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Bamberg:Die Mäntel sind nur wenig erforscht

Bisher sind die Gewänder noch wenig erforscht.

Über einem Stock drapiert wurden sie den Gläubigen präsentiert, zum letzten Mal bei einer sogenannten Reliquienweisung 1509. Danach wurden sie nur noch besonderen Gästen auf Wunsch gezeigt und im Domschatz verwahrt. Als die Säkularisation auch die fränkischen Schatzkammern leer räumte, wurden die Mäntel zunächst nach München gebracht, fanden aber ihren Weg wieder zurück. Im Gegensatz zu den Kaiserkronen, die heute noch in der Münchner Residenz verwahrt werden. Ein wunder Punkt.

Es überrascht zunächst, dass die Mäntel zwar recht berühmt sind, weil sie die ältesten erhaltenen Gewänder europäischer Herrscher sind, aber offenbar so wenig erforscht, dass demnächst die Schildchen an den Vitrinen im Museum ausgetauscht werden müssen. Da steht etwa, dass der Kunigundenmantel in einer Werkstatt in Süddeutschland hergestellt worden sei, möglicherweise in Regensburg. Stimmt nicht, sagt Tanja Kohwagner-Nikolai, man wisse es schlicht nicht.

Die Arbeit lässt sich kaum zuordnen

Weil es nichts Vergleichbares gibt, ließe sich die Arbeit auch keiner Werkstatt zuordnen. Als die Gewänder zum bislang letzten Mal in den Fünfzigerjahren untersucht wurden, ging es vor allem um die Restaurierung, eine wegweisende Forschung wurde damals offenbar nicht betrieben. Oder wenigstens nicht dokumentiert. Von den weißen Flecken, den Vorzeichnungen, die die Wissenschaftler diesmal geradezu elektrisiert, war jedenfalls nichts bekannt. "Wir sind rangegangen, als wüssten wir nichts", sagt die Kunsthistorikerin und auch Professor Albrecht nennt die Untersuchung eine Grundlagenforschung.

Unter dem Mikroskop betrachten Kohwagner-Nikolai und Textilrestauratorin Sibylle Ruß jedes Detail, Naturwissenschaftlerin Ursula Drewello analysiert die Proben von Fäden und Stoff. Dieser interdisziplinäre Ansatz sei neu, sagt Albrecht.

Die Bamberger Forscher nähern sich den Kaisermänteln so, als wüssten sie von nichts.

(Foto: Pressestelle Erzbistum München)

Die Forscher haben schon viel herausgefunden

Schon jetzt, nach den ersten Wochen, hat Kohwagner-Nikolai viel Neues herausgefunden. Zum Beispiel, dass der blaue Kunigundenmantel wahrscheinlich das kostbarste der Gewänder ist. Aufwendiger und wertvoller als der Sternenmantel, "auch wenn der effektvoller ist", sagt sie. Hochwertigste Goldfäden wurden auf dem Kunigundenmantel in die Medaillons gestickt, die Weihnachts- und Adventsdarstellungen und Szenen aus dem Leben des Petrus zeigen.

Als im Mittelalter einige Stellen ausgebessert wurden, war der Goldfaden aus Nürnberg weniger hochwertig. Heute erscheint er grau, während die 1000 Jahre alte Stickerei immer noch golden schimmert. Die Handarbeit ist filigran und so fein, dass es geradezu besessen wirkt. Sogar die Wölfe, die am untersten Saum gerade Nero fressen, also dort, wo sie niemand von weitem sehen kann, haben kleine Muster aus gerollten Goldfäden im Fell. So betrachtet, erscheint ein 1000 Jahre alter Punkt schon irgendwie spektakulär.

© SZ vom 19.02.2016/vewo

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