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31. Bayerischer Fernsehpreis:"Ein Herz und eine Seele"

Fritz Wepper und sein Bruder Elmar Wepper

Die vielleicht bekanntesten Schauspielbrüder des Landes: Elmar und Fritz Wepper (rechts), hier bei der Verleihung des Karl-Valentin-Ordens 2004 in München.

(Foto: Volker Dornberger/dpa)

Elmar Wepper und Fritz Wepper werden beim 31. Bayerischen Fernsehpreis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Wie ist das, wenn man über Jahrzehnte einen genauso erfolgreichen und bekannten Bruder in der gleichen Branche an der Seite hat?

Wer sich in einem zerbombten Kinderzimmer verträgt, der schafft das auch auf dem roten Teppich. Fritz und Elmar Wepper, 77 und 75 Jahre alt, Brüder, Schauspieler, Ehrenpreisträger beim Bayerischen Fernsehpreis am Freitag, stehen seit Jahrzehnten in der Öffentlichkeit und vor der Kamera. Es gibt Darsteller, die sich durch mediale Aufmerksamkeit verändern, oft nicht zum Guten. Es gibt Geschwister, die sich durch den Erfolg des Bruders oder der Schwester verändern, oft nicht zum Guten. Und wie machen das dann Fritz und Elmar Wepper, die vielleicht bekanntesten Schauspielbrüder des Landes?

Dass sie beide sagen, wie gut sie sich verstehen, ist dabei kein wirklicher Hinweis, ob das auch stimmt. In der Filmbranche ist ausschließlich immer von der Film-Familie die Rede, in der sich alle so wahnsinnig gut verstehen, man sich nichts neidet und auch sonst einfach nur "wunderbare Kollegen" hat. Oft ist das Gegenteil der Fall.

Fritz und Elmar Wepper haben immer wieder über ihre Beziehung gesprochen und betont, wie eng diese ist. Zuletzt sagte Elmar Wepper: "Mein Bruder und ich, wir sind ja ein Herz und eine Seele, waren das schon immer." Auch wenn sie sich als Kinder mal gestritten und gekloppt haben. Wirklich? Um eine Ahnung zu bekommen, wie die Brüder einander sehen, muss man deshalb wohl zurück zu besagtem Kinderzimmer, das in München Neuhausen stand nach dem Krieg und ein Loch zum Treppenhaus hin hatte. Die Brüder wuchsen ohne Vater auf, der nicht aus dem Krieg zurückkam, und waren, so erinnert sich Fritz Wepper, "Spielkinder, von früh bis spät".

Ein Besuch im Marionettentheater an der Blumenstraße wurde zur Grundlage für die spätere Berufswahl der beiden. Fritz Wepper war derart fasziniert danach, dass er mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder in der Wohnung ein Kasperletheater aufbaute, "und los ging's". Sie spielten, von früh bis spät eben, und als die Mutter einmal ihr Theaterabo nicht wahrnehmen konnte, ging stattdessen Fritz Wepper war anschließend noch faszinierter. Natürlich sagte er zu, als er in der Schule gefragt wurde, bei einem Kindercasting mitzumachen.

Mit neun spielte Fritz Wepper in Kindersendungen des BR, mit 18 in "Die Brücke", da war Bruder Elmar längst auch von der Schauspielerei angetan. Er stand mit 14 das erste Mal auf der Bühne. Beruflich folgte der Jüngere dem Älteren kontinuierlich nach. Als Fritz Wepper in seiner späteren Paraderolle als Harry Klein bei "Derrick" einstieg, übernahm Elmar Wepper Fritz' Rolle in der Serie "Kommissar", ehe er 1976 als Polizist Heinl in der "Polizei Inspektion I" auffiel.

Der Ältere wurde zur Serienmarke, der jüngere ebenso, spätestens als knurriger Sepp in der Serie "Irgendwie und Sowieso" von Franz Xaver Bogner im Jahr 1986. Noch heute werden die Folgen regelmäßig wiederholt, werden Sequenzen aus der Serie regelmäßig zitiert, weil sie manches unnachahmlich und bayerisch knackig auf den Punkt bringen. Und Elmar Wepper als Sepp war als wortkarger Automechaniker unangefochtener Großmeister des Ein-Satz-Fazits. Nach der fulminanten Zerstörung eines Reisebusses, der mit 80 Stundenkilometern durch eine zu kleine Unterführung rast, meint er beim Betrachten der beeindruckenden Karambolage nur: "Konn ja ned geh." Oder als die Spezl-Crew zum Serienende auf einmal flügge wird, antwortet der Sepp auf den Satz "Wir fahr'n nach Indien" nur mit einem "Wann?".

Elmar und Fritz Wepper, der ruhige und der laute Darsteller, keine Konkurrenz? Eher nicht. Zum einen war der Ältere Wegbereiter des Jüngeren und schon erfolgreich, als der andere noch studierte, zum anderen sind die beiden einfach zu unterschiedlich, als dass sie sich zu sehr in die Quere kommen könnten. Elmar Wepper, der eher nachdenkliche, ruhige und oft vertrackte Charaktere spielt auf der einen Seite, war im Laufe der Jahre mehr im Kino zu sehen als Bruder Fritz Wepper. Mit "Kirschblüten Hanami" von Regisseurin Doris Dörrie gelang ihm eine umjubelte Rolle. Zu der Zeit war Fritz Wepper mit Harry Klein und seiner Dauerrolle in "Um Himmels Willen" längst schon eine Art Dauerkult.

Fritz Wepper macht komödiantische, Elmar Wepper mehr nachdenkliche Familienunterhaltung. Und privat? Ist Fritz Wepper auch eher laut. Beziehungen, Trennungen, ein uneheliches Kind, gesundheitliche Probleme, all das taucht immer mal in Boulevard-Magazinen auf. Während Elmar Wepper nur auf der Leinwand auffällt. Zuletzt war er in "Grüner wird's nicht" ein sinnsuchender Rentner mit Fernsucht im Flugzeug. Mittlerweile spielen die beiden Brüder nicht mehr zusammen, auch nicht vor der Kamera wie in der Serie "Zwei Brüder" aus dem Jahr 1994. Wenn sie sich lange nicht gesehen haben, gibt es das Angelritual. Die beiden treffen sich zum Fliegenfischen. Gleiche Hobbys, gleicher Beruf, gleiche Preise. Bambis, Deutscher Fernsehpreis oder Bayerischer Filmpreis - haben sie beide. Und nun eben auch den Ehrenpreis des Bayerischen Fernsehpreises.