Bayerischer Wald Warum viele Waldbauern schlecht auf Luchse zu sprechen sind

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung zählt der Verdächtige zu dem kleinen Kreis alteingesessener Waldbauern im Lamer Winkel, die im Bereich zwischen Osser und Arber Forste mit zum Teil etlichen hundert Hektar Fläche besitzen. So weitläufig sind diese Wälder, dass ihre Besitzer in ihnen kommerzielle Jagden zum Beispiel für Jäger aus der Stadt anbieten können. Diese sind besonders auf Rehböcke aus. Rehwild ist aber auch die bevorzugte Beute von Luchsen. Deshalb sind viele Waldbauern im Lamer Winkel schlecht auf die Luchse in ihrer Region zu sprechen. Experten wie der Raubtier-Fachmann Ulrich Wotschikowsky vermuten schon lange, dass der oder die Luchs-Wilderer im Kreis dieser Waldbauern anzutreffen sind.

Der Verdächtige selbst ist nicht zu sprechen. Egal wie oft man bei ihm anruft, er geht nicht ans Telefon. Auch in seinem Umfeld will man sich möglichst wenig äußern. Bruno Ebner, Rechtsanwalt und Chef der Jäger in der Region, will nicht einmal bestätigen, dass der Verdächtige Mitglied im Bayerischen Jagdverband ist. Dabei prüfen sie in dessen Münchner Zentrale bereits den Ausschluss des Mannes, für den Fall, dass sich der Verdacht gegen ihn erhärtet. Außerdem werde man dann darauf hinwirken, dass dem Mann der Jagdschein entzogen wird, sagt Jägerpräsident Jürgen Vocke, der tief verärgert ist. "Wir dulden keine Straftaten gegen geschützte Tiere."

Warum die Überführung des Wilderers so wichtig wäre

Otto Frisch gibt sich ebenfalls sehr wortkarg - zumindest zunächst. Der Forstwirt und Jäger, dem oberhalb der Gemeinde Lam sehr viel Wald gehört, hatte im Sommer 2015 großes Verständnis dafür geäußert, dass der Luchs bei seinen Kollegen wenig angesehen ist, weil er ihnen angeblich das ganzen Rehwild wegfrisst. Das brachte Frisch damals jede Menge Kritik ein. "Ich will nichts mehr zu tun haben mit der ganzen Sache", sagt er jetzt am Telefon. "Ich habe keine Lust, wieder durch den Kakao gezogen zu werden." Dann bricht es doch aus ihm heraus. "Hoffentlich kann man ihm nichts beweisen", sagt er über den Verdächtigen, "sonst ist hier der Teufel los, mit den g'spinnerten Naturschützern." Dann beendet er das Telefonat.

In der Naturschutz-Szene ist die Hoffnung groß, dass der Verdächtige überführt werden kann. Denn damit wäre es zum ersten Mal überhaupt gelungen, eine Luchs-Wilderei im Bayerischen Wald aufzuklären. Das hätte nicht nur Konsequenzen für den Verdächtigen, sondern auch für mögliche andere Wilderer. "Denn es ist ja nicht nur einer, der hier etwas gegen Luchs hat", sagt ein einheimischer Naturschützer, der die Waldbauern-Szene gut kennt und deshalb anonym bleiben will, "sondern es sind viele."

Der Grund der Hoffnung: Unter den Gegenständen, die bei dem Verdächtigen sichergestellt worden sind, befinden sich nicht nur Schusswaffen. Die Ermittler haben in dem Haus auch Körperteile von getöteten Luchsen entdeckt und beschlagnahmt. Es handelt sich um Ohren und Klauen. Dazu muss man wissen, dass die markanten Pinselohren des Luchses beliebte Trophäen bei Jägern sind. Das Kalkül der Naturschützer: Mit einem Gen-Test müsste sich abgleichen lassen, ob die Ohren und Klauen von Leon oder Leonie stammen. Wenn ja, wäre der Verdächtige überführt.

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