Süddeutsche Zeitung

Ende des G8 in Bayern:Das Abi-Schaltjahr

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In Bayern haben die Abiturprüfungen begonnen. Wer durchfällt, hat ein Problem: Der nächste reguläre Jahrgang schreibt seine Abschlussprüfung erst 2026.

Von Anna Günther

Auffallend leise hat mit dieser Woche das endgültige Ende des achtjährigen Gymnasiums in Bayern begonnen. Dabei wurde das sogenannte G8 seit seiner holprigen Einführung vor zwanzig Jahren meist von lauten Protesten und politischer Keilerei begleitet. Nun schreibt der allerletzte G8-Jahrgang seine Abiturprüfungen, und aus der bayerischen Landespolitik hört man dazu: nichts. Dabei verteidigte die CSU-Fraktion das G8 sogar noch eisern, als der damalige Ministerpräsident Horst Seehofer erkennen ließ, dass er dem Wunsch von Eltern und Schülern nach mehr Lernzeit im G9 nachkommen würde.

Den 34 000 Jugendlichen, die dieses Jahr in Bayern ihr Abitur ablegen wollen, wird es herzlich egal sein. Die ersten Prüfungen in Französisch und Deutsch haben sie schon hinter sich gebracht. Am 3. Mai steht für all jene, die nicht Französisch gewählt haben, die zweite schriftliche Prüfung an. Wie eh und je dürften die Wackelkandidaten sich genau ausgerechnet haben, welche Punkte sie bekommen müssen, um das Abitur zu bestehen. Diese Rechenkünste sind oft auf Universitätsniveau und in diesem Jahr essenziell. Denn das G8 endet 2024, doch die ersten G9-Abiturienten schreiben erst 2026 ihre Abschlussprüfung. Regulär findet im kommenden Jahr also keine Abiturprüfung statt.

Wer durchfällt, muss erst einmal recherchieren

Damit die Durchfaller nicht ins Nichts fallen, haben das Kultusministerium und Vertreter der Lehrer, Eltern und Schüler ein Sicherheitsnetz konzipiert: An etwa 100 bayerischen Gymnasien findet 2025 doch das Abitur statt. Das Ministerium stellt sich auf etwa 5000 Prüflinge ein. Neben den Wiederholern aus dem G8 werden unter anderem auch Schüler aus dem G9 dabei sein, die ein Jahr überspringen. Aber die Schulwege könnten weit werden, die Plätze sind begrenzt und die Situation ist eher kompliziert.

Unter diesen 100 Gymnasien sind auch jene 45, die als Pilotversuch schon seit 2015 das G9 im G8 anbieten und damit der Treiber waren für den Richtungswechsel im bayerischen Schulsystem. Von einer "Rückkehr" zum G9 will die CSU bis heute nicht sprechen.

Zwar ist die Zahl der Durchfaller im Abitur in Bayern gering, Lehrerverbände und Wissenschaftler beklagen sogar regelmäßig die Entwertung des Abis durch die "Einserschwemme". Im Schnitt sind es weniger als fünf Prozent der Prüflinge. Vielen Wackelkandidaten gelingt es, sich in mündlichen Nachprüfungen zu retten. Aber weil Durchfallen diesmal besonders heikel ist, gibt es das Auffangnetz.

Wer das Abi nicht besteht, muss nicht nur ein Jahr wiederholen, sondern auch hoffen, dass das Auffanggymnasium die richtigen Kurse anbietet. Drei von fünf G8-Abiturfächern können Schülerinnen und Schüler auswählen, Mathe und Deutsch sind Pflicht. Glück haben da jene, die zwar weit fahren müssen - eine Stunde Busfahrt soll hinnehmbar sein -, aber an der neuen Schule die eigene Wahlkombination bekommen. Schwieriger wird es, wenn die Abiturfächer nicht oder nur teilweise angeboten werden. Dann sollen sich die Schüler von speziell Beauftragten des Ministeriums beraten lassen.

Plan B wäre, ins neue G9 zu wechseln. Dann aber müssten die Durchfaller zwei Jahre wiederholen und mit dem Punktesammeln für das Abitur von vorne anfangen - mit anderem Lehrplan und in einem anderen System.

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