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Bayerischer Wald:Dem Luchs-Wilderer auf der Spur

Luchs

Der Bayerische Wald ist die einzige Region im Freistaat, in der seit vielen Jahren eine kleine Zahl Luchse lebt.

(Foto: dpa)
  • Der Bayerische Wald ist die einzige Region im Freistaat, in der seit vielen Jahren eine kleine Zahl Luchse lebt. Doch in dem Gebiet kommt es immer wieder Wildereien.
  • Bei der Tötung der beiden Tiere Leonie und Leon 2015 ging der Täter besonders makaber vor. Er trennte den Kadavern der Raubkatzen die Vorderläufe ab und legte sie vor das Wohnhaus zweier Luchs-Experten.
  • Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Regensburg den Mann identifiziert, der die Tiere gewildert haben soll.

Es sind gruselige Szenen aus dem Bayerischen Wald: Ein Mann hantiert mit einem großkalibrigen Gewehr. Währenddessen berichtet eine Stimme aus dem Off, dass der Mann offen erzählt, er habe hier schon mehrere Luchse erschossen. Die Kadaver habe er vergraben. Dann steckt der Mann einen Schalldämpfer auf sein Gewehr. Das Gerät mache den Schuss fast lautlos. Zum Beweis feuert er die Waffe ab. Wenig später zeigt der Mann eine spezielle Falle. Die Luchse, die er in ihr fange, erschieße er. Ein Luchs habe ihm in dem Käfig die Zähne gezeigt, aber das habe dem Raubtier nichts genutzt.

Die Szenen stammen aus der Dokumentation "Tiere im Visier - Hinterhalt im Luchsrevier" des Bayerischen Fernsehens. Ein Privatermittler hatte mit einer versteckten Kamera an einem Jagdwochenende teilgenommen, an dem sich der Mann, der im Film unkenntlich gemacht ist, offen als Luchs-Wilderer präsentiert. Man kann allenfalls sehen, dass er einen Pullover aus schmutzig-grünem Faserpelz anhat, wie ihn Jäger und Forstleute gerne tragen.

Dass Luche streng geschützt sind, scheint dem Wilderer egal

Die Staatsanwaltschaft Regensburg hat den Mann identifiziert. Für sie steht er unter dem Verdacht, im Frühjahr 2015 im Bayerischen Wald die beiden Luchse Leonie und Leon gewildert zu haben. Vor eineinhalb Wochen haben Ermittler das Anwesen des Mannes im Lamer Winkel durchsucht. Dabei beschlagnahmten sie Schusswaffen, aber auch andere Gegenstände.

Die Tötung von Leonie und Leon hatte im Frühjahr 2015 immenses Aufsehen erregt. Der Bayerische Wald ist die einzige Region im Freistaat, in der seit vielen Jahren eine kleine Zahl Luchse lebt. Einem oder mehreren Wilderern in der Region passt es offenkundig nicht, dass die Raubkatzen durch die dunklen Wälder zwischen Osser und Arber, aber auch im Nationalpark umherstreifen. Seit Jahren werden immer wieder welche gewildert. Noch mehr Luchse verschwinden spurlos. So zahlreich sind die Verluste, dass die Region um den Arber "Bermudadreieck für Luchse" heißt. Dass Luchse streng geschützt und Luchs-Tötungen Straftaten sind, ist dem oder den Wilderern offenkundig egal.

Bei Leonie und Leon ging der Täter besonders makaber vor. Er trennte den Kadavern der Raubkatzen die Vorderläufe ab und legte sie nahe dem Wohnhaus von Manfred und Sibylle Wölfl ab, so dass sie dort gefunden werden mussten. Das Ehepaar Wölfl zählt zu den namhaftesten Luchs-Experten in Bayern, es setzt sich seit Jahren für die Wiederansiedlung der Raubkatzen im Freistaat ein. Viele fassten die Tötung von Leonie und Leon deshalb als offene Kampfansage gegen die Wölfls und die Rückkehr der Luchse nach Bayern auf. So groß war die Empörung in der Naturschutz-Szene, dass Umweltministerin Ulrike Scharf 10 000 Euro Belohnung für Hinweise auf den Täter aussetzte.

