÖ) ist. "Unsere Produkte sind sehr gefragt, im Lebensmittelhandel hat Bio im zurückliegenden Jahr Zuwächse von über 20 Prozent verzeichnet." Auch im "Jahresbericht über ökologische Landwirtschaft" von Agrarministerin Michaela Kaniber ist von einem extremen Plus die Rede. "Das Nachfragewachstum fiel im Jahr 2020 mit 22,3 Prozent außergewöhnlich hoch aus", heißt es in dem 28 Seiten starken Papier, das am Mittwoch im Landtag präsentiert worden ist. Die Steigerungsrate ist beinahe doppelt so hoch als im Jahr davor.

Agrarministerin Kaniber freut sich sehr über den Boom. "Er zeigt, dass unser Programm für den Öko-Landbau in Bayern greift und zum Erfolg geführt hat", sagt Kaniber. So habe der Freistaat gegen alle Skepsis bereits sein Ziel erreicht, den Öko-Landbau in Bayern zu verdoppeln. "Damit will ich mich aber nicht zufriedengeben", sagt Kaniber. "Bis Ende des Jahrzehnts wollen wir erreichen, dass 30 Prozent der Agrarfläche im Freistaat ökologisch bewirtschaftet werden." Die Marke ist in Folge des erfolgreichen Volksbegehrens "Artenvielfalt - Rettet die Bienen" im bayerischen Naturschutzgesetz verankert worden. Die Staatsregierung steht gleichsam in der Pflicht, das Ziel einzulösen. "Das ist aber noch ein langer Weg bis dahin", sagt die Grünen-Landtagsabgeordnete und Bio-Bäuerin Gisela Sengl und fordert die Staatsregierung auf, ihre Anstrengungen deutlich zu verstärken.

Kanibers Bericht bezieht sich auf die amtlichen Zahlen vom 31. Dezember 2020. Zu diesem Stichtag gab es in Bayern knapp 11 000 Bio-Bauernhöfe, damit steht jeder dritte Bio-Hof Deutschlands im Freistaat. Zusammen bewirtschaften die bayerischen Bio-Bauern ungefähr 385 000 Hektar Land, das entspricht gut zwölf Prozent des Agrarlandes im Freistaats. Mit diesen beiden Kennziffern ist das Ziel von Kanibers Vorgänger Helmut Brunner aus dem Jahr 2010 beinahe erreicht worden, die Öko-Landwirtschaft in Bayern binnen zehn Jahren zu verdoppeln. 2010 gab es erst 6000 Biobauern und insgesamt ungefähr 200 000 Hektar Bio-Land in Bayern.

Der Boom betrifft freilich nicht alle Bio-Produkte gleichermaßen. Bei den Eiern sind bereits 15,4 Prozent Bio-Eier, bei der Milch sind es elf Prozent und beim Frischgemüse immerhin fast neun Prozent. Schlusslichter bleiben Bio-Butter, Bio-Fleisch, Bio-Wurst und Bio-Geflügel mit Anteilen von zum Teil deutlich unter vier Prozent. Der Grund ist nicht nur, dass diese Bio-Produkte sehr viel teurer sind als die konventionelle Konkurrenz. Sondern außerdem, dass sie auch innerhalb der Bio-Schiene zu den teueren Produkten zählen. Doch auch hier tut sich was. "Sogar Bio-Schweinefleisch wird inzwischen sehr viel mehr nachgefragt", sagt LVÖ-Chef Heigl - und zwar obwohl frisches Bio-Schweinefleisch aus Bayern an der Ladentheke zu den hochpreisigsten Bio-Produkten zählt.

Der Grund für den Bio-Boom ist die Corona-Pandemie. "Die Leute können nicht ins Gasthaus oder ins Restaurant gehen, dafür kochen und braten sie sehr viel mehr in der heimischen Küche", sagt Heigl. "Und dafür kaufen sie verstärkt hochwertiges Fleisch und andere Produkte. Davon profitiert Bio." Außerdem achteten immer mehr Verbraucher auf das Tierwohl sowie auf Klimaschutz- und andere Umweltleistungen in der Landwirtschaft. "Und da hat nun mal der Öko-Landbau die höchsten Standards", sagt Heigl. Der LVÖ-Chef ist zuversichtlich, dass der Boom nach Corona nicht wieder einfach abflaut, sondern einen Teil seines Schwungs in die Nach-Corona-Zeit mitnehmen kann. Damit das gelingen kann, fordert er, dass der Freistaat seine Förderprogramme fortsetzt und auch nicht bei der Forschung und in der Ausbildung der Bio-Bauern nachlässt.

© SZ vom 22.04.2021/van/baso
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