Bayerischer Wald Warum Bürgermeisterin Josefa Schmid Ärger mit ihrer Gemeinde hat

Josefa Schmid macht öfters von sich reden - allerdings nicht immer als Bürgermeisterin.

(Foto: privat)
  • In der Bayerwaldgemeinde Kollnburg rumort es: Bürgermeisterin Josefa Schmid ist angeblich zu selten da.
  • Die 44-Jährige ist ehrenamtliche Rathauschefin der Gemeinde, für sie gibt es keine Anwesenheitspflicht.
  • Hauptberuflich arbeitet sie beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - zunächst in Deggendorf, dann in Nürnberg und nun offenbar in Bremen.
Von Andreas Glas, Kollnburg

Es ist Donnerstag, es ist kurz vor Mittag. Ein Anruf bei der Frau, die angeblich nie da ist. Fünfmal tönt das Freizeichen, dann geht die Vorzimmerdame ran. Ob die Frau Bürgermeisterin zu sprechen sei? Ja, sagt die Vorzimmerdame, Frau Schmid ist da. Die Dame stellt durch ins Büro der Bürgermeisterin. "Häng dein Herz an diesen Ort, komm nach Kollnburg und geh nimmer fort", singt die Stimme in der Warteschleife - dann geht dieselbe Stimme ans Telefon.

Na, Frau Schmid, wie geht's so? "Mir geht's perfekt", sagt sie. Mehr möchte sie nicht sagen, nur so viel: Dass eine ehrenamtliche Bürgermeisterin nebenher einen Beruf ausübt, das sei "völlig normal". Es habe deshalb auch "noch nie Bürgerbeschwerden" gegeben. "Alles im Lot", sagt Josefa Schmid, 44. Dann beendet sie das Telefonat.

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Alles im Lot in Kollnburg? Das ist natürlich geflunkert, zumindest was die Laune im Rathaus angeht und im Gemeinderat. Das merkt man schon daran, dass Bürgermeisterin Josefa Schmid (FDP) so kurz angebunden ist. Normalerweise redet sie viel und gern. Und sie singt. Dieses Hobby, diese Nebenbeschäftigung, hat Schmid erst so richtig bekannt gemacht. Nicht nur in Bayern, auch drüber hinaus. Die Medien tauften sie "Bayerwald-Beyoncé". Dass sich eine Bürgermeisterin als Schlagersängerin probiert und in Musikvideos im Bikini auftritt, das war natürlich eine nette Story. Und jetzt? Sorgt sie wieder mit einer Nebenbeschäftigung für Wirbel. Oder besser gesagt: mit ihrem Hauptberuf.

Es geht um ihren Job beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, abgekürzt: Bamf. Seit 2014 ist sie dort beschäftigt, zunächst in Deggendorf, 30 Kilometer entfernt von Kollnburg. Im Jahr 2016 übernahm sie eine neue Aufgabe im Bamf: Abläufe bei Abschiebungen "optimieren". Ihr neuer Arbeitsplatz: Nürnberg, 180 Kilometer von Kollnburg entfernt.

Schmid spricht von einem "mobilen Arbeitsplatz", weil sie auch in Chemnitz, Karlsruhe oder Gießen unterwegs war. In Kollnburg wussten sie das. Was sie angeblich nicht wussten: Dass ihre Bürgermeisterin inzwischen in Bremen arbeitet. Zwischen Bremen und Kollnburg liegen mehr als 700 Kilometer. Das ist dann doch ein bisschen weit weg, finden einige Kollnburger Gemeinderäte - und machen jetzt Stimmung gegen Schmid.

Neuerdings arbeitet Schmid in Bremen

In Bremen soll Schmid bereits mehrere Monate tätig sein - offenbar als Nachfolgerin jener Bamf-Außenstellenleiterin, die zwischen 2013 und 2017 bis zu 2000 Asylanträge ohne Rechtsgrundlage bewilligt haben soll. Die Frau ist mittlerweile suspendiert, die Staatsanwaltschaft ermittelt. Intern aufklären soll den Skandal nun offenbar die neue Bremer Bamf-Chefin: Josefa Schmid. "Wir haben uns gewundert, weil sie einfach nicht anwesend war" in den vergangenen Monaten, sagt Ludwig Saller (SPD), Zweiter Kollnburger Bürgermeister. Dass Schmid in Bremen arbeite, "hat sie uns nicht gesagt". Die Gemeinderäte seien der Meinung gewesen, sie sei immer noch in Deggendorf angestellt.

Tatsache ist, dass es keine Präsenzpflicht gibt für ehrenamtliche Bürgermeister. Und natürlich darf eine ehrenamtliche Bürgermeisterin neben ihrem Rathausjob normal arbeiten gehen. Aber kann es funktionieren, dass eine Frau mit Büro in Bremen nebenbei eine 3000-Seelen-Gemeinde im Bayerwald managt? Das fragen sich jetzt einige in Kollnburg. Und haben so ihre Zweifel. Schon jetzt gebe es "ein paar Baustellen", sagt Saller, der Breitbandausbau etwa, da gehe nichts voran, wenn die Bürgermeisterin nicht da sei.

Immer wieder gibt es Beschwerden

Nach eigener Aussage arbeitet Schmid bis zu 60 Stunden pro Woche für ihre Gemeinde. Rechne man da eine 40-Stunden-Woche im Bamf dazu, "frage ich mich, wie das gehen soll. Dann noch nach Bremen rauf- und wieder runterfahren und schlafen muss sie ja auch noch", sagt ein Gemeinderat der CSU. Dass das nicht funktioniere, hätten die vergangenen Monate gezeigt.

In der Verwaltung habe es immer wieder Beschwerden über Schmids Abwesenheit gegeben, sagt auch Ludwig Saller. Aus der CSU-Fraktion heißt es: "Entweder sie setzt eine Vertretung ein oder wir reichen eine Dienstaufsichtsbeschwerde ein." Will man Schmid absägen? Am Freitag werden sich die Kollnburger Gemeinderäte zusammensetzen und beraten, wie es weitergeht, zunächst ohne Josefa Schmid. "Wenn sie dabei ist, kann ja keiner ausreden", sagt Saller über die Frau, die so gern und viel redet - und plötzlich nichts mehr sagen will.

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