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Offiziell ist über den Verdächtigen bisher wenig bekannt. Die Staatsanwaltschaft Regensburg hat nur bestätigt, dass er mit seiner Familie in einem kleinen Ortsteil der Gemeinde Lohberg lebt und Jäger ist. "Die Ermittlungen gestalten sich schwierig", sagt der Sprecher der Regensburger Staatsanwaltschaft, Theo Ziegler. "Ein Grund dafür ist, dass der Verdächtige bisher keinerlei Angaben zu den Vorwürfen macht." Die Auswertung der Schusswaffen und anderen Gegenstände aus seinem Haus werde sicher noch einige Wochen in Anspruch nehmen.

Warum viele Waldbauern schlecht auf Luchse zu sprechen sind

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung zählt der Verdächtige zu dem kleinen Kreis alteingesessener Waldbauern im Lamer Winkel, die im Bereich zwischen Osser und Arber Forste mit zum Teil etlichen hundert Hektar Fläche besitzen. So weitläufig sind diese Wälder, dass ihre Besitzer in ihnen kommerzielle Jagden zum Beispiel für Jäger aus der Stadt anbieten können. Diese sind besonders auf Rehböcke aus. Rehwild ist aber auch die bevorzugte Beute von Luchsen. Deshalb sind viele Waldbauern im Lamer Winkel schlecht auf die Luchse in ihrer Region zu sprechen. Experten wie der Raubtier-Fachmann Ulrich Wotschikowsky vermuten schon lange, dass der oder die Luchs-Wilderer im Kreis dieser Waldbauern anzutreffen sind.

Der Verdächtige selbst ist nicht zu sprechen. Egal wie oft man bei ihm anruft, er geht nicht ans Telefon. Auch in seinem Umfeld will man sich möglichst wenig äußern. Bruno Ebner, Rechtsanwalt und Chef der Jäger in der Region, will nicht einmal bestätigen, dass der Verdächtige Mitglied im Bayerischen Jagdverband ist. Dabei prüfen sie in dessen Münchner Zentrale bereits den Ausschluss des Mannes, für den Fall, dass sich der Verdacht gegen ihn erhärtet. Außerdem werde man dann darauf hinwirken, dass dem Mann der Jagdschein entzogen wird, sagt Jägerpräsident Jürgen Vocke, der tief verärgert ist. "Wir dulden keine Straftaten gegen geschützte Tiere."

Warum die Überführung des Wilderers so wichtig wäre

Otto Frisch gibt sich ebenfalls sehr wortkarg - zumindest zunächst. Der Forstwirt und Jäger, dem oberhalb der Gemeinde Lam sehr viel Wald gehört, hatte im Sommer 2015 großes Verständnis dafür geäußert, dass der Luchs bei seinen Kollegen wenig angesehen ist, weil er ihnen angeblich das ganzen Rehwild wegfrisst. Das brachte Frisch damals jede Menge Kritik ein. "Ich will nichts mehr zu tun haben mit der ganzen Sache", sagt er jetzt am Telefon. "Ich habe keine Lust, wieder durch den Kakao gezogen zu werden." Dann bricht es doch aus ihm heraus. "Hoffentlich kann man ihm nichts beweisen", sagt er über den Verdächtigen, "sonst ist hier der Teufel los, mit den g'spinnerten Naturschützern." Dann beendet er das Telefonat.

In der Naturschutz-Szene ist die Hoffnung groß, dass der Verdächtige überführt werden kann. Denn damit wäre es zum ersten Mal überhaupt gelungen, eine Luchs-Wilderei im Bayerischen Wald aufzuklären. Das hätte nicht nur Konsequenzen für den Verdächtigen, sondern auch für mögliche andere Wilderer. "Denn es ist ja nicht nur einer, der hier etwas gegen Luchs hat", sagt ein einheimischer Naturschützer, der die Waldbauern-Szene gut kennt und deshalb anonym bleiben will, "sondern es sind viele."

Der Grund der Hoffnung: Unter den Gegenständen, die bei dem Verdächtigen sichergestellt worden sind, befinden sich nicht nur Schusswaffen. Die Ermittler haben in dem Haus auch Körperteile von getöteten Luchsen entdeckt und beschlagnahmt. Es handelt sich um Ohren und Klauen. Dazu muss man wissen, dass die markanten Pinselohren des Luchses beliebte Trophäen bei Jägern sind. Das Kalkül der Naturschützer: Mit einem Gen-Test müsste sich abgleichen lassen, ob die Ohren und Klauen von Leon oder Leonie stammen. Wenn ja, wäre der Verdächtige überführt.

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