Bayerischer Nostradamus Der Mühlhiasl - ein falscher Prophet?

Das Grundproblem aller Mühlhiasl-Aussagen ist ihre Authentizität. Zum einen sind sie nur mündlich überliefert, zum anderen sind sie gefiltert durch die ohnehin mystisch und abergläubisch angehauchte Lebensweise der früheren Bayerwäldler.

Der Pfarrer Johann Evangelist Landstorfer verlieh dem Mühlhiasl in einem Beitrag vom 28.Februar 1923 im Straubinger Tagblatt in der Person des Matthias Lang erstmals eine Identität. Leider passt dessen Lebensbild nicht so recht mit den mündlichen Überlieferungen zusammen.

Gall vermutet, der Mühlhiasl habe nicht Matthias, sondern Johann Lang geheißen. Über dessen Tod existiert im Kirchenbuch der Pfarrei Hunderdorf immerhin ein Eintrag vom Juli 1825. Andere wiederum glauben, der Mühlhiasl sei gleichzusetzen mit der Figur des Waldhirten Stormberger aus Rabenstein, dessen Aussagen jenen des Mühlhiasl frappierend ähnlich sind.

Brennende Städte

Weitgehend Einigkeit herrscht darüber, dass manche Weissagungen, weil sie für die Leute unverständlich waren, in Vergessenheit gerieten, andere Sprüche aber dem Mühlhiasl untergeschoben wurden. Gall verweist auf die brennenden Städte nach den Bombenabwürfen der Alliierten.

Als Kinder habe er damals immer wieder den Spruch gehört: "Das hat der Mühlhiasl schon prophezeit: Wenn es Feuer vom Himmel regnet, dann ist es nimmer weit hin." Es ist leicht zu erkennen, dass der erste Satzteil eine Anleihe aus der Bibel ist.

Da der Name Mühlhiasl in keinem Dokument auftaucht, werden die Spekulationen wohl munter weitergehen. Für Gall steht fest: "Der Mühlhiasl war kein Prophet, sondern ein kritischer Kommentator des Zeitgeschehens."

Er selber soll gesagt haben: "Ich komm euch als Toter noch aus!" Wie es heißt, soll der Sarg des Mühlhiasl nach einem Deichselbruch vom Leichenwagen gefallen sein. Dabei habe sich der Deckel geöffnet und sein steifer Arm habe zum Himmel gezeigt.