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Faschingsartikel:"Bamberg ohne Schauer ist wie Bamberg ohne Dom"

Kunigunde Schauer verliert auch bei vier Etagen nicht den Überblick. Im Kaufhaus Schauer gibt es beinahe nichts, was es nicht gibt.

(Foto: Matthias Hoch)

Wieder schließt ein Traditionsgeschäft - diesmal "der Schauer" in Bamberg, wo es auf vier Etagen Faschingsartikel gibt. Offiziell ist mangelnder Brandschutz der Grund.

Im Zweifel muss der Fasching eine ernste Sache sein, zumindest ordentlich sollte es zugehen. Im Faschingskaufhaus Schauer in Bamberg, laut Eigenwerbung das größte in Süddeutschland, war das stets zu bestaunen. Auch wenn es auf einer Gesamtladenfläche von 4000 Quadratmetern auf vier Etagen fast nichts gibt, was es nicht gibt, wenn sich Kostüme, Masken, Accessoires und Lustigkeitsartikel aller Art stapeln und aneinanderreihen - Kunigunde Schauer hat immer den Überblick.

Ein Griff in ein Regal und das Gesuchte wird zutage gefördert. Ordnung zeigt sich freilich auch im Regiment, das die Chefin zuweilen führt. Kinder packen Perücken aus (obwohl Zettel das verbieten), nesteln dran herum, setzen sie gar auf? Da kann man sehen, wie Schauer ums Eck saust und die "Fregger" (fränkisch für Rotzgören) angemessen ausschimpft. Da geht der Spaß zu weit!

"Der Schauer" ist Kult in Bamberg, eine Institution. Beziehungsweise wird es bald gewesen sein. Just in den Faschingstagen kam die Nachricht, die in der Stadt Weh- und Missmut auslöst: Das Riesenspezialkaufhaus schließt Ende März. Weil Brandschutzauflagen in dem wuchtigen Kasernengebäude so viel Investitionen erfordern, dass die Familie die Nase voll hat, die Pappnase voll, mag man fast witzeln. "Der" Schauer ist übrigens nicht nur der Laden, sondern auch Peter Schauer. Anfang der Siebzigerjahre haben er und seine Gattin mit Kostümverkaufen angefangen, seit 1987 in dem Kasernenbau. "Kaufhaus der 5 Jahreszeiten" heißt das Geschäft, neben Fasching deckt es das ganze Jahr ab, auch Ostern, Grillpartys, Halloween und vor allem Weihnachten.

Doch nun ist Schluss. Die modernen Brandschutzstandards sind den Schauers zufolge, die das 70. Lebensjahr überschritten haben, der Grund. Behördenbegehungen hätten dies ergeben. Wobei der Fränkische Tag den Stadtbrandrat zitiert, der sich nichts in die Schuhe schieben lassen will: Die Mängel wären mit einem "relativ geringen Betrag und organisatorischen Änderungen zu beseitigen gewesen". Die Schauers erzählen das anders, Aussage gegen Aussage. Wohl wird Tochter Sonja an einem anderen Standort mit Faschingsbedarf weitermachen, nächste Saison - sicher nicht in dieser Dimension, aber mit Teilen des Sortiments. "Leerverkaufen wäre unmöglich", sagt Kunigunde Schauer. Bei Hunderttausenden Artikeln.

Der Schauer ist in Bamberg Stadtgespräch; auf Facebook herrscht Groll, dass wieder ein Stück Identität verloren gehe, das quasi den Einwohnern gehöre und nicht dem Tourismus diene. Viele wollen am Wochenende noch mal rein - zum Schnuppern oder wegen reduzierter Artikel. Kleid, Clownsmaske, Turban, Ritterrüstung und Ärztezubehör böten sich an. Ein Scherzartikel wie die Plastikfliege fürs Bierglas und eine penisförmige Puddingform. Oder eine Antiquität: im Schauer standen noch Politikermasken herum, die historisch sind, Genscher oder George Bush. Senior. Wobei das nicht heißt, dass das Ehepaar nicht am Puls der Zeit wäre. Beim letzten Besuch der SZ wollte Peter Schauer dem Reporter für "die Madla in der Redaktion" Rosen mitgeben. Deren Blüten waren gefaltete Unterhöschen. Dass das ein Fettnapf ist, merkte er aber rasch, "wegen dem Metoo, wiss' ma alles".

Kunigunde Schauer klingt zwiegespalten am Unsinnigen Donnerstag: Es sei ja schön, sich "ein bisschen zur Ruhe" zu setzen. Aber das Lebenswerk, das in 40 Jahren aufgebaut wurde, gebe sie auf, das sei traurig. Kunden hätten ihr gesagt: "Bamberg ohne Schauer ist wie Bamberg ohne Dom." Sie meint: "Na ja, ganz so schlimm isses jetzt auch nicht."

© SZ vom 21.02.2020
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