Artenschutz:Bartgeier Wiggerl und Vinzenz ausgewildert

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Ministerpräsident Markus Söder präsentiert vor der Auswilderung von zwei jungen Bartgeiern an der Nationalpark-Informationsstelle den Namen "Wiggerl" für eins der Bartgeiermännchen (links). Der andere Vogel heißt Vinzenz. (Foto: dpa)

Wieder sind junge Bartgeier im Nationalpark Berchtesgaden eingezogen. Zur Taufe reiste eigens der Ministerpräsident an. Erste Mahlzeit der Geier in der neuen Heimat: Reh.

Zuwachs bei den Bartgeiern: Im Nationalpark Berchtesgaden sind zum vierten Mal seit 2021 zwei Jungtiere ausgewildert worden. Erstmals zogen am Mittwoch zwei junge Männchen mit den Namen Wiggerl und Vinzenz in der Felsnische im Klausbachtal ein, von der aus schon ihre Artgenossen in den Vorjahren erste Rundflüge unternommen hatten. Mitarbeiter des bayerischen Naturschutzverbandes LBV und des Nationalparks schleppten die knapp drei Monate alten und rund sechs Kilogramm schweren Tiere in Kraxen über gut 500 Höhenmeter zu dem bewährten Quartier auf rund 1300 Metern Höhe. Von dort aus werden sie voraussichtlich in etwa vier Wochen ihre Flugversuche starten.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) reiste eigens an, um die Namen der beiden zu verkünden: Vinzenz ist benannt nach dem Ortsheiligen von Ramsau. Wiggerl ist die Koseform für Ludwig, der Name des bayerischen Märchenkönigs. Wiggerl stammt allerdings keineswegs aus Bayern, sondern aus einem Zuchtprogramm in Finnland. Vinzenz kommt aus Österreich. „Die Taufe von Wiggerl und Vinzenz war ein ganz besonderer Moment der Freude und Demut“, schrieb Söder auf der Plattform X. „#Bartgeier sind faszinierende Tiere.“ Die Auswilderung sei ein einzigartiges Naturschutzprojekt. „#Die Bewahrung der Schöpfung und der #Artenschutz sind unsere Verpflichtung.“

Die ersten ausgewilderten Geier – Bavaria und Wally – kamen 2021 aus Spanien, ebenso ihre Nachfolgerinnen Dagmar und Recka: Dagmar ist die Cousine von Bavaria und Recka die Schwester von Wally, die als einziges Tier nicht überlebte. Sie wurde von einem Stein erschlagen. Sisi und Nepomuk – das erste Männchen – kamen 2023 aus Österreich dazu. Es sei gut, nun ein Tier aus Finnland zu haben, um Inzucht zu vermeiden, sagte der LBV-Bartgeierexperte Toni Wegscheider.

Die Neuen seien mit sechs Kilogramm Gewicht fast schon Riesenbabys. Sonst wiegen drei Monate alte Tiere eher fünf Kilogramm. Sie bekommen noch Kindernahrung: nicht verwertbares Fleisch von erlegten Tieren, vor allem von Gämsen. Erste Mahlzeit nach der anstrengenden Reise: Fleisch an Rehknochen, das die Helfer in der Nähe der Nische platzierten. Erst in einigen Monaten fressen die Tiere fast nur noch Knochen.

Fans können die Jungtiere über eine Webcam live beobachten. Zudem tragen die Vögel GPS-Sender, um später ihre Flüge verfolgen zu können. Mit diesem und anderen Auswilderungsprojekten soll die zentraleuropäische Population der Greifvögel gestärkt werden. „Wir wollen so lange auswildern, bis die Tiere selbständig brüten“, sagte Wegscheider. „Die Projektvögel können auf ihren Flügen durch den europäischen Alpenraum auch andere wildlebende Bartgeier kennenlernen und sich mit ihnen verpaaren“, sagte der Nationalpark-Projektleiter Ulrich Brendel. Die Tiere seien mit fünf bis sieben Jahren geschlechtsreif. „Vor 2030 rechnen wir deshalb noch nicht mit Bruterfolg in den deutschen Alpen.“

Die Geier zählen mit einer Spannweite bis zu 2,90 Metern zu den größten flugfähigen Vögeln der Welt. Sie waren vor mehr als 100 Jahren ausgerottet. 1879 war laut Wegscheider der letzte Vogel auf deutschem Boden geschossen worden – am Hintersee bei Ramsau, nur etwa einen Kilometer von der Stelle entfernt, wo nun die jungen Vögel ausgesetzt wurden. Früher habe man die Tiere für gefährlich gehalten und angenommen, dass sie Lämmer in den Abgrund reißen. Tatsächlich aber sind sie für Menschen und Tiere ungefährlich. Sie fressen nur Aas.

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Von Christian Sebald

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