Unter den vielen besonderen Gegenden Bayerns ist der Bayerische Wald eine ganz besondere. Da sind die Wälder tiefer und die Menschen verschlossener, das Wetter rauer und die Geister lebendiger.
Wer sich als Auswärtiger zum ersten Mal dort wiederfindet, wirkt meist kaum weniger beeindruckt, als habe er ein indigenes Volk an einem Nebenarm des Amazonas besucht oder eine bislang unerforschte Gegend in Tadschikistan durchwandert. Zumal die Sprachprobleme ähnlich gravierend ausfallen können.
Zugegeben, der Dialekt ist nicht selbsterklärend und es mag auch Regionen geben, wo die Leute Fremden gegenüber aufgeschlossener sind. Oder wirken zumindest, denn bei aller Exotik (oder deswegen) gehört der Bayerische Wald zu den wichtigen Urlaubsdestinationen des Freistaats. 6,6 Millionen Übernachtungen wurden in der Region im vergangenen Jahr verzeichnet und ein überdurchschnittliches Wachstum im bayerischen Vergleich.
Die Gäste wollen auf den Arber, natürlich, in den Nationalpark – und zum Wellness. Auch wenn es zwischen einem Waidler und einem Whirlpool wenig naheliegende Verbindungen gibt, haben die Menschen dort das Potenzial dieses Urlaubsfeldes früh erkannt. Die Dichte der Wellnesshotels im Bayerischen Wald ist beeindruckend.
Oder, wie es der Komiker Michl Müller bei der Fastnacht in Franken beschrieben hat: „Baum, Baum, Wellnesshotel, Baum, Wellnesshotel, Wellnesshotel, Baum, Baum. Wahnsinn!“ Der Luxus ist eingezogen in das einstige Armenhaus Bayerns, mit Infinity-Pools und Lomi-Lomi-Massagen, mit Bergfeuer-Deluxe-Suiten, Panorama-Event-Saunen und Dreiviertel-Pension. Auf Sterne-Niveau, versteht sich.
Bis aus Köln, Berlin und München kommen die Gäste, auf den Parkplätzen reihen sich die schicken Autos. Wer das Hotel nicht verlässt, der merkt gar nicht, dass er im Bayerischen Wald gelandet ist, wenngleich die vielen Hirsche in der Deko einen Hinweis liefern könnten. Und das Essen natürlich. Nachmittags zum Beispiel, da gibt es beim Salatbuffet allerhand Rohkost, Körner, Quinoa – und Presssack mit Musik.
Beim Frühstück wird frisches Rührei zubereitet oder ein Omelette mit Pilzen, Kräutern, was der Gast sich eben wünscht. Nur, wenn jemand einen Pancake bestellt, dann kann es passieren, dass er einen solchen nicht bekommt. „Mir han in Niederbayern“, wurde einem Gast kürzlich beschieden. „Da gibt’s Pfannakuacha.“ Bei aller Offenheit.

