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Bamberg:Die Sache mit den romantischen Amphibienfahrten

Brose-Chef Michael Stoschek (v.re.) schippert zur Sandkerwa 2016 in Bamberg auf der Regnitz.

Im Wasser und im Fokus: Michael Stoschek (v.re.) schippert zur Sandkerwa 2016 auf der Regnitz.

(Foto: Nicolas Armer/dpa)

Ein reicher Unternehmer schippert in Bamberg gerne zur Sandkerwa mit seinem Amphibienfahrzeug auf der Regnitz. Das dürfen andere auch - zumindest in der Theorie.

Als der Ingenieur Bernhard Fischenich vor genau einem Jahr in der SZ gelesen hat, dass sich ausdrücklich jeder während der Bamberger Sandkerwa eine hübsche Fahrt auf der Regnitz im Amphibienfahrzeug genehmigen lassen kann - und eben nicht nur der berühmte Unternehmer Michael Stoschek -, da war sein erster Gedanke: Na wunderbar, dann mach' ich das doch einfach auch. Fischenich war mal Geschäftsführer eines großen Betriebs im unterfränkischen Ebern, vor allem aber ist er Sachverständiger für Kraftfahrzeuge aller Art - und ja, eben auch für Amphibienfahrzeuge. Ein passendes Fahrzeug hat Fischenich ebenfalls, warum also nicht?

Nun ist die Historie romantischer Amphibienfahrten während der Sandkerwa ein Dauerbrenner vergangener Jahre. Bamberger wissen sie in allen Verästelungen nachzuerzählen, die einen mit Gelächter, andere mit zornesrotem Gesicht, nicht wenige mit genervtem Kopfschütteln. Die Geschichte dieser Amphibienfahrten könnte mal eine schöne interdisziplinäre Magisterarbeit abgeben, eingereicht in den Fakultäten Rechts- und Verwaltungswissenschaften, Geschichte, Biologie und Chemie - und der (freilich erst zu gründenden) speziell oberfränkischen Disziplin der Stoschek-Wissenschaften.

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Letztere würde sich auch mit der Frage zu beschäftigen haben, was es genau ist, das den Vorsitzenden der Gesellschafterversammlung des Coburger und Bamberger (!) Weltkonzerns Brose im Leben antreibt. Hier wird man den Ergebnissen natürlich nicht vorgreifen, sondern lediglich konstatieren dürfen, dass der unbedingte Wille zur Amphibienfahrzeugfahrt während der Sandkerwa bei Stoschek schlicht als gegeben vorausgesetzt werden muss. Und dass dieser Wille, nun ja, allerlei Wellen geschlagen hat seit 2012.

Um es abzukürzen, geht es seit Jahren immer um dieselbe fränkische Frage: Derf der des? Die Antwort fiel, gelinde gesagt, kompliziert aus, bis sich die Stadtverwaltung 2018 zu einem salomonischen Kraftakt veranlasst sah. Wenn, vorsichtig geschätzt, etwa 237 Verwaltungsvoraussetzungen erfüllt sind, so darf sich jeder - also Max Mustermann genauso wie Michael Stoschek und die Seinen - eine Fahrt mit dem Amphibienfahrzeug genehmigen lassen, falls ein "besonderes Ereignis" vorliegt. Was die Sandkerwa nun mal ist.

Damit zurück zu Bernhard Fischenich, der nach der Zeitungslektüre vor einem Jahr folgenden Reflex zunächst nicht unterdrücken konnte: Wollen wir doch mal sehen, ob das so stimmt. Er rief in Bamberg an, ließ sich erklären, was genau einzureichen, abzuklären, vor- und nachzuweisen ist - und war sich nach der länglichen Unterweisung sicher, dass er das kann. Bald schon danach aber verflog sein Ehrgeiz. Strahlender Sieger im Verwaltungsmarathon? "Wollt' ich dann doch nicht", sagt er.

Fischenich hatte den Gedanken schon begraben, als sich der Fränkische Tag (FT) bei ihm meldete. Die Bamberger Zeitung hatte die Auskunft, dass jeder in den Fluss stechen kann, der eben kann, ebenfalls animiert. Nur fehlte dem Verlag allerlei dafür (nicht zuletzt ein passendes Amphibienfahrzeug). Das aber hatte Fischenich. Weil aber der FT den Verwaltungskram übernehmen wollte, war er wieder an Bord.

Jedenfalls bis vor wenigen Tagen. Da reichte die Untere Schiffer- und Fischerzunft Klage zum Verwaltungsgericht ein. Was exakt die Zunft grämt, muss im Diffusen bleiben. "Schwebendes Verfahren", sagt ein Vorstand, er bitte um Verständnis. Es dürfte den Fischern um die Wasserqualität gehen; darum, dass nicht immer mehr Amphibienfahrzeuge auf der Regnitz tuckern. Ansatzpunkt für die Klage ist die Tatsache, dass der Gutachter Fischenich das Gutachten über sein Fahrzeug selbst erstellt hat. Was er selbst für unverdächtig hält, dafür sei er ja vereidigt, und die Stadt nicht daran hinderte, die Genehmigung zu erteilen. Nun aber muss zunächst das Gericht entscheiden, das dürfte dauern.

2019 hätte die Chronik zum Kerwa-Ausklang am Montag also ein weiteres Mal lediglich ein Amphibienfahrzeug verzeichnen können. Oder anders gesagt: die ungeteilte Aufmerksamkeit für Michael Stoschek wäre theoretisch sicher gewesen. Nur: Laut einer Stadtsprecherin war eine solche Fahrt zwar beantragt und genehmigt. Nur habe diesmal tatsächlich niemand ein Amphibienfahrzeug entdeckt. Ist also gar keiner in den Fluss gestochen? Die Geschichte der Amphibienfahrten auf der Regnitz bleibt schillernd.