Bayerischer Wald Jäger jagt Luchsmörder

Luchsin Tessa wurde vergiftet - doch ein Täter konnte bislang nicht ermittelt werden. Jetzt soll ausgerechnet ein Polizist die Tat aufklären, der selbst Jäger ist. Die gelten im Bayerischen Wald nicht gerade als Befürworter des Luchsprojektes.

Von Christian Sebald

Noch ist unklar, wer die Luchsin Tessa vergiftet hat, doch im Bayerischen Wald schlagen die Wogen hoch. Der Grund: Der Polizist, der den oder die Täter ermitteln soll, ist ausgerechnet der bisherige Vize-Chef des örtlichen Jagdverbands. Und da allgemein gemutmaßt wird, dass als Täter nur ein Jäger oder Landwirt in Frage kommt, glauben viele nicht so recht an eine Aufklärung der Straftat, wenn ein Funktionär des Jagdverbands mit ihrer Verfolgung beauftragt wird.

Mitte März wurde die tote Luchsin Tessa im Bayerischen Wald gefunden. Sie wurde vergiftet.

(Foto: dpa)

Die Jägerschaft in Regen wehrt sich gegen jede Zusammenarbeit mit dem Luchsprojekt", sagt Wolfgang Kornder vom Ökologischen Jagdverein (ÖJV), der Gegenspieler des traditionalistischen Jagdverbands ist. "Ein unbefangener Beamter muss die Ermittlungen übernehmen."

Der Kadaver der Luchsin war Mitte März nahe Rinchnach gefunden worden. Das dreijährige Weibchen hatte von einem toten Reh gefressen, das ein Unbekannter mit dem verbotenen Insektengift Carbofuran präpariert hatte. Luchse stehen unter strengstem Artenschutz. Tessas Tötung ist eine Straftat, die mit bis zu fünf Jahren Freiheitsentzug bestraft wird. Wo das Junge der Luchsin abgeblieben ist, ist unklar. Fachleute glauben, dass es ebenfalls tot ist.

Derweil weist der Polizist die Vorwürfe zurück, er könne die Ermittlungen nicht mit der gebotenen Neutralität führen. "Ich habe Beruf und Ehrenamt stets strikt getrennt", sagt er. "Daher habe ich beim ersten Lautwerden der Vorwürfe meinen Vizevorsitz der Jägerschaft niedergelegt." Auch die Staatsanwaltschaft Deggendorf hat keine Bedenken. "Der Beamte hat sofort auf sein Ehrenamt hingewiesen", sagt ein Sprecher. Der ÖJV hat die Prämie für Hinweise auf den Täter auf 18.000 Euro erhöht.