Süddeutsche Zeitung

Bayerischer Liedermacher Keller Steff:Von Flaschendeifen und Modorsogn

Lesezeit: 3 min

Keller Steff singt in tiefem Bairisch vom Leben auf dem Land - und hat damit Erfolg. Der Musiker erzählt, warum er nur im Dialekt singt, was einen echten Chiemgauer ausmacht und wie er sich mit Norddeutschen verständigt.

Lisa Sonnabend

Keller Steff, mit bürgerlichem Namen Steff Keller, hat eben sein zweites Album herausgebracht. Auf "Narrisch" finden sich Lieder, die Titel wie "Rausch kobt" oder "Modorsog" tragen und in tiefem Bairisch vom Leben auf dem Land erzählen. Der 32-jährige aus Übersee am Chiemsee spricht mit sueddeutsche.de darüber, warum er nur im Dialekt singt, was einen echten Chiemgauer ausmacht und wie er sich mit Norddeutschen verständigt.

sueddeutsche.de: Keller Steff, Sprechen Sie Hochdeutsch?

Keller Steff: Nein, das kann ich nicht so gut. Wenn ich etwas auf Hochdeutsch erklären muss, gibt das immer eine Katastrophe und ein Riesenmissverständnis.

sueddeutsche.de: Wie verständigen Sie sich dann mit Nichtbayern?

Keller Steff: Mein Englisch ist auch grottenschlecht. Aber ich habe ja noch Hände und Füße. Irgendwie schaffe ich das dann schon und bringe es hin, dass mich jeder einigermaßen versteht.

sueddeutsche.de: Was ist das Schöne am Dialekt?

Keller Steff: Man kann sich einfach viel besser ausdrücken in der Sprache, in der man aufgewachsen ist. Die Wörter oder Sätze, die andere nicht verstehen, erkläre ich immer gerne. Wenn ich bei einem Konzert singe oder meine Lieder anmoderiere, kommen immer wieder Zwischenrufe aus dem Publikum: Stopp, Keller Steff, das versteh ich nicht. Das kommt bei Wörtern wie Flaschendeife oder Modorsog (Flaschenteufel und Motorsäge, Anmerkung der Redaktion) vor.

sueddeutsche.de: Sie haben in Ihrem Leben schon alles Mögliche gemacht. Sie haben als Marionettenschnitzer oder Pistenraupenfahrer gearbeitet. Warum sind Sie Musiker geworden?

Keller Steff: Früher habe ich in einer Bluesband Mundharmonika gespielt. Vor drei Jahren ging es dann so langsam richtig los. Ich trat auf einer Liedermacherbühne, dann war einmal wieder ein halbes Jahr nichts. Die Jobs habe ich weiter nebenbei gemacht, um Geld zu verdienen. Und jetzt plötzlich starten wir ganz schön durch.

sueddeutsche.de: Warum kommt Ihre Musik gut an?

Keller Steff: Es liegt sicherlich an den Texten, die vom Aufwachsen auf dem Land handeln. Und da erlebt man nun einmal viel. Viele können sich spiegeln in dem, was ich erzähle. Die denken sich dann: Genau so wie beim Keller Steff war das bei mir auch, genau das hat auch mich immer gefuchst. Der Erfolg liegt aber sicherlich auch an den Musikern, die mit mir auf der Bühne stehen.

sueddeutsche.de: Warum?

Keller Steff: Sie sind gute Freunde von mir und alles richtige Charaktere. Jeder kommt aus einer ganz anderen Berufssparte, jeder ist ein ganz eigener Typ. Der Schlagzeuger Chris ist Profimusiker, Bassist Gerhart ist eigentlich Lehrer und der Franzi, den ich schon seit der Schulzeit kenne, ist Bauer. Wir genießen das, was passiert, und lassen es laufen.

sueddeutsche.de: Was macht denn einen echten Chiemgauer aus?

Keller Steff: Ein Chiemgauer meint immer: So wie er denkt, ticken auch die anderen - dadurch bekommt er immer Probleme, die er jedoch am Ende immer irgendwie löst. Ich habe einmal, das ist allerdings schon eine Zeitlang her, von meinem VW Käfer das Dach herausgeschnitten, weil mich alle meine Freunde ausgelacht haben, dass ich kein Cabrio besitze. Ich dachte, das geht schon so, ein bisschen Naivität gehört eben dazu. Außerdem bin ich davon ausgegangen, dass mein Vater darin auch keine Probleme sieht. Als ich heimkam, war jedoch die Katastrophe beieinander.

sueddeutsche.de: Haben Sie schon einmal überlegt, nach München oder in eine andere Großstadt zu ziehen?

Keller Steff: In der Stadt wohnen ist nichts für mich. Wenn man auf dem Land aufgewachsen ist, tut man sich in der Stadt einfach schwer. Am Chiemsee zu wohnen, ist dagegen Wahnsinn. Du fährst mit dem Radl - in fünf Minuten bist du beim See unten und in sieben Minuten an der Tiroler Ache. Fährst du eine viertel Stunde, kannst du den nächsten Berg hinauf krabbeln. Das tut einfach gut. Aber vielleicht ziehe ich eines Tages nach München, denn dann würde ich sicherlich Stoff für neue Songs bekommen. Die Texte wären andere, aber der Musikstil wäre immer noch der gleiche: Blues und Folk - denn das habe ich von meinem Papa mitbekommen.

sueddeutsche.de: Wo ist es im Chiemgau am schönsten?

Keller Steff: Auf einem Ruderboot draußen auf dem See - das ist ein guter Platz. Man hat einen tollen Rundumblick auf die Berge. Außerdem muss man nichts sagen und nichts denken, weil man ja ganz allein auf dem Boot sitzt. Ich schippere dann um die Insel rum, kaufe mir ein Schnitzel und rudere wieder heim. Das hat nicht jeder!

Am 22. Juli tritt der Keller Steff im Tierpark Hellabrunn auf (ab 20 Uhr live im Bayerischen Rundfunk). Informationen zu weiteren Auftritten hier.

